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Wirtschaft

Tourismus: Das Defizit steigt

Die Regensburg Tourismus GmbH profitiert vom Gästeandrang weniger als geplant. Das Marinaforum bringt noch mehr Schulden.
Von Julia Ried

Immer mehr Gäste kommen nach Regensburg. Doch die städtische Tourismus GmbH profitiert davon nicht.
              Foto: Katja Fouad-Vollmer/RTG
Immer mehr Gäste kommen nach Regensburg. Doch die städtische Tourismus GmbH profitiert davon nicht. Foto: Katja Fouad-Vollmer/RTG

Regensburg.Jahr für Jahr meldet Tourismus-Chefin Sabine Thiele einen neuen Gäste-Rekord: Auf mehr als eine Million hat die Zahl der Übernachtungen pro Jahr inzwischen zugenommen, hieß es von ihr im Februar. Doch wirtschaftlich läuft es weniger gut für die Stadttochter Regensburg Tourismus GmbH (RTG). In wichtigen Geschäftsfeldern schnitt sie schlechter ab als geplant. Dabei kommt ein großer Kostenfaktor der nächsten Jahre erst 2018 zum Tragen: Das Veranstaltungshaus Marina-Forum wurde, verspätet, erst in diesem Jahr eröffnet.

Die RTG, die im vergangenen Jahr 37 Mitarbeiter und sechs Azubis beschäftigte, verdient ihrem Jahresabschluss zufolge ihr Geld zu etwa einem Viertel mit Veranstaltungsmanagement. 254 433 Euro von den Gesamteinnahmen von gut einer Million Euro kamen so 2017 in die Kasse. Ein zweites Viertel ihrer Einnahmen generiert sie aus Gästeführungen: 246 474 Euro. Auf den Plätzen folgen Arrangements für Gruppen und Individualreisende (141 683 Euro) und Kartenverkauf und Provisionserlöse (112 027 Euro).

Erträge sinken seit Jahren

Doch bei fast allen diesen Umsatzbringern lagen die Einnahmen unter Plan-Soll. Nur beim Kartenvorverkauf und im Reichstagsmuseum lief es 2017 besser als vorgesehen. Im Vergleich mit den Ist-Werten der Jahre seit 2013 sind die Erträge auch insgesamt gesunken, von 1,25 Millionen Euro auf gut eine Million Euro. Eklatant ist die Entwicklung bei der Zimmervermittlung. Noch 2013 erwirtschaftete die RTG damit 118 220 Euro – 2017 waren es noch 16 591 Euro. Insgesamt lag das Defizit der RTG in den Jahren 2015 und 2016 knapp unter zwei Millionen Euro. Für 2017 muss die Stadt einen Verlust von 2,04 Millionen Euro ausgleichen. 2012 betrug der Fehlbetrag noch 1,31 Millionen Euro.

Sabine Thiele ist Geschäftsführerin der RTG Foto: Lex
Sabine Thiele ist Geschäftsführerin der RTG Foto: Lex

Die Frage der Mittelbayerischen, warum die Erlöse unter Plan blieben, beantwortete die RTG nicht. Sabine Thiele sagt dazu: „Dass die RTG überhaupt Erlöse generiert, ist ein Zusatznutzen, um das Budget zu entlasten.“

Die Konkurrenz wächst

Was die Zimmervermittlung angeht, nutzt die RTG wie alle ostbayerischen Städte das Buchungssystem des Tourismusverbands Ostbayern (TVO). Hier gilt laut TVO-Geschäftsführer Dr. Michael Braun: „Die Buchungsaktivität auf den Seiten der Städte ist rückläufig.“ Das liege an der extremen Stärke der großen Internetportale wie Booking, HRS und Expedia. „Die Digitalisierung krempelt alles total um.“ Kathrin Fuchshuber, Sprecherin des Vereins „Hotels in Regensburg“, weist zudem darauf hin, dass viele Gäste inzwischen direkt im Hotel buchen.

Ein Video zum Kreuzfahrttourismus in Regensburg sehen Sie hier.

Immer mehr Kreuzfahrtschiffe in Regensburg

Braun sagt: Der Wettbewerb ist auch in den anderen touristischen Geschäftsfeldern gewachsen. „Wenn die Nachfrage steigt, steigen andere in das Geschäft ein.“ Überhaupt sei es aber nicht primäre Aufgabe der RTG, möglichst viel Gewinn mit den Touristen zu machen. Für von Kommunen getragene Tourismusgesellschaften gelte: „Wir wollen neue Gäste gewinnen. Wie die dann buchen, ist sekundär.“

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Fuchshuber sieht großen Handlungsbedarf bei der RTG, was die Erfüllung dieser Aufgabe angeht. Ihr Internetmarketing sei unzureichend. „Hier muss man kritisieren, dass der momentane Auftritt von Regensburg rein informativ ist.“ Die Stadttochter müsse überhaupt ihr Geschäftsmodell überdenken, solle sich nicht mit privaten Anbietern messen, sondern eine Dachmarke erarbeiten, die über das Weltkulturerbe und die sonstigen bekannten Größen hinausgeht. „Der Auftrag sollte sein: Ein zukunftsfähiges Konzept für die Stadt und gemeinsam mit den touristischen Leistungsträgern gegen den globalen Wettbewerb, denn nur so können wir alle überleben.“

Unzufrieden mit der Arbeit der RTG ist auch ÖDP-Stadtrat Joachim Graf. Er stimmte am Donnerstag im Verwaltungsausschuss gegen die Entlastung der Geschäftsführung, weil diese seiner Ansicht nach nicht „Klasse statt Masse“ fördert.

„Das Marina-Forum – genau wie ein RKK – rechnet sich nicht.“

Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt Regensburg

Was das Marina-Forum betrifft, so geht die Stadt davon aus, dass das Kongress- und Veranstaltungszentrum ihr einen Verlust von 500 000 Euro im Jahr einbringt. „Das Marina-Forum – genau wie ein RKK – rechnet sich nicht“, sagte Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra vor der Eröffnung im April. Die RTG muss im Jahr 369 440 Euro Miete zahlen für circa 4600 Quadratmeter – der Mietvertrag läuft bis 2043. Eigentümer des Gebäudes und Vermieter ist Thomas Dietlmeier, Ex-Vorstand der Immobilien-Zentrum Holding. Die Nebenkosten belaufen sich auf circa 110 000 Euro im Jahr.

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Geschäftsfelder der Tourismus GmbH

  • Veranstaltungen:

    Die RTG baut das Segment mit ihrem neuen Veranstaltungszentrum im alten Schlachthof aus.

  • Zimmervermittlung:

    Zwei Prozent Provision zahlen Hotels an die RTG, sechs Prozent an den Tourismusverband.

  • Information:

    Das Besucherzentrum Welterbe und die Tourist-Information sind Anlaufstellen für Gäste.

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