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Regensburg
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Verkehr

Umweltzone: Kaufleute sauer

Ab 15. Januar dürfen nur Autos mit grüner Plakette in Regensburgs Stadtkern. Händler fürchten, dass weniger Kunden kommen.
Von Julia Ried

Die Umweltzone gilt ab 15. Januar: Dann ist für die Einfahrt in die Innenstadt eine grüne Plakette nötig – oder eine Ausnahmegenehmigung. Foto: Gruber
Die Umweltzone gilt ab 15. Januar: Dann ist für die Einfahrt in die Innenstadt eine grüne Plakette nötig – oder eine Ausnahmegenehmigung. Foto: Gruber

Regensburg.Guido Herrmann, Geschäftsführer von Galeria Kaufhof in der Innenstadt, ist verärgert. Die Umweltzone kommt am 15. Januar in der geplanten Form, wie die Stadt jetzt verkündete. Dann dürfen nur noch Fahrzeuge mit grüner Plakette – oder Ausnahmegenehmigung – in den Stadtkern fahren. Herrmann sagt: „Das ist eine eindeutige Benachteiligung der Altstadt von Regensburg.“ Er fürchtet, dass die Umweltzone Kunden verschreckt.

Herrmanns Kritik teilen viele aus der Geschäftswelt – aber auch Umweltschützer. Ingo Saar, Geschäftsführer von Faszination Altstadt, der Vereinigung der Altstadtkaufleute, sagt: „Natürlich ist es ein Stück weit Wettbewerbsverzerrung.“ Auch der Luft bringe eine solche Maßnahme wenig. „Wenn eine Umweltzone wirksam errichtet werden soll, muss sie mindestens die großen Tangentialverbindungen mit einbeziehen.“

BN: „Keine frohe Botschaft“

Tina Dorner und Helmut Kangler von der Kreisgruppe des Bundes Naturschutz argumentieren ähnlich: „Keine frohe Botschaft für alle, besonders aber für viele von Asthma und Krupp Geplagte und für viele Radfahrer, die die Regensburger Luft verstärkt einatmen müssen. Sie haben offensichtlich auch in einer Stadt mit bunter Koalition wenig Lobby“, so kommentieren sie den neuen Luftreinhalteplan samt Umweltzone. Sie kritisieren zudem: „Auch wird ein weiteres Mal nur die Altstadt in der Wahrnehmung vieler Bürger noch ,schwieriger‘ zu erreichen sein. Die Einkaufszentren werden sich freuen.“

Hier sehen Sie, welches Areal der Stadt zur Umweltzone wird.

Alle Innenstadt-Parkhäuser liegen innerhalb der Umweltzone. Das kritisierten Bürger auch auf der Facebookseite der Stadt, als diese das Einführungsdatum verkündete. Herrmann sagt, die Stadt müsse jetzt rasch den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) verbessern. Und er fordert: „Man muss jetzt wirklich schleunigst schauen, dass man den Parkraum am Unteren Wöhrd schafft.“ Danach sieht es im Moment aber nicht aus: 2018 sollen der städtischen Pressestelle zufolge die Planungen für das Parkhaus beginnen. In Betrieb geht es frühestens 2022.

Knapp vier Prozent der in Regensburg 74 834 zugelassenen Pkw (Stand 30. September) haben keine grüne Plakette und 12,5 Prozent der 4926 Lkw. Dazu kommen die Pendler und Firmen von außerhalb, deren Fahrzeuge die Euro-Norm-4 nicht erfüllen.

„Man muss jetzt wirklich schleunigst schauen, dass man den Parkraum am Unteren Wöhrd schafft.“

Guido Herrmann, Geschäftsführer von Galeria Kaufhof

Über Ausnahmegenehmigungen will die Stadt streng entscheiden, kündigt sie an. Im neuen Luftreinhalteplan der Regierung der Oberpfalz, den diese mit der Stadt erarbeitet hat, heißt es: Zunächst gelte der Grundsatz, „Nachrüstung vor Ausnahme.“ Eine kostenpflichtige Einzelausnahme sei, zeitlich auf maximal ein Jahr befristet, nur möglich für „Fahrten zur Versorgung der Bevölkerung mit lebenswichtigen Gütern oder mit lebensnotwendigen Dienstleistungen“, wozu etwa die Belieferung eines Lebensmittelhändlers und das Beheben eines Wasserschadens gehört, und „Fahrten zur Wahrnehmung überwiegend und unaufschiebbarer Einzelinteressen“ – etwa von Schichtdienstleistenden, die nicht auf den ÖPNV ausweichen können. Anwohner und Gewerbetreibende können nach dem ersten Jahr nach Inkrafttreten nur zur „Vermeidung einer unzumutbaren Härte im Einzelfall“ eine Ausnahmegenehmigung bekommen.

Zusammen mit anderen Maßnahmen soll die Umweltzone dafür sorgen, dass die Grenzwerte für Stickstoffdioxid in der Luft – sie wurden in den vergangenen Jahren meist leicht überschritten – und die für Feinstaub eingehalten werden. Konkret will die Stadt erreichen, dass bis 2030 viele Bürger vom Auto auf ein anderes Verkehrsmittel umsteigen. Sie hat die Busflotte auf schadstoffärmere Fahrzeuge umgestellt und fördert Elektro-Mobilität.

Experte: Verkehrsfluss wichtig

Damit sind in dem Plan für saubere Luft „ganz gute Ansätze“ enthalten, sagt Dr. Ulrich Vogt, Leiter der Abteilung für Luftreinhaltung am Institut für Feuerungs- und Kraftwerkstechnik der Uni Stuttgart. „Man muss versuchen, den motorisierten Individualverkehr unattraktiv zu machen und den ÖPNV möglichst attraktiv.“ Parken müsse teuer werden, Bus fahren möglichst günstig, schnell und komfortabel, etwa durch einen engen Takt. Wichtig sei es auch, den Autoverkehr so weit zu verflüssigen wie möglich – etwa durch ein Tempolimit. Damit sei in Stuttgart viel erreicht worden. „Auf der anderen Seite muss man damit vorsichtig sein, um nicht neuen Verkehr anzuziehen.“

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Geld vom Bund für saubere Luft

  • Antrag:

    Der Bund will den Städten, in denen die Luft besonders schlecht ist, mit einem Milliarden-Sofortprogramm helfen. Das ist ein Ergebnis der „Dieselgipfel“. Regensburg sind 100 000 Euro zugesagt.

  • Plan:

    Umweltamtschef Rudolf Gruber reist an diesem Dienstag nach Berlin, um einen ersten Förderbescheid abzuholen. Er würde das Geld etwa gern in mehr Elektrobusse investieren oder ein besseres Online-Parkleitsystem.

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  • RE
    Rainer Exner
    19.12.2017 08:09

    Und wos is wenn i vo außerhalb kumm, zu am Facharzt muaß wo i ned ewig hatschn ko? Sui i na bis zur Demarktationslinie fahrn, parken und na mim Bus oder Taxi weidafoahrn? Oder griag i vom Doc an Tagespass? . BItte?

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