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Regensburg
Donnerstag, 19. April 2018 26° 1

Stadtentwicklung

Vom „Obstgarten“ keine Spur

Am Regensburger Brandlberg leben derzeit 400 Menschen. Schon bald werden es 1800 sein. Die Probleme sind vorprogrammiert.
Von Wolfgang Ziegler

Das Neubaugebiet Brandlberg in dieser Woche: Bis Ende 2020 sollen alle Bauarbeiten abgeschlossen sein. Foto: Lex

Regensburg.Nirgendwo verändert Regensburg sein Gesicht derzeit so sehr wie am Brandlberg. Wenn voraussichtlich Ende 2020 der letzte Handwerker zusammengepackt hat, werden in dem Neubaugebiet an der Pilsen-Allee 550 Wohneinheiten entstanden sein und 1400 Menschen ein neues Zuhause gefunden haben – oder eine Trabantenstadt aus dem Boden gestampft worden sein, wie Kritiker des Großprojekts sagen.

Geplant war das Neubaugebiet in dieser Dimension anfangs nicht. Ursprünglich sollten am „Obstgarten“, wie das Baugebiet heißen sollte, 150 Einfamilienhäuser entstehen. Dann kam die sogenannte „Nachverdichtung“ – im Stadtgebiet ist Wohnraum Mangelware, neue Flächen für weitere Baugebiete gibt es kaum. Regensburg rief deshalb 2016 eine Wohnbauoffensive ins Leben, in deren Rahmen Gebiete für weiteren Wohnungsbau aufgespürt werden sollten. Am Brandlberg wurde man schnell fündig. Noch im selben Jahr war bereits von 275 Wohneinheiten die Rede, wenig später schrieb das Immobilienzentrum (IZ) Regensburg als Hauptbauträger am Brandlberg von 400 Wohnungen bzw. Häusern.

Lesen Sie hier: Von 197 auf 563 Wohnungen: Der „Obstgarten-Entwurf“ ist Geschichte. Ein Architekt sagt: Das IZ hat Urheberrechte verletzt.

Der Verkehr wird zum Problem

Nun werden nach Angaben der Stadt im Endausbau 235 Einfamilien-, Reihen- und Kettenhäuser sowie 315 Wohnungen in Wohnblocks, dem sogenannten Geschoßwohnungsbau, entstehen – und allesamt wurden bereits an den Mann gebracht. Das IZ hat in den von ihm realisierten Mehrfamilienhäusern 40 Prozent der Wohnungen an Eigennutzer verkauft und 60 Prozent an Kapitalanleger, wie auf Anfrage unseres Medienhauses mitgeteilt wurde. Und auch der in Tegernheim ansässige Immobilienentwickler La Brique ist alle seine 102 auf 14 Häuser aufgeteilten Wohnungen schnell losgeworden, wie uns Geschäftsführer Karlheinz Deller sagte. Gleiches gilt nach den Worten von Geschäftsführerin Elisabeth Kinskofer für die 24 Wohnungen der Haueisen + Kinskofer Projektentwicklungs GmbH aus Neumarkt. Die Gesamtinvestitionssumme liegt bei mehr als 300 Millionen Euro.

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Kommentar

Ausweglos

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Was die einen freut, ist der anderen Leid. Konrad Birkmeier, ein alteingesessener Brandlberger, der auch als Vorstandsmitglied des traditionsreichen Männer- und Burschenvereins Brandlberg fungiert, erkennt seinen Stadtteil kaum wieder. Im Interview mit der Mittelbayerischen sprach er von einem „furchtbaren Tal“, das so eng bebaut werde, dass keine Sonne mehr durchkomme – „wie in Neuperlach in München“.

„Wenn künftig 1400 Neubürger hier leben und der Liefer- und Kundenverkehr zum neuen Verbrauchermarkt dazukommt, ist das tägliche Chaos vorprogrammiert.“

Konrad Birmeier, Brandlberger

Als wirkliches Problem sieht er allerdings die Verkehrssituation an. „Für den Brandlberg gibt es nur eine einzige Zufahrt über die Glashüttenstraße“, sagt er. „Wenn künftig 1400 Neubürger hier leben und der Liefer- und Kundenverkehr zum neuen Verbrauchermarkt dazukommt, ist das tägliche Chaos vorprogrammiert.“ Zusammen mit den meisten der 400 Alt-Brandlberger fordert er daher eine zweite Zufahrt zu dem Stadtteil. „Das haben wir von Anfang an gesagt, aber die ist uns einfach verweigert worden – aus fadenscheinigen Gründen“, so Birkmeier. Wie dringend notwendig diese sei, habe man nach seinen Worten am 14. März gesehen, als die Zufahrt von Lastwagen blockiert war und nicht einmal mehr Rettungsdienste durchkamen.

Birkmeiers Aussage und dessen Vorwürfe will La Brique-Geschäftsführer Deller so nicht stehen lassen. Nach seinen Worten sei die gegenwärtige Verkehrssituation nicht optimal, „aber auch nicht besonders schlimm“. Mit Ende der Baumaßnahmen werde diese deutlich besser werden. „Wir sind bestrebt, da draußen etwas Tolles zu errichten. Und wir wollen nicht, dass die Bewohner später täglich im Stau stehen.“

Koordination läuft oft ins Leere

Derzeit aber arbeiteten auf den Baustellen viele Firmen, was zu einem „sehr hohen Verkehrsaufkommen führt“. Das sei bei großen Baumaßnahmen nicht unüblich. Um so wenig Chaos wie möglich zu verursachen, fänden am Brandlberg laut Deller wöchentliche Koordinationsbesprechungen mit den anderen Bauträgern und den Bauleitern der Firmen statt. Eine Vorausplanung sei dennoch nur bedingt möglich. „Wenn die Lieferfahrzeuge in Regensburg im Stau stehen und dadurch zu spät ankommen oder Zulieferer aufgrund ihrer Auslastung Termine nicht einhalten, sind wir trotz aller Koordination machtlos“, sagt er. Seine Bauleiter seien aber immer vor Ort und würden sich kümmern.

Mehr zum Thema Bauen und Wohnen in Regensburg finden Sie hier.

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