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Bildung

Waldorfschule nimmt entscheidende Hürde

Ein Investor baut eine Schule, um sie später zu vermieten – ein Novum. Jetzt gab es grünes Licht für den Bebauungsplan.
Von Norbert Lösch

So soll die neue Waldorfschule nach Fertigstellung des ersten Bauabschnitts einmal aussehen. Animation: Ferdinand Schmack jun. GmbH
So soll die neue Waldorfschule nach Fertigstellung des ersten Bauabschnitts einmal aussehen. Animation: Ferdinand Schmack jun. GmbH

Regensburg.Rudolf Steiner heißt der Begründer der Waldorfpädagogik, und steinig ist der Weg zur ersten „richtigen“ Waldorfschule Ostbayerns in Regensburg. Was derzeit noch eine provisorisch eingerichtete Grundschule ist, soll innerhalb von zehn Jahren ein komplettes Schulzentrum mit durchlässigen Bildungswegen bis zur allgemeinen Hochschulreife werden. Eine wichtige Hürde nahm das Projekt am Dienstag im Planungsausschuss des Stadtrats: Er stimmte dem Bebauungsplan für das Grundstück südlich der Continental Arena zu.

Auf dem Gebiet einer ehemaligen Obstplantage im Stadtsüden – gegenüber der östlichen Parkplätze der Continental Arena an der Franz-Josef-Strauss-Allee – soll das Schulzentrum der Freien Waldorfschule Regensburg entstehen. Das Bauvorhaben soll abschnittsweise über etwa zehn Jahre realisiert werden. Zum Schuljahr 2016/17 startete der Schulbetrieb mit einer 1. und einer 3. Klasse in der umgebauten „Obsthalle“ mit etwa 30 Kindern. In einer zweiten Stufe wurde zum Schuljahr 2017/18 zusätzlich eine Containeranlage bezogen, in der sich aktuell vier Grundschulklassen und eine Kindergartengruppe befinden.

Zehn Jahre Bauzeit vorgesehen

Sobald der erste Bauabschnitt des Schulzentrums fertiggestellt ist, wird die Grundschule diesen beziehen. Im Anschluss soll der Ausbau des Schulzentrums durch eine Mittel- und Oberstufe, einer Turnhalle mit Theatersaal sowie eines Kinderhauses erfolgen. Mit den dann fünf fertiggestellten Bauabschnitten soll die Schule in etwa so groß sein wie das städtische Von-Müller-Gymnasium. Mit vergleichsweise deutlich weniger Kindern – von 350 bis 400 ist die Rede.

Bauherr ist im Fall der privaten Waldorfschule Regensburg weder Staat noch Kommune, sondern ein privater Bauträger: die Ferdinand Schmack jun. GmbH. Der Investor hatte das Grundstück aus privater Hand erworben; die Stadt hatte damals auf ihr Vorkaufsrecht verzichtet und schon damit das Projekt unterstützt. Die auf weit über 20 Millionen Euro geschätzten Gesamtkosten trägt der Immobilienentwickler, der die Schule dann langfristig an den Träger vermieten will – eine sehr ungewöhnliche Konstellation.

Schon vor gut zwei Jahren hatte Schmack darauf gehofft, dass für das 14000 Quadratmeter große Grundstück schnell Baurecht geschaffen werden kann. Dazu muss aber erst einmal der bestehende Flächennutzungsplan geändert und ein Bebauungsplan für das Areal aufgestellt werden – was am Dienstag auf der Tagesordnung des Stadtplanungsausschusses stand.

Grüne Dächer, gefällte Bäume

Große Bedenken hatten die Ausschussmitglieder nicht. Lediglich Benedikt Suttner (ÖDP) äußerte seine Befürchtung, der Bau der Schule könne erst der Anfang der Erschließung des gesamten Natur-Areals südlich des Stadions sein. Außerdem fragte er, ob für das Projekt tatsächlich so viele Bäume wie vorgesehen geopfert werden müssen. Laut Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer ist ein Schulneubau auf einer Fläche, die früher eine Obstbaumplantage war, aber nicht ohne entsprechende Verluste machbar. Weitere Bebauungspläne für die Nachbarschaft stünden aktuell nicht zur Debatte. Irmgard Freihoffer (Linke) wollte Aufschluss über das Ausmaß der geplanten Begrünung der Pultdächer. Laut Verwaltung fordert der Bebauungsplan 90 Prozent Grün auf den Dächern, damit möglichst wenig technische Aufbauten zu sehen sind.

Dass ein Bauvorhaben auf einem vorher naturnah genutzten Grundstück immer ein Kompromiss ist, konnte die Mehrheit der Ausschussmitglieder nachvollziehen und stimmte für den Bebauungsplan. Der beinhaltet allerdings eine Reihe von Ausgleichsmaßnahmen, mit deren Umsetzung bereits begonnen wurde. So müssen zum Beispiel insgesamt 41 Bäume neu gepflanzt werden und Ersatz für den Verlust von Brutstätten für Vögel und Fledermäuse geschaffen werden. Mittlerweile gibt es 30 Nistkästen, und neuer Lebensraum für die Zauneidechse soll an anderer Stelle entstehen.

Die CSU-Fraktion stimmte als einzige gegen den Bebauungsplan und auch gegen die Änderung des Flächennutzungsplans. Vorsitzender Dr. Josef Zimmermann begründete die ablehnende Haltung gegenüber der MZ mit einem Grundsatzbeschluss seiner Fraktion. Demnach werde man vorerst gegen alles votieren, was neues Baurecht für Investoren schafft, die Beschuldigte in der Korruptionsaffäre sind. „Das gilt konsequenterweise auch für Vorstufen wie Bebauungspläne“, so Zimmermann.

Standort und Konzept

  • Die Freie Waldorfschule

    Regensburg ist eine staatlich genehmigte Ersatzschule für Grundschule und Gymnasium und bietet später als Abschlüsse Abitur (13 Schuljahre) und Mittlere Reife (11 Schuljahre) an.

  • Position

    in der Regensburger Schullandschaft: „Es ist uns wichtig, dass unsere Schüler die wirtschaftlichen, technischen und gestalterischen Elemente, welche unsere Gesellschaft formen, in der Schule praktisch und unmittelbar erleben können“, beschreibt der Gründungskreis ein Grundkonzept der Waldorfschule. „Unsere Schule soll nicht als abgeschottete Insel außerhalb der Gesellschaft wirken, sondern als ein interaktives, partizipierendes Element mit der Gesellschaft in Beziehung treten.“

  • Ganz konkret

    sind etwa Kooperationen mit örtlichen Werkstätten, Betrieben und Firmen (Praktika) angedacht, aber auch die eigene Fertigung handwerklicher Produkte, die dann auch verkauft werden sollen. Eine weitere Idee: eine Fahrradwerkstatt auf dem Schulgelände.

  • Waldorfschulen

    (auch: Rudolf-Steiner-Schulen und in Deutschland Freie Waldorfschulen) sind Schulen, an denen nach der von Rudolf Steiner (1861 bis 1925) begründeten Waldorfpädagogik unterrichtet wird. Die Waldorfpädagogik beruht auf der anthroposophischen Menschenkunde Rudolf Steiners. In Deutschland sind Waldorfschulen staatlich anerkannte Ersatzschulen in freier Trägerschaft, die nur teilweise staatlich gefördert werden und daher auf Spenden angewiesen sind.

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