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Regensburg
Montag, 20. August 2018 32° 2

Museen

Weiß-blaue Geschichte – erzählt in 3D

Im Mai ist Grundsteinlegung für das neue Bayern-Museum. Das Gedächtnis für 200 Jahre Freistaat wird multimedial inszeniert.
Von Marianne Sperb, MZ

  • Der Siegerentwurf von Wörner, Traxler, Richter für das Museum der Bayerischen Geschichte am Regensburger Donaumarkt, gesehen von der Gasse Unter den Schwibbögen: 2018 ist Eröffnung. Foto: altrofoto.de
  • Der Siegerentwurf des Architekturbüros Wörner, Traxler, Richter für das Museum der Bayerischen Geschichte am Regensburger Donaumarkt, vom Kolpinghaus her gesehen: 2018 ist Eröffnung. Foto: altrofoto.de
  • Richard Loibl, Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte Foto: Handout/Privat dpa/lby

Regensburg.200 Jahre Verfassung des Königreichs, 100 Jahre Freistaat: Bayern feiert 2018 Doppeljubiläum und schenkt sich ein Museum der Bayerischen Geschichte. Ab Februar wird die Baustelle eingerichtet, voraussichtlich im Mai der Grundstein gelegt. 2018 soll das Haus am Regensburger Donaumarkt, das der Freistaat für 67,3 Millionen Euro baut, eröffnen.

200 Jahre Verfassungsgeschichte – das klingt, wenn man kein glühender Freund von Geschichte ist, erst mal recht fad. Richard Loibl, Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, erklärt am Dienstag in Regensburg, wie aufregend das Museum den Stoff aufbereiten will und wie die Architektur – die teilweise heftig kritisiert wird – zum Konzept passt. Mitveranstalter des Abends sind der Historische Verein für Oberpfalz und Regensburg, der Arbeitskreis Regensburger Bürger und die Altstadtfreunde.

Das Haus setzt stark auf neue Medien. „Das fängt beim Audioguide an: So einen wird’s nicht geben“, verrät Loibl vorab. Besucher laden Informationen und Hintergründe auf ihr Tablet oder Smartphone und rufen, je nach Interesse, Beiträge ab: Hörfunk-Sendungen aus der Nachkriegszeit zur Demokratie-Debatte etwa oder Film-Sequenzen des legendären Architekturkritikers Dieter Wieland zur Frage, wie viel Heimat die Moderne kosten darf.

Woher die Stranitzn kommt

Bayern manifestiert sich im Dialekt. Was Bairisch ist, wie sich Mittelbayerisch von Fränkisch und Schwäbisch unterscheidet und wie bayerische Redensarten entstanden sind, macht ein Sprachraum im neuen Museum hörbar. Dort können Kinder bayerische Begriffe Figuren zuordnen –und zum Beispiel lernen, was eine Stranitzn ist, nämlich eine spitzzulaufende Papiertüte beim Bäcker, oder woher der Begriff Zamperl zugelaufen ist, nämlich aus dem Italienischen.

Ein Kernstück im Museum wird die Bavariathek, ein digitales Gedächtnis für 200 Jahre weiß-blaue Geschichte. „Das müssen Sie sich vorstellen als mediales Schulungscenter“, sagt Loibl. Es bündelt mediale Überlieferung und gibt Nachhilfe in kritischer Internet-Recherche. Schülern können hier eigene Produktionen konzipieren, von der klassischen Ausstellung bis zur App.

Bayern haben eine gewissen Affinität zur Bühne. Loibl greift sie auf: Das „Geschichtstheater“, das Botschaften über Bilder vermittelt, erklärt er zum wichtigsten Gestaltungselement im Haus. Aus dem Zeitstrahl durch 200 Jahre Bayern-Geschichte, der durch das Museum führt, werden prägende Episoden auf kleine Bühnen geholt. Die Mini-Inszenierungen erlauben, einzelne Bereiche umzubauen – etwa, wenn die Rückgabefrist für Leihgaben ausläuft –, ohne das ganze Museum umkrempeln zu müssen. Der zweite Effekt, so Loibl: „So bleibt das Museum frisch.“

Der Begriff barrierefreies Museum meint in Deutschland den behindertenfreien Zugang zum Gebäude. In der angelsächsischen Museumslandschaft etwa beschreibt er, alles beiseite zu räumen, was Besucher hindert, mehrmals im Jahr ins Haus zu kommen.

Inhalte permanent aktualisiert

In diesem Sinn wird das Museum der Bayerischen Geschichte maximal barrierefrei, sagt Loibl. Die multimediale Präsentation erlaube es, Inhalte permanent zu aktualisieren und immer wieder neu in Beziehung zu setzen. Außerdem werde das Stuttgarter Szenografiebüro HG Merz nach allen Regeln der Kunst mit dreidimensionalen Projektionen und Medieninstallationen für Spannungseffekte sorgen. „Natürlich“, räumt Loibl ein, „darf über all dem neuen technischen Gezumsel die klassische Vermittlungsarbeit nicht zu kurz kommen.“

Die Schatzkammer des Museums ist inzwischen mit rund 1000 Objekten gefüllt. In detektivischer Arbeit hat das Museumsteam Dinge aufgespürt, die Gesellschafts- und Kulturgeschichte erzählen. Viele Menschen haben Erinnerungsstücke gespendet: Utensilien eines Arbeiters vom Bau der Walhalla etwa, Hochzeitskleider aus Fallschirmseide aus der Zeit nach 1945 oder eine Eismaschine, mit der ein italienischer Einwanderer Anfang der 1970er im Bayerischen Wald eine Eisdiele eröffnet hat. Von Bedenken, das Museum könnte zu populär oder gar kitschig wirken, will sich Richard Loibl nicht lenken lassen. „Langeweile scheint ja manchmal ein Kennzeichen von Wissenschaftlichkeit zu sein“, sagt er. „Aber in Wirklichkeit geht’s doch darum: Eine wahre Geschichte gut zu erzählen.“

Die Informationsveranstaltung „Museum der Bayerischen Geschichte“ findet am 3. Februar, 20 Uhr, im Runtingersaal, Keplerstraße 1, in Regensburg statt.

Kommentar

Schön und gut

Bühnen-Inszenierungen, 3D-Ansichten, Zugriff auf multimediale Quellen, permanente Aktualisierungen: Nach allem, was Richard Loibl vorab erzählt, darf man...

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