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Regensburg
Mittwoch, 20. Juni 2018 26° 4

Skulptur

Willkommen zurück, liebes Bruckmandl!

Am Dienstag nahm die sagenumwobene Statue auf der Steinernen Position ein. Kurzzeitig blickte die Figur nach Stadtamhof.
von Heike Haala

Frisch restauriert – mit Arm! Das Bruckmandl ist zurück auf der Steinernen Brücke. Foto: Froschhammer
Frisch restauriert – mit Arm! Das Bruckmandl ist zurück auf der Steinernen Brücke. Foto: Froschhammer

Regensburg.Heut’ oder nie: Das dachte sich Richard Reil, Chef des Heimatvereins Statt am Hoff, am Dienstagmorgen. Er fasste sich ein Herz und bat Walter Scholz von der gleichnamigen Baufirma, das Bruckmandl bei seiner Rückkehr auf die Steinerne doch mit Blickrichtung nach Stadtamhof aufzustellen. Der tat ihm den Gefallen – wenn auch nur für Sekunden. Dann drehten Scholz und seine Mitarbeiter das am Kran baumelnde Bruckmandl mit dem Gesicht in Richtung Dom, senkten es Zentimeter um Zentimeter, bis der Zementmörtel zwischen Sockel und Mandl herausquoll. Es war Millimeterarbeit und so dauerte es einige Minuten, bis Scholz und seine Helfer mit dem riesigen Metalldübel im Sockel in das Loch im Bruckmandlstein trafen. Bereits am frühen Morgen war das Bruckmandl im städtischen Bauhof auf einen Lastwagen geladen und in Richtung Steinerne tranportiert worden. Auf den letzten Metern bekam es sogar Polizeischutz. Dann verpackten die Bauarbeiter es in einer Konstruktion aus Holzbalken und riesigen Schrauben. Der Kran konnte andocken und es ging hoch hinaus. Mittags waren die Steinerne Brücke und das Mandl dann wieder vereint – und zogen sofort wieder Touristen an, die das Spektakel beobachteten und fotografierten.

Unsere Videoreporter haben das Bruckmandl auf die Brücke zurückbegleitet:

Wir haben das Bruckmandl auf seiner Reise begleite

In den vergangenen Jahren haben die Mitarbeiter des Tiefbauamts und der Dombauhütte dem Bruckmandl eine Verjüngungskur mit allem Pipapo verpasst. Die wird laut Peter Bächer, Leiter des Tiefbauamts, mit Kosten von 80 000 und 100 000 Euro zu Buche schlagen. Dabei hatten die Restaurateure zwei Aufgaben zu bewältigen. Sie mussten den rechten Arm des Bruckmandls ersetzen, der in der Zeit zwischen dem 25. und 27. Dezember 2012 verschwand und trotz einer Suchaktion mit Tauchern in der Donau nicht wiedergefunden werden konnte. So nahmen die Restauratoren einen Abdruck und formten den Arm nach.

Wir haben noch weitere Impressionen vom Bruckmandl. Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie

Die Rückkehr des Bruckmandls

Denkmalpflegerisches Peeling

Außerdem bekam das Bruckmandl ein denkmalpflegerisches Hautpeeling verpasst. Das war keine leichte Aufgabe. Denn laut Bächer hatten sich Flechten an der Oberfläche der Skulptur festgesetzt. Nachdem die Restauratoren die Flechten entfernt hatten, wurde ein weiteres Problem sichtbar, das den Stein des Bruckmandls zu zerstören drohte. Die Oberfläche der Skulptur platzte an vielen Stellen ab. Das geschah, weil sich Schwefel und Kalk im Stein des Mandls zu Kristallen verbanden. Diese Kristalle dehnten sich aus und brachten die Oberfläche des Steins zum Bersten. Bis zu zwölf Millimeter tief waren die Wunden des Bruckmandls.

Unser Kollege Heinz Klein beschreibt die Aufstellaktion aus Bruckmandl-Sicht:

Der Bruckmandl-Dreh: Dahoam is dahoam

Für kurze Zeit schaute das Bruckmandl in die „falsche“ Richtung – nach Stadtamhof. Foto: Froschhammer
Für kurze Zeit schaute das Bruckmandl in die „falsche“ Richtung – nach Stadtamhof. Foto: Froschhammer

Diesen Ablagerungen rückten die Sanierer mit einer Spezialmethode auf den Pelz, die „Vakuumtränkverfahren“ heißt. Mit Hilfe der Substanz Kieselsäureester, in Folie eingepackt und unter Vakuumverschluss befreiten sie das Bruckmandl von den zerstörerischen Kristallen. Zum Schluss checkten sie auch noch per Ultraschall, dass auch alles passt. Jetzt sieht es wieder so neu aus wie im Jahr 1854, als der Bildhauer Anton Blank es schuf.

Das Besondere an der Blankschen Version des Mandls: Es unterscheidet sich von seinen Vorgängern. Das sagt Dr. Eugen Trapp, Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde. Denn seit dem Jahr 1854 hebt das Bruckmandl nicht mehr den linken Arm in die Höhe, sondern den rechten. Sein Sockel stamme ebenfalls erst aus dieser Zeit. Zudem saß das Mandl zuvor an einem ganz anderen Punkt der Steinernen Brücke. „Auf dem anderen Geländer und ein wenig weiter unten, in Richtung Salzstadel, sagt Trapp.

Meisterwerk des Mittelalters: Hier finden Sie die Geschichte des Regensburger Wahrzeichens in Zahlen und Bildern!

Warum aber kam es dazu? Der Denkmalpfleger geht davon aus, dass die ursprüngliche Figur zwar einmal darauf abzielte, den besonderen rechtlichen Status der Brücke zu präsentieren. „Immerhin galt die Steinerne einmal als eine selbstständige rechtliche Person“, sagt Trapp. 1854 aber hätten die Regensburger ihr Mandl aber ordentlich uminterpretiert. Seine These: Das Mandl musste den emporgehobenen Arm und seine Position auch wechseln, um aus ihm eine Attraktion zu machen. In der Mitte des vorletzten Jahrhunderts kam der Tourismus auf. Reisegruppen fanden ihr Ziel auch damals schon in der Domstadt.

Wie gut kennen Sie sich mit der Steinernen Brücke aus? Rätseln Sie mit bei unserem Quiz!

Wie das Mandl Attraktion wurde

„Die Gestaltung, die Inschriften, das Wappen am Sockel – hier hat man alles getan, um ein Wahrzeichen auf der Brücke zu inszenieren“, sagt Trapp. Er verdeutlicht: Das Mandl sitzt jetzt am prominentesten Platz der Brücke. Von hier aus ist Regensburgs Paradeansicht am besten zu sehen. In Trapps Augen funktioniert es dadurch als eine Art Wegmarke, die Passanten anzeigt: Kommt her, hier gibt es etwas zu sehen. Sie sollen die Position des Mandls einnehmen und staunen. Vom alten Posten aus hätte das nicht funktioniert. „Das Original konnte gar nicht zum Dom schauen“, sagt Trapp. Er hat noch ein Argument für seine These. Und die hat mit der Baumeistersage zu tun. Diese Erzählung vom Streit zwischen dem Dombaumeister und dem Brückenbaumeister trägt in Trapps Augen nämlich weiter zum touristischen Glanz bei, den das auf die Kathedrale blickende Mandl nun einmal verspürt: Von dieser Position aus kann es auch als Brückenbaumeister gesehen werden, der den Dombau beobachtet. Auf diese Weise wird das Mandl sagenumwoben. Und so schreibt Trapp es auch dieser Neuinterpretation zu, dass das Mandl heute so populär und ein Identifikationspunkt ist.

Hier Sehen Sie unbekannte Fakten zur Steinernen Brücke:

Es gibt aber nicht nur mehrere Varianten des Mandls, sondern auch mehrere Varianten der Baumeistersage. Die kennt Bezirksheimatpfleger Tobias Appl. Die grundlegenden Eckdaten sind in jeder Erzählweise die gleichen. Der Dombaumeister und die Brückenbaumeister zu Regensburg befinden sich in einem Wettstreit, wer sein Werk wohl zuerst vollenden mag. Als der Brückenbaumeister ins Hintertreffen gerät, geht er einen Pakt mit dem Teufel ein. Der Brückenbaumeister verspricht dem Satan die ersten Seelen, die die Brücke passieren, schlägt ihm aber ein Schnippchen, indem er Tiere über die Steinerne Brücke jagt. Der Teufel rächt sich, indem er die Brücke beschädigt. Welche drei Tiere es sind, wird unterschiedlich überliefert: Mal ist von einem Hund, einer Henne und einem Hahn die Rede, mal gehörte ein Esel zu diesen drei Seelen, mal auch zwei Hennen. Auch zur Rache des Teufels gibt es mehrere Versionen: In einer schlägt er ein Loch in die Brücke, in der anderen verpasst er dem Brückengeländer seine Dellen.

Ein Video mit Fakten zur Steinernen Brücke finden Sie hier.

Die Steinerne Brücke in Zahlen

Die Geschichte der Steinernen Brücke sehen Sie in unserer Timeline:

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