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Regensburg
Mittwoch, 21. Februar 2018 3

Notfall

Zwangspause nach der Havarie

Felsen beschädigten den Frachter. Er darf nicht weiter. Trotz des Düngers an Bord besteht laut Schifffahrtsamt keine Gefahr.
von Heike Haala

  • Am Montagmorgen liegt das Schiff unterhalb der Oberpfalzbrücke am Ufer zum Dultplatz. Foto: Haala
  • Am Sonntagabend kam es wegen der Havarie zu einem aufsehenerregenden Einsatz der Rettungskräfte bei Winzer. Foto: Haala
  • Am Sonntagabend kam es wegen der Havarie zu einem aufsehenerregenden Einsatz der Rettungskräfte bei Winzer. Foto: Haala

Regensburg.Am Tag nach der Havarie eines Frachters auf der Donau steht die Ursache fest: Querströmungen in der Donau vor dem Pfaffensteiner Wehr sind der Grund für das Unglück, das einen aufsehenerregenden Einsatz der Rettungskräfte an und auf der Donau bei Winzer zur Folge hatte. Laut Auskunft der Wasserschutzpolizei und Hans Kerber vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Regensburg ist das Schiff am Sonntagabend von der Strömung erfasst worden und gegen eine Steinaufschüttung gestoßen, die den Europakanal von der Donau abzweigt. Die Felsen entlang dieser Trennmole rissen zwei faustgroße Löcher in die Bugwand. Deswegen hat das WSA nun ein Weiterfahrverbot erwirkt. Bis das Schiff repariert ist, muss es eine Zwangspause im Europakanal unter der Oberpfalzbrücke beim Dultplatz einlegen.

Der Frachter hatte seine Fahrt laut Kerber in Holland begonnen und fuhr unter rumänischer Flagge. Er war in Richtung Krems in Österreich unterwegs und hat 1000 Tonnen kaliumhaltigen Kunstdünger geladen. Am Sonntag gegen 18 Uhr wollte der Kapitän deswegen die Schleuse bei Pfaffenstein passieren.

Taucher untersuchten das Schiff am Montag:

Video: Heike Haala

Der Einsatz zog sich

Die Trennmole unter der Autobahnbrücke bei Pfaffenstein: Vor ihr fließt die Donau über das Wehr, hinter ihr führt der Europakanal in die Schleuse. Foto: Haala

Aber daraus wurde nichts. Der 54-Jährige musste die Feuerwehr alarmieren. Wasser war in den vorderen Teil des Schiffs eingedrungen. Die Berufsfeuerwehr sowie die Löschzüge aus der Altstadt und aus Winzer rückten mit mehreren Einsatzwagen und einer 70 Mann starken Truppe aus. Ebenso eilten die Rettungsdienste, die Wasserwacht, die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft und die Polizei an die Donau. Das Schiff fuhr laut Polizei nach dem Unfall etwa 1000 Meter flussaufwärts, wo es auf Höhe der Kreuzung der Bundesstraße 8 mit dem Übergang zur Nürnberger Straße an einem Holzsteg vertäut wurde. Bis 20 Uhr hieß es: „Pumpen, was das Zeug hält“. Dann fuhr das Schiff – begleitet von mehreren Schiffen der Einsatzkräfte – zu seinem jetzigen Liegeplatz unter der Oberpfalzbrücke. Wegen des Einsatzes war die Donau am Sonntagabend in diesem Bereich von 18:15 bis 21 Uhr für die Schifffahrt gesperrt.

Der Einsatz für die inzwischen deutlich reduzierte Einsatztruppe zog sich laut Feuerwehr bis weit in den Montagmorgen. Erst um 9.30 Uhr durfte sie abrücken. Zu diesem Zeitpunkt war so viel Wasser abgepumpt, dass der Kapitän das Schiff mit seinen eigenen Pumpen stabil halten konnte. Keines der beiden Besatzungsmitglieder wurde bei dem Unfall verletzt, allerdings entstand ein 20 000 Euro teurer Schaden an dem Schiff. Die Trennmole muss das WSA erst noch auf Schäden untersuchen.

Sehen Sie hier ein Video vom Großeinsatz an der Donau:

Video: Heike Haala

Die Wasserschutzpolizei bezeichnet den Frachter als ein älteres Modell. Laut Kerber vom WSA hat er aber ein gültiges Attest. Das sei mit einer TÜV-Plakette an Autos zu vergleichen. Ist das Attest eines Schiffs gültig, ist es für den Verkehr zugelassen. Kerber schließt auch deswegen einen technischen Defekt aus. Die Wasserschutzpolizei ermittelt derzeit noch, ob die Besatzung gegen das Schifffahrtsrecht verstoßen hat. „Bisher ging es um die Gefahrenabwehr“, sagt Johann Datzer von der Verkehrspolizei Regensburg, zu der auch die Wasserschutzpolizei gehört.

Kein Dünger im Wasser

Kerber und Datzer sagen übereinstimmend, dass von den 1000 Tonnen kaliumhaltigen Kunstdünger im Bauch des Schiffes keine Gefahr ausgeht. Der Frachtraum sei bei dem Unfall nicht beschädigt worden, der Dünger nicht in Berührung mit Wasser gekommen. Johannes Buchhauser, Leiter des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz, hatte am Sonntag im Gespräch der Mittelbayerischen gesagt, dass der Dünger zur Gefahr für die Umwelt werden könnte, sollte er in die Donau geraten.

Kerber vom WSA informierte nach dem Unfall die Reederei, der das Schiff gehört. In den Nachmittagsstunden des Montags nahmen sich Spezialtaucher des Frachters an. Sie mussten in den eiskalten Kanal steigen, um das Schiff auf Schäden zu untersuchen und diese abzudichten. Ob die Reparaturmaßnahmen erfolgreich waren, wird sich erst im Laufe des Dienstags herausstellen. Erst dann kann laut Kerber die Entscheidung getroffen werden, wie und ob das Schiff seine Fahrt fortsetzt: „Unter Umständen muss es einen Teil seiner Fracht abladen, um sicher weiterfahren zu können.“ Bei der Überprüfung des Schadens könne sich aber auch herausstellen, dass der Schaden nur in einer Werft repariert werden kann.

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