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Regensburg
Montag, 20. August 2018 30° 2

Attacke

Zwei Täter stiefelten Polizisten

Der Regensburger Beamte war sechs Wochen arbeitsunfähig. Einer der Männer gestand den Angriff. Er fühlte sich verfolgt.
Von Marion von Boeselager

Der Polizeibeamte musste nach der Prügelattacke eine Karrierechance aufgeben. Foto: Carsten Rehder/dpa
Der Polizeibeamte musste nach der Prügelattacke eine Karrierechance aufgeben. Foto: Carsten Rehder/dpa

Regensburg.Ein junger Polizist war im März 2017 privat in der Altstadt unterwegs. Vor ihm gingen zwei Männer. Da drehte sich einer von ihnen plötzlich zu ihm um und verpasste ihm aus heiterem Himmel einen Faustschlag ins Gesicht. Der Kumpel des Angreifers mischte sofort mit. Er drosch dem Beamten in Zivil vier Mal mit der Faust ins Gesicht, so die Staatsanwaltschaft. Der Polizeibeamte sank zu Boden. Doch die Täter steigerten ihre Aggressionen noch weiter: Sie schlugen und traten auf Kopf und Nacken des wehrlosen Opfers ein, das sich, am Boden zusammengekrümmt, zu schützen versuchte. Der 23-jährige Beamte hatte Todesangst.

Opfer verlor das Bewusstsein

„Ich sah nur noch, wie ein brauner Schuh auf mich zukommt“, sagte der Geschädigte im Zeugenstand vor dem Amtsgericht aus. „Dann weiß ich nichts mehr.“ Der Beamte wurde bewusstlos. „Als ich wieder zu mir kam, war ich voll Blut.“ Er kam mit Prellungen, einem Cut über der Augenbraue, der genäht wurden musste, Abschürfungen und schweren Kopf- und Nackenschmerzen ins Krankenhaus. Er war sechs Wochen lang krankgeschrieben und arbeitsunfähig.

„Als ich wieder zu mir kam, war ich voll Blut.“

Das Opfer

Jetzt stand einer der Schläger, der an der Ecke Fröhliche-Türken-Straße/Grasgasse den ersten Fausthieb ausgeführt haben soll, wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht. Die Staatsanwaltschaft warf ihm zudem verbotenen Drogenbesitz vor: Der 37-jährige Ex-Türsteher, der ein Lokal im Landkreis betreibt, konnte kurz nach der Prügelattacke aufgegriffen worden. Bei ihm stellte die Polizei ein paar Gramm Kokain sicher. Der Mittäter tauchte unter. Er konnte bisher nicht gefasst werden.

„Das ist alles erstunken und erlogen“, schimpfte der Angeklagte noch vor Eintreffen seines Anwalts Peter Weitzdörfer vor sich hin. Doch nach einem Rechtsgespräch zwischen den Prozessbeteiligten und einer kurzen Unterredung mit seinem Mandanten teilte sein Verteidiger mit: „Der Angeklagte räumt die Vorwürfe ein.“ Er bot dem Geschädigten als Täter-Opfer-Ausgleich zunächst 500 Euro an. Die Zeugen des Vorfalls konnten entlassen werden.

„Der Angeklagte hat die Vorstellung, dauernd überwacht und verfolgt zu werden. Er glaubt, er werde durch Strahlung belastet.“

Der Anwalt des Angeklagten

Als Grund für die unvermittelte Attacke gab Weizdörfer an, der Angeklagte sei psychisch krank. Es liege der Verdacht auf eine polymorphe psychotische Störung vor. Der 37-Jährige „hat die Vorstellung, dauernd überwacht und verfolgt zu werden. Er glaubt, er werde durch Strahlung belastet“, so der Anwalt. Nach einer stationären Behandlung „geht es ihm wieder besser.“ Er müsse aber Medikamente nehmen und wolle sich weiter behandeln lassen.

Gravierende berufliche Folgen

Der Geschädigte berichtete, dass die Tat für ihn gravierende Folgen hatte: „Ich habe immer noch Panikattacken und muss mich dann zusammenreißen, dass ich nicht durchdrehe.“ Auch unter Kopfschmerzen leide er noch manchmal. Besonders heftig: Der 23-Jährige wollte zum Unterstützungskommando der Bereitschaftspolizei. Er war für diese Laufbahn auch schon angenommen worden und hatte sich für fünf Jahre verpflichtet. Die Prügelattacke machte ihm aber einen Strich durch die Rechnung. Eine zweite Chance gab es nicht. Der medizinische Sachverständige Prof Dr. Peter Betz sprach von einer „potenziell lebensgefährlichen Behandlung.“

Der Angeklagte entschuldigte sich bei dem Beamten für die Tat, behauptete aber, dieser habe ihn zuvor beleidigt. Er brachte schon sieben Vorstrafen, darunter zwei einschlägige, mit. Diese lagen aber schon einige Jahre zurück.

„Ich habe immer noch Panikattacken und muss mich dann zusammenreißen, dass ich nicht durchdrehe.“

Das Opfer

Vor dem Hintergrund seiner Erkrankung, des Täter-Opfer-Ausgleichs und der Entschuldigung kam der Angeklagte noch einmal glimpflich davon: Die Richterin verurteilte ihn zu einer Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren. Er erhält einen Bewährungshelfer. Zudem muss er, so ein von Nebenklägervertreter Fabian Sindl beantragter Vergleich zwischen Täter und Opfer, 3000 Euro Schadenswiedergutmachung an den jungen Beamen zahlen. Schließlich muss er sich von Drogen fern halten und sich regelmäßigen Screenings unterziehen.

Die Staatsanwältin hatte ein Jahr und neun Monate mit Bewährung beantragt. Der Verteidiger hatte keinen konkreten Strafantrag gestellt.

Regelmäßig sind wir bei Prozessen im Amts- und Landgericht Regensburg vor Ort. Alle Berichte finden Sie hier!

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