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Politik

Zweifel am Belastungszeugen

Ex-Mitarbeiter des Krematoriums wirft der Stadt Regensburg Körperverletzung vor. Doch er soll selbst andere gefährdet haben.
Von Julia Ried

Die CSU hat Zweifel, ob die Stadt die Gesundheit der Beschäftigten im Krematorium ausreichend schützt. Foto: Lex
Die CSU hat Zweifel, ob die Stadt die Gesundheit der Beschäftigten im Krematorium ausreichend schützt. Foto: Lex

Regensburg.Die Staatsanwaltschaft Regensburg beschäftigt sich derzeit mit einer Reihe von Vorwürfen, die den Betrieb des städtischen Krematoriums betreffen: Sie ermittelt unter anderem wegen des Verdachts der Störung der Totenruhe und Betrugsvorwürfen. Die CSU im Stadtrat fordert jetzt die Stadt mit einem fünfseitigen Fragenkatalog zur Aufklärung auf. Der Fraktion geht es auch um die Frage, ob die Gesundheit der Mitarbeiter des Krematoriums bedroht ist, weil bei Kremierungen der Ofen „ausrauche“. Sie stützt sich bei ihren Fragen, die am Donnerstag auf der Tagesordnung des Verwaltungsausschusses standen, auf einen Informanten: einen ehemaligen Mitarbeiter, dem die Stadt gekündigt hat. Doch dieser Ex-Beschäftigte steht selbst unter Verdacht, die Gesundheit seiner Kollegen gefährdet zu haben.

Der Mann hat, wie bereits berichtet, Mitarbeiter der Stadtverwaltung der Körperverletzung im Amt beschuldigt – die Staatsanwaltschaft hatte bereits im Herbst bestätigt, einer solchen Anzeige nachzugehen. „Darin wird der Vorwurf erhoben, dass bei den Verbrennungsvorgängen im Krematorium gesundheitsgefährdende Abgase ausgetreten seien“, bestätigte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Regensburg, Dr. Markus Pfaller. Inzwischen liege auch eine Anzeige wegen Körperverletzung gegen Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer vor, die derzeit geprüft wird.

Anschuldigung wiegt schwer

Allerdings steht auch gegen den Anzeigeerstatter eine schwerwiegende Anschuldigung im Raum. Nach Informationen der Mittelbayerischen soll er regelmäßig die Signalanlage deaktiviert haben, die die Beschäftigten vor gesundheitsschädigendem Rauch warnt. Die Stadt soll sich unter anderem deswegen dafür entschieden haben, ihm fristlos zu kündigen. Er soll auch selbst zugegeben haben, den Alarm ausgeschaltet zu haben. So ein Vorgehen bringt die Betroffenen in Lebensgefahr, da der Rauch unter anderem Kohlenmonoxid enthält. Auch soll der Mann weder mit seinen Vorgesetzten noch mit anderen Ansprechpartnern in der Stadtverwaltung über eine mögliche Gesundheitsgefährdung an seinem Arbeitsplatz gesprochen haben, bevor er zur Staatsanwaltschaft ging. Nach einem Vergleich vor dem Arbeitsgericht erfolgte eine ordentliche Kündigung.

„Aufgrund der Anzeige hat die Stadt eine Prüfung durch den TÜV veranlasst.“

Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra

Die Stadt will sich zu den Umständen der Trennung von dem Beschäftigten und speziell zu dem Vorwurf, dieser habe die Alarmanlage ausgestellt, nicht äußern. Sprecherin Juliane von Roenne-Styra bat „um Verständnis dafür, dass die Stadt generell Personalangelegenheiten – so auch Kündigungen – öffentlich nicht kommuniziert beziehungsweise kommentiert“.

Die Stadt hatte schon im November 2017 eingeräumt, dass es bei außergewöhnlicher Belastung des Ofens zu einem „Ausrauchen“ kommen könne, allerdings nur selten. Peter Müller, der Leiter des Bürgerzentrums der Stadt, wies damals im Verwaltungsausschuss darauf hin, dass dann aber ein Alarm die Mitarbeiter warne. Sie müssen dann das Gebäude sofort verlassen.

Die CSU hält nun der Verwaltung vor: Die Ofen-Anlage sei undicht, schon bei normalen Verbrennungen träten Rauchgase aus. Dabei bezieht sie sich auf den Ex-Mitarbeiter. Die Stadt bestreitet dies. Sprecherin Juliane von Roenne-Styra sagte: „Aufgrund der Anzeige hat die Stadt eine Prüfung durch den TÜV veranlasst.“ Dieser habe bestätigt: „Die Anlage ist dicht und es tritt kein schädliches Kohlenmonoxid aus.“

Ex-Mitarbeiter wehrt sich

Der Ex-Beschäftigte versicherte auf Anfrage der Mittelbayerischen per E-Mail, „dass alle meine Angaben und Anzeigen wahr und auch gerechtfertigt sind“. Er habe vor seiner Strafanzeige den Betriebsrat und den Ombudsmann über seine Vorwürfe informiert. Die Frage, ob er den Alarm ausschaltete, beantwortete er nicht.

CSU-Stadtrat Markus Jobst, der den Fragenkatalog initiiert hatte, beklagt: Seine Fraktion fühle sich unzureichend informiert. „Sämtliche neuen Informationen erhält der Stadtrat entweder durch Mitteilung der Staatsanwaltschaft oder durch mediale Berichterstattung“, heißt es in seinem Antrag. Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer wies am Donnerstag diese Kritik zurück. „Die überwiegende Anzahl dieser vielen, vielen Fragen ist hier schon einmal beantwortet worden“, sagte sie.

Mit dem aktuellen Fragenkatalog wird sich die Verwaltung trotzdem beschäftigen. Der Ausschuss entschied einstimmig, dass die Verantwortlichen dies schriftlich erledigen können.

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