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Religion

Ditib-Moschee: Dechant rudert zurück

Bei einer Podiumsdebatte wurde über den Neubau in Regensburg gesprochen. Ausnehmend kritische Töne blieben dabei außen vor.
Von Curd Wunderlich

Viele Zuhörer verfolgten die Podiumsdiskussion, an der unter anderem Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (links) teilnahm. Foto: Wunderlich
Viele Zuhörer verfolgten die Podiumsdiskussion, an der unter anderem Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (links) teilnahm. Foto: Wunderlich

Regensburg.„Wir sind ein Teil der Stadt – und das wollen wir mit unserem neuen Schmuckstück auch zeigen“, sagt Aykan Inan selbstbewusst. Der gebürtige Regensburger ist Dialogbeauftragter der Ditib für Südbayern. Die muslimische Ditib-Gemeinde in Regensburg sorgt mit ihrem geplanten Moschee-Neubau im Stadtosten – diesen meint Inan mit dem „Schmuckstück“ – derzeit für Wirbel. Auf entsprechend großes Interesse stieß eine Podiumsdiskussion des evangelischen Bildungswerks am Mittwochabend in Regensburg zum Islam, bei dem der Neubau des Gotteshauses zentrales Thema war.

Aykan Inan von der Ditib-Gemeinde Foto: Wunderlich
Aykan Inan von der Ditib-Gemeinde Foto: Wunderlich

Inan betonte, dass die neue Moschee ein Ort werden solle, „an dem sich jeder treffen kann, egal welche Religion man hat“. Man wolle die neuen Räume nämlich nicht nur für die Gebete der eigenen Glaubensgemeinde nutzen, sondern vor allem auch den interreligiösen Dialog in der Donaustadt vorantreiben.

Die 2,5 Millionen Euro Baukosten stemme die Gemeinde über Mitgliedsbeiträgen und Spenden. „Es kommen keine Spenden aus der Türkei“, betonte Inan gegenüber der Mittelbayerischen. Damit wollte er Kritikern, die in der Ditib vor allem einen verlängerten Arm des türkischen Erdogan-Regimes in Deutschland sehen, Wind aus den Segeln nehmen.

Bürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer unterstützt den Bau


Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) machte deutlich, dass in der Stadt schon zu Hans Schaidingers Oberbürgermeister-Zeiten bekannt gewesen sei, dass die aktuellen Gebetsräume in der Lindnergasse zu klein für die Regensburger Ditib-Gemeinde sind. Weil die hiesigen Ditib-Mitglieder einen sehr offenen Dialog auch mit anderen Glaubensgemeinschaften führten, habe die Stadt daher bei der schwierigen Grundstückssuche für einen Moschee-Neubau geholfen.

Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer Foto: Wunderlich
Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer Foto: Wunderlich

Seit zwei Jahren sei nun bekannt, dass Ditib ein Grundstück an der Maxhüttenstraße in einem Gewerbegebiet im Regensburger Stadtosten erworben hat, um ihr Gotteshaus zu bauen. „Die Verwaltung musste den Bauantrag dann genehmigen, weil das baurechtlich so geregelt ist“, betonte die Rathauschefin. Weder hätten Bürger beteiligt werden müssen, noch hätte der Stadtrat darüber entscheiden können.

Die Aufregung, die jetzt um das Projekt herrsche, das schon im Frühjahr 2019 fertiggestellt werden soll, sei „von Außen nach Regensburg getragen worden, von Menschen, die in ganz Deutschland gar keine Moscheen wollen“. Sie hingegen glaube daran, dass das neue Gotteshaus die Integration muslimischer Mitbürger fördern könne. „Wenn die Ditib ihre Versprechen wahr macht und sich öffnet.“

Lesen Sie auch: Die AfD macht gegen den geplanten Neubau im Regensburger Stadtosten mobil. Die Gegner rüsten sich auch.

Bernadette Dechant rudert zurück und hofft auf Dialog

„Die CSU lehnt den Moscheebau durch die vom Verfassungsschutz beobachtete und vom türkischen Staat finanzierte Trägerorganisation Ditib ab“, hatte die CSU Regensburg noch Anfang Februar nach einer Sitzung des Kreisvorstands bekanntgegeben. Dabei war die Baugenehmigung da schon längst in trockenen Tüchern und die Planungen abgeschlossen. Bernadette Dechant, Stadträtin der Christsozialen und Sprecherin der Bürgerbewegung „Innerer Stadtosten-Hohes Kreuz“, wo die Moschee gebaut werden soll, ruderte bei der Podiumsdiskussion am Mittwoch nun ein Stück weit zurück.

CSU-Stadträtin Bernadette Dechant Foto: Wunderlich
CSU-Stadträtin Bernadette Dechant Foto: Wunderlich

„Wir machen nicht grundsätzlich gegen den Moscheebau mobil“, betonte sie. „Ein gutes Miteinander ist uns wichtig und wir achten die Religionsfreiheit als hohes Gut.“ Sie bleibe jedoch bei ihrer Kritik am gewählten Standort, „in einem Stadtteil, der schon heute große Lasten zu tragen hat“. Auf 48 Hektar seien dort sieben Moscheengemeinden mit ihren Gebetsräumen ansässig.

„Eine Moschee an sich verhindert keine Integration“, glaubt Dechant. „Aber eine solch hohe Dichte kann sie verhindern und Parallelgesellschaften fördern.“ Sie befürchtet eine Brennpunktbildung, wie sie beispielsweise in Teilen Berlins schon heute zu beobachten sei. „Wir tragen jetzt eine Diskussion unberechtigterweise auf dem Rücken der Muslime aus. Das eigentliche Problem ist die verfehlte Stadtplanung“, bemängelte sie.

Zwischen den Zeilen ließ Dechant durchblicken, dass sie an der Dialogbereitschaft der Ditib-Gemeinde Zweifel hat. Versöhnlich meinte sie jedoch, dass sie im Sinne des Miteinanders hoffe, mit der neuen Religionsgemeinschaft im Osten „an einen Tisch zu kommen, damit wir uns kennenlernen“.

Rainer Oechslen will Kultur des Zusammenlebens

Rainer Oechslen von der evangelischen KircheFoto: Wunderlich
Rainer Oechslen von der evangelischen KircheFoto: Wunderlich

Als Vertreter der evangelischen Kirche nahm Rainer Oechslen an der Podiumsdiskussion teil. Er ist Dialogbeauftragter des interreligiösen Gesprächs der Protestanten in Bayern. „Wir müssen in Deutschland eine Kultur des Zusammenlebens schaffen“, forderte er. Dazu gehöre auch, Angehörige anderer Religionen „würdige Gotteshäuser“ bauen zu lassen.

Im Idealfall sollten Moscheen aus Oechslens Sicht im Innenstadtbereich angesiedelt werden, insofern sei der Standort des Neubaus in Regensburg nicht optimal. „Auch wenn das hier mit der Altstadt natürlich schwierig ist“, schob er hinterher. Insgesamt mahnte der Kirchenmann eine größere Gelassenheit an: Von rund 2800 islamischen Gemeinden in Deutschland hätten keine 200 eine eigene Moschee.

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Der geplante Bau

  • Das neue Kulturzentrum

    der türkisch-islamischen Ditib-Gemeinde soll ein modernes Gebäude werden, mit einer Kuppel und einem 21 Meter hohen, schmalen Minarett – dem ersten in Regensburg. Aykan Inan erzählte, dass einige Gemeinde-Mitglieder sich kritisch zu diesem Minarett geäußert hätten: Sie hätten sich eins in traditionellerer Ausführung gewünscht.

  • Von dem Turm

    soll kein Gebetsruf erklingen. Die Stadtverwaltung hat den Bau bereits genehmigt. Im Frühjahr 2019 soll er fertig sein.

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