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Kundgebung

1200 Klimaschützer in der Stadt

Mit großer Spannung war die Veranstaltung „Future for Regensburg“ erwartet worden. Viele Bürger zeigten Verständnis.
Von Magdalena Hechtel

Die Polizei schätzt, dass rund 1200 Demonstranten unterwegs waren. Foto: Tino Lex
Die Polizei schätzt, dass rund 1200 Demonstranten unterwegs waren. Foto: Tino Lex

Regensburg.Was wollen wir? Klimagerechtigkeit. Wann wollen wir das? Jetzt.“ Der Schlachtruf der Fridays- for-Future-Bewegung war am Freitagnachmittag an vielen Stellen der Regensburger Innenstadt zu hören.

An insgesamt neun Plätzen hatten die Veranstalter von „Future for Regensburg“ zu dezentralen Kundgebung aufgerufen. Gegen 16 Uhr sollten die Versammlungspunkte mit einer Menschenkette entlang des Parkgürtels von der Prebrunnstraße bis zum Ostentor verbunden werden – was den Veranstaltern offensichtlich auch gelungen ist.

Fahrräder und Anoraks für Menschenkette benutzt

„Auf den Straßen war die Kette geschlossen“, sagt Polizeisprecherin Tanja Nuß von der Polizeiinspektion Süd. Dass dazu auch Fahrräder und Anoraks verwendet wurden, kümmert Fridays-for-Future-Sprecher Ferdinand Klemm wenig. Er zeigte sich am Abend bei der Abschlusskundgebung auf dem Domplatz „absolut überwältigt“ vom Ablauf der Veranstaltung. Nach eigenen Berechnungen der Fridays-for-Future-Aktivisten beteiligten sich zwischen 2000 und 2500 Personen an den Demonstrationen, die Polizei geht von etwa 1200 Teilnehmern aus. Besondere Vorkommnisse gab es laut Polizeisprecherin Nuß nicht.

Die Demonstranten bewiesen mit ihren Plakaten Kreativität. Video: MZ

Nicht ganz leicht hatte es so mancher Autofahrer. Erst am Vormittag hatte das Verwaltungsgericht den Demonstranten erlaubt, die Menschenkette über Straßen verlaufen zu lassen, die die Stadt ursprünglich als Zufahrtsmöglichkeiten zur Altstadt offen lassen wollte. Kurzfristig wurden deshalb zusätzlich zu den bereits angekündigten Straßen die Wöhrdstraße, die Jakobstraße und die Dr.-Martin-Luther-Straße gesperrt.

Meinung

Gut gemacht, liebe Aktivisten!

Lang hielt sich die Befürchtung, die Future-for-Regensburg-Demo könnte im Chaos enden. Dank der Aktivisten war dem nicht so.

„Ich habe null Verständnis dafür“, sagte eine entnervte Autofahrerin. Ihr Hintermann gab an, schon„sehr lang“ zu warten, um vom St.-Peters-Weg in die Maximilianstraße in Richtung Bahnhof abbiegen zu können. „Die sollten lieber arbeiten gehen“, sagte der Mann, der seinen Namen geheim halten will. „Wenn man ihnen ein Auto für 120 000 Euro schenken würde, würden sie es doch alle nehmen.“

Verkäuferin zeigt Verständnis

Verständnis für die Demonstranten zeigte hingegen die Verkäuferin eines Bekleidungsgeschäfts in der Altstadt. „Egal, welche Demo ist, es ist dann eben tote Hose“, berichtete sie. „Das ist bei einer Innenstadtlage nun einmal so. Eine Demo muss doch da sein, wo das Leben stattfindet.“

Kundgebung

Irritationen um Fridays for Future

Straßensperrungen, ein offener Brief und Politiker, die Gespräche anbieten: Das müssen Sie zur Großdemo in Regensburg wissen.

Sie habe bei der Fridays-for-Future-Demonstration definitiv bemerkt, dass es zur Zeit der Menschenkette deutlich ruhiger geworden sei. „Es reißt einen und man fragt sich, was da los ist.“ Dass alle Zufahrten zur Innenstadt, wie geplant, versperrt sind, findet die Verkäuferin trotz allen Verständnisses falsch. Kunden, die wegen einer dringenden Anpassung vorbeikämen, müssten die Chance haben, in die Altstadt zu gelangen. Aber: „Wir können nicht immer fordern, dass die Jugend politischer werden soll und wenn sie dann demonstrieren, passt es wieder nicht.“

Mutter demonstriert mit Tochter im Kindergartenalter

Doch nicht nur Schüler und Studenten beteiligten sich an den Kundgebungen. Eine junge Mutter aus dem Regensburger Land demonstrierte mit ihrer Tochter im Kindergartenalter, „damit es endlich zu einem politischen Umdenken kommt“. Sie selbst versucht, Müll zu vermeiden, Second-Hand-Kleidung zu kaufen und Strom nur dann zu nutzen, wenn es unbedingt nötigt ist. Ihr Problem: „Ohne politischen Willen nützt der nachhaltige Lebensstil Einzelner wenig.“

„Future for Regensburg“

Mischa Brose ist mit seinem zehnjährigen Sohn zur Demo gekommen und wünscht sich, dass die Regensburger Innenstadt nach und nach autofrei wird. Er selbst wohnt auf dem Ziegetsberg, „ganz oben am Fernsehturm“. Selbst diese Strecke, sagt Brose, sei auch ohne Auto „gut zu meistern“.

In unserem News-Blog können Sie den Verlauf der Demonstration nachverfolgen.

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