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Aktion

13 Galerien an einem Abend geöffnet

Einmal mehr lud der Galerienabend in Regensburg zum Bummel durch Bilderwelten ein. Exponate wie auch Atmosphäre faszinierten.
Von Bettina Gröber

„Archiv der obsoleten Dinge“ mit den Künstlern Florian Topernpong, Peter Engel, Christina Kirchinger, Birgit Szuba und Sigurd Roscher (von links).
„Archiv der obsoleten Dinge“ mit den Künstlern Florian Topernpong, Peter Engel, Christina Kirchinger, Birgit Szuba und Sigurd Roscher (von links).

Regensburg.Kunst kann faszinieren, anziehend oder auch befremdend wirken, zum Nachdenken oder zum Träumen einladen. Und sie entfaltet ihre Strahlkraft umso mehr, wenn sie entsprechend in Szene gesetzt wird. Beim Regensburger Galerienabend am Samstag ist das gelungen: Der Übergang von der Dämmerstimmung des frühen Abends zur nächtlichen Dunkelheit, die von den Lichtern der Altstadt erhellt wird, bildete den Rahmen, in dem sich 13 Ausstellungsorte quasi als Gesamtkunstwerk präsentierten - und doch jeder für sich Blickfang war.

Streifzug durch die Galerien

Während einige Galerien ihr Augenmerk auf einzelne Künstler richteten, waren anderswo Exponate mehrerer Schaffender zu sehen. Gut, dass man sich angesichts der Vielfalt und Verschiedenheit des Angebots nicht auf das eine oder das andere Ziel festlegen musste: Wer wollte, konnte den großen räumlichen wie stilistischen Bogen schlagen, andere bevorzugten den Besuch ausgewählter Ausstellungen.

„Man kann sich ein wenig treiben lassen und hat vielleicht weniger Scheu, eine Galerie zu betreten.“ Petra Wilhelm, Besucherin

„Ich schaue mir so ziemlich jede Galerie an“, sagte etwa Petra Wilhelm. Eine ihrer ersten Stationen war die Galerie Andrea Madesta in der Wahlenstraße, wo sie sich den „Metaphysical Spaces“ des ungarischen Gegenwartskünstlers László Fehér widmete. Die 49-jährige Floristin aus Regensburg ist generell künstlerisch interessiert - vielleicht auch ein wenig von Berufs wegen: „Ich glaube, dass viele Floristen eine Affinität zur Kunst haben.“ Zugleich glaube sie, dass der Galerienabend auch Menschen, die sich bislang weniger mit Gemälden oder Skulpturen beschäftigt haben, den Zugang erleichtern könnte: „Man kann sich ein wenig treiben lassen und hat vielleicht weniger Scheu, eine Galerie zu betreten.“

Schwellenängste überwunden

Diese Sicht teilte auch Galeristin Dr. Isabelle Lesmeister, die derzeit unter dem Titel „It will always be not enough“ Reliefs der Moskauer Künstlerin Maria Agureeva ausstellt: „Eine solche Veranstaltung kann durchaus dabei helfen, Schwellenängste zu überwinden.“ Das Publikum erlebe sie als bunt gemischt - einerseits sei die Regensburger Kunstszene vertreten, andererseits würden aber auch Besucher aus dem Umland den Abend nutzen, um mehrere Galerien auf einmal kennenzulernen.

Insbesondere Sammelausstellungen deckten jeweils ein breiteres Spektrum an künstlerischen Formen, Stilen und Techniken ab - sei es die Jahresschau Oberpfälzer und niederbayerischer Künstler und Kunsthandwerker beim Kunst-und Gewerbeverein, eine aktuelle Werkschau des Kunstvereins Graz, die „Herbstauslese“ in der Galerie Konstantin B. oder die „Begegnungen“ in der Brigitte Berndt Galerie für Schmuckkunst. Zur „Gratwanderung“ lud die Künstlergruppe Polyton im Andreasstadel ein.

In der Galerie Art Affair eröffnete Karl-Friedrich Krause mit „Epoxy“ eine Ausstellung, in der fünf Künstler sich mit ihren individuellen Zugängen zum Epoxidharz vorstellten. Mit Künstlern, die er nicht mag, kann er nicht arbeiten. „Das sind im Grunde alles meine Freunde.“ Mittlerweile hat er viele Freunde aus vielen Ländern. Foto: altrofoto.de
In der Galerie Art Affair eröffnete Karl-Friedrich Krause mit „Epoxy“ eine Ausstellung, in der fünf Künstler sich mit ihren individuellen Zugängen zum Epoxidharz vorstellten. Mit Künstlern, die er nicht mag, kann er nicht arbeiten. „Das sind im Grunde alles meine Freunde.“ Mittlerweile hat er viele Freunde aus vielen Ländern. Foto: altrofoto.de

Und in der Galerie Art Affair eröffnete Karl-Friedrich Krause mit „Epoxy“ eine Ausstellung, in der fünf Künstler sich mit ihren individuellen Zugängen zum Material, dem Epoxidharz, vorstellten. Doch auch für diejenigen, die sich zu einzelnen Künstlern, Themen oder Kunstgattungen hingezogen fühlten, konnten auf der Suche nach Anregendem oder Aufregendem fündig werden. Und so fand die Ausstellung „Eros und Vanitas“ von Diego Bianconi im Kunstkontor Westnerwacht ebenso ihre Bewunderer wie die Ölbilder von Nina und Torsten Römer im Kunstkabinett, Renate Christins Auseinandersetzung mit dem „Lebensfluss Donau“ oder die Skulpturen in Stein von Manolo Paz, von denen die Schau in der Galerie Hammer Eindrücke vermittelte.

„Das ist eine gute Gelegenheit, um noch besser gefunden zu werden.“ Martin Wittwer, Galerist

Die Künstler am Werk

Besucher des Galerienabends bekamen nicht nur bei verschiedenen Vernissagen die Möglichkeit, Kunstschaffende persönlich kennenzulernen. In der Werkstattgalerie von Martin Wittwer, die er seit zwei Jahren in der Gesandtenstraße betreibt, kann man dem Schmuckkünstler bei der Arbeit auch über die Schulter schauen. Wittwer war mit einer Mischung aus Schmuck-und Objektkunst als Aussteller erstmals beim Galerienabend vertreten, den er als „eine gute Gelegenheit, um noch besser gefunden zu werden“ bezeichnete. Derzeit wird in den Räumlichkeiten auch eine Bilderserie von Eva Stetter gezeigt. Er finde es schön, dass man sich bei der Veranstaltung gegenseitig unterstütze, so Wittwer. Nicht zuletzt hoffe er, sich auf diesem Wege noch ein Stück besser in der Regensburger Kunstszene etablieren zu können.

Die Natur, eine Künstlerin

Die Galerie Andrea Madesta präsentierte László Fehér mit Metaphysical Spaces. Fehér, geboren 1953 in Székesfehérvár, lebt und arbeitet in Budapest und Tác und gilt als einer der wichtigsten Vertreter der ungarischen Kunst. Sein Thema ist die „condition humaine“. Foto: altrofoto.de
Die Galerie Andrea Madesta präsentierte László Fehér mit Metaphysical Spaces. Fehér, geboren 1953 in Székesfehérvár, lebt und arbeitet in Budapest und Tác und gilt als einer der wichtigsten Vertreter der ungarischen Kunst. Sein Thema ist die „condition humaine“. Foto: altrofoto.de

Natürlich fielen auch beim Galerienabend nicht nur wohlwollende Blicke auf die Exponate. Kritische Urteile wie die, dass „die moderne Kunst immer nichtssagender“ werde, waren indes eindeutig die Ausnahme. Wesentlich breiter gestaltete sich dagegen das Lob: „Das Schöne ist die unglaubliche Vielfalt, die gezeigt wird“, freute sich auch Franz Wartner (71). Der pensionierte Biologie- und Chemielehrer aus Regensburg war besonders angetan davon, dass man „einen Überblick über das hiesige Kunstschaffen“ bekomme. Daher habe er sich ein persönliches „Programm“ gemacht, welche Ausstellungen er heute besuchen wolle. Überhaupt sei er regelmäßig in Galerien. Denn: „Der Zusammenhang zwischen der Biologie und der Kunst ist enorm. Auch die Natur ist ja eine Künstlerin.“

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