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Pläne

20 Pferde für Regensburger Polizei

In spätestens zwei Jahren soll Regensburg eine Reiterstaffel bekommen. Die Gewerkschaft sagt: Nötiger wären reguläre Beamte.
Von Julia Ried

Bei Fußballspielen im alten Jahnstadion war die Reiterstaffel der bayerischen Polizei immer wieder im Einsatz, hier 2011. Derzeit konzentriert sich die berittene Polizei auf Einsätze in Oberbayern – das soll sich ändern. Foto: Tino Lex
Bei Fußballspielen im alten Jahnstadion war die Reiterstaffel der bayerischen Polizei immer wieder im Einsatz, hier 2011. Derzeit konzentriert sich die berittene Polizei auf Einsätze in Oberbayern – das soll sich ändern. Foto: Tino Lex

Regensburg.Polizisten auf dem Pferd, die auf der Galgenbergstraße Fußballfans zum Stadion begleiten: So könnte ein Einsatz der Regensburger Reiterstaffel einmal aussehen. In der Domstadt sollen wie in anderen bayerischen Großstädten einmal Polizeipferde stationiert werden, das plant Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Die Polizeipräsenz zu Pferd stärke das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen, sagte er in dieser Woche beim Besuch der Reiterstaffel in München. In Regensburg erntet er mit seinem Plan jedoch Kritik: Nötig seien keine Polizeipferde, sondern mehr reguläre Beamte, heißt es von der Kreisgruppe der Gewerkschaft der Polizei.

Söder zufolge sollen bald insgesamt 200 Pferde in den Großstädten stationiert sein. Derzeit sind nach Angaben des Innenministeriums 35 Pferde für die Reiterstaffel München und fünf für den Reitertrupp Rosenheim im Einsatz. Regelmäßig begleiten die Tiere etwa Fußballspiele in der Allianz-Arena in München-Fröttmaning. Nach einer Verstärkung der oberbayerischen Einheit sollen in spätestens zwei Jahren etwa 40 Pferde in Nürnberg, Fürth und Erlangen, etwa 30 in Augsburg und ungefähr jeweils 20 für Regensburg, Ingolstadt und Würzburg hinzukommen. Die sollen auch in der Fläche eingesetzt werden, sagt Michael Siefener, Sprecher des Innenministeriums.

Abschreckung für Randalierer

Siefener konkretisierte auf Anfrage der Mittelbayerischen, welche Vorteile Polizeipferde aus Sicht der Staatsregierung haben. Bei Versammlungen oder Fußballspielen gelte: „Ein Polizist auf dem Pferd macht einen viel stärkeren Eindruck auf mögliche Randalierer. Vergleichsweise wenige Polizeipferde können viele normale Polizisten ersetzen.“ Hinzu komme: „Das Dienstpferd kann wie die Fuß- oder die Radstreife auch Bereiche erreichen, die man mit dem Fahrzeug nicht bestreifen kann.“ Dabei sei es aber schneller als ein Fußgänger und die Polizisten müssten sich weniger körperlich verausgaben als beim Laufen oder Radfahren. Gut einsetzbar seien die Dienstpferde auch in Parks oder an der Donau, etwa um dort „Gelage“ aufzulösen. „Da kommt man schnell zum Einsatzort, macht viel Eindruck und kann die Lage auch schnell bereinigen.“

„Ich hab wirklich am Anfang gedacht, es ist ein Scherz.“

Stefan Feicht, Vorsitzender der Kreisgruppe der Gewerkschaft der Polizei

Stefan Feicht, Vorsitzender der Kreisgruppe Regensburg der Gewerkschaft der Polizei, kritisiert Söders Plan hart. „Ich persönlich halt davon gar nichts“, sagt er. „Ich hab wirklich am Anfang gedacht, es ist ein Scherz.“ Regensburg benötige keine Reiterstaffel. „Ich kenne keinen, der sagt, das brauchen wir unbedingt.“ Polizeipferde machten Eindruck und seien auch im Gelände gut einsetzbar. Doch für die Continental-Arena gelte: „Da kommt die Polizei allein auch zurecht.“ Schließlich gehe es dort „ziemlich friedlich“ zu. „So einen großen Park wie im Englischen Garten haben wir nicht.“

Der Aufwand für eine Reiterstaffel sei dagegen groß: Nötig seien Unterkünfte, Verpflegung, medizinische Versorgung, und Fahrzeuge, um die Tiere zum Einsatz zu bringen. Er wünscht sich dringend mehr Kollegen – aber eben nicht solche auf dem Pferd. „Ich finde, das Personal könnte man sinnvoller einsetzen.“ Unbedingt nötig sei es, flächendeckend die Personallücken in den Dienststellen zu füllen. Allein in der Inspektion Regensburg-Süd mit ihren circa 150 Beamten klaffe ein zweistelliges „Fehl“ zwischen der Zahl der Planstellen und dem tatsächlichen Personalstand, dabei sei das Aufgabenspektrum gewachsen.

Ministerium weist Kritik zurück

Ministeriumssprecher Siefener weist Feichts Kritik zurück. „Das ist Sache des Polizeipräsidiums, sein Personal da einzusetzen, wo es es braucht.“ Außerdem habe die bayerische Polizei den „höchsten Personalstand“ aller Zeiten, weitere Verstärkung sei geplant.

„Ich wünsche mir für Regensburg generell mehr Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte. Diese sollten jedoch verstärkt zu Fuß und weniger hoch zu Ross auf Streife durch die Stadt gehen.“

Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer

Auch Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) steht Söders Plan skeptisch gegenüber. „Ich wünsche mir für Regensburg generell mehr Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte. Diese sollten jedoch verstärkt zu Fuß und weniger hoch zu Ross auf Streife durch die Stadt gehen“, sagt sie.

Wo die Pferde in Regensburg untergebracht werden könnten, ist dem Ministeriumssprecher zufolge noch unklar. „Da arbeitet derzeit die bayernweite Einsatzgruppe noch dran.“ Die Kosten stehen Siefener zufolge ebenfalls noch nicht fest. Ein Kosten-Beispiel aber nennt er: Für die fünf Pferde in Rosenheim, die in einer Tierpension untergebracht seien, zahle die bayerische Polizei 45 000 Euro im Jahr.

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Die berittene Polizei in Bayern

  • Aufgaben:

    Neben dem allgemeinen Streifendienst sind die Beamten der Reiterstaffel bei Veranstaltungen, Vermisstensuchen und vor allem bei Fußballspielen eingesetzt, heißt es auf der Internetseite der Polizei Bayern zur Zuständigkeit.

  • Reiterstreifen:

    Die berittenen Polizisten sind beispielsweise als Badeseenstreife, als „Grillerstreife am Flaucher“, als Streife zur Bekämpfung von Einbrüchen in der Dämmerung und als Sicherheits- und Naturschutzstreife in Parks unterwegs.

  • Arbeitsalltag:

    Der Polizei zufolge beträgt die durchschnittliche Reitzeit pro Tag circa vier Stunden. Geritten wird auch bei Eis und Schnee. Es sei „selbstverständlich, dass jeder Beamte für die Pflege des ihm zugeteilten Pferdes selbst sorgt“.

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