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Musik

20er-Jahre-Flair in Regensburg

Schwarze Anzüge, weiße Hemden und Charlestonkleider: Der Cantemus-Chor feierte mit einer Swing Revue die 1920er-Jahre.
Von Angelika Lukesch

Eleganz und Charme vereint: Jedes Mitglied des Regensburger Chors ließ sich auf den Dresscode ein.

Regensburg.Freitagabend, 20 Uhr. Das Degginger Haus platzt fast aus allen Nähten. Im Innenraum drängen sich die Menschen. Die meisten tragen Jeans, Hemden, Pullis, Jacken. Dazwischen jedoch blitzen immer wieder ungewohnte Gestalten auf. Weiße Herrenhemden, kombiniert mit einer Fliege, Hosenträgern und Ärmelschonern, heben sich aus dem Gewirr heraus. Jemand drängt sich vorbei und zwei schwarze Frackschöße flattern um die Ecke.

Hinterdrein tippelt ein junges Mädchen. Ihren Kopf umschließt eine strenge Bubikopffrisur wie eine dunkle Kappe, ein Reif um die Stirn hält die eng anliegenden, kunstvoll drapierten Haarwellen an den Schläfen fest. Feine Spaghettiträger halten ihr gerade geschnittenes Kleid über den bloßen Schultern, ein Kleid, das zugleich glänzt und sich ständig zu bewegen scheint. Schwere Fransen nehmen jede Bewegung des Mädchens auf und tanzen ihren eigenen Tanz.

Diese Cantemus-Sängerin ist perfekt gestylt. Foto: Tino Lex
Diese Cantemus-Sängerin ist perfekt gestylt. Foto: Tino Lex

Der Blick schweift und erfasst noch mehr Originale aus vergangenen Zeiten: Charlestonkleider, Lackschuhe bei den Herren, Stöckelschuhe mit feinen Riemchen bei den jungen Damen, rote Kirschmünder und verruchte Augenaufschläge.

Reise in die Zwanzigerjahre

An diesem Abend datiert der Cantemus-Chor unter der Gesamtleitung von Matthias Schlier (Stimmbildner Annika Fischer und Uli Groeben) die Zeit im Degginger Haus um 90 Jahre zurück: Wir befinden uns in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts und der Cantemus-Chor bricht auf zu einer Reise in die Welten des Swing. „Ich wollte ein neues Format für unsere Großen entwickeln, in dem sie sich mit ihren Ideen einbringen und darstellen können. Es ist faszinierend gewesen, zu sehen, wie der kulturelle Zeitgeist dieser Epoche unsere Jugendlichen und jungen Erwachsenen begeistert und inspiriert hat“, sagt Schlier.

„In den Goldenen 20ern steckt noch ungeheuer viel Potenzial!“

Matthias Schlier, Leiter des Cantemus-Chors

Stimmbildnerin Annika Fischer erarbeitete die Konzeption der „Swing Revue“ mit den Jugendlichen selbst: „Für mich war das Nervenaufreibendste an dem ganzen Projekt, etwas komplett Neues ohne Vorlage aus dem Nichts heraus zu schreiben, das alles miteinander verbindet. Als das Textheft fertig war, sind wir gemeinsam alles noch mal durchgegangen. Wer wollte, konnte sich für eine Rolle melden.“

Der Swing reißt alle mit

Diese junge Sängerin legt ihr ganzes Herz hinein! Foto: Tino Lex
Diese junge Sängerin legt ihr ganzes Herz hinein! Foto: Tino Lex

Am Freitagabend ist jedes Mitglied des Cantemus-Chors dem Dresscode der Zwanzigerjahre gefolgt. Es herrscht Eleganz, Provokation, Verruchtheit, Aufbruchstimmung und augenzwinkernder Clark-Gable-Charme. Vor der Bühne wird der Charleston getanzt und die Röcke wippen lustig im Takt mit. Die „Big Band“ mit Thomas Basy (Piano), Markus Fritsch (Bass), Dirk Petzold (Drums) und Sebastian Wurzer (Saxophon) lässt die Luft erbeben und leitet mit „Honeysuckled rose“ zu Conférencier Constantin Lange über, der, ganz in schwarz-weiß, die nächsten Nummern ansagt.

Klassiker werden mit viel Herz und Schwung intoniert: „Ich hab noch einen Koffer in Berlin“ (Anna, Mariami), „Puttin’on the Ritzz“ (Nico, Jasmin, Ronja), „Straighten up and fly right“ (Benjamin, Konstantin, Lorenz) und auch „Wenn die Welt zu ändern wär“ (Betty, Sophia) nehmen das begeisterte Auditorium im Degginger Haus gefangen.

Nichts geht ohne Federboa und schwarze Fliege. Foto: Tino Lex
Nichts geht ohne Federboa und schwarze Fliege. Foto: Tino Lex

„Ich finde Swing toll, weil die Songs immer so einen Beat haben, dass man einfach mittanzen muss. Es ist auch eine tolle Zeit vom Style her, man wird inspiriert und findet es super, sich in diese Zeit rein zu finden“, sagt Cantemus-Sängerin Mariami. Bei der Hitparade, die von Benjamin Lange moderiert wird, regiert der Humor: „Tante Paula liegt im Bett und isst Tomaten“, „Du bist als Kind zu heiß gebadet worden“, „Pump mir dein Gesicht“ und „Herr Meier auf dem Himalaya“ werden von Irene, Ronja, Vio, Flo und Lorenz mit viel Vergnügen vorgetragen.

Das Publikum ist mittlerweile in Höchststimmung gekommen. Nun treten verschiedene Kleingruppen auf und bieten abwechselnd Hits der Andrew Sisters und der Comedian Harmonists dar. „Bei mir bist du schön“, „Don´t sit under the apple tree“ und „Rum and Coca Cola“ erklingen und werden umrahmt von „Veronika der Lenz ist da“, „Wochenend’ und Sonnenschein“ sowie „Ein Freund, ein guter Freund“.

Und immer in aufrechter Haltung singen ... Foto: Tino Lex
Und immer in aufrechter Haltung singen ... Foto: Tino Lex

Fast jeder im Raum kann bei einem dieser Songs mitsingen. Ruhig stehen bleiben ist schon lange nicht mehr möglich, jeder bewegt sich im Rhythmus mit und erfreut sich an den gestylten jungen Cantemus-Sängern auf der Bühne. Irgendwo im Hintergrund steht Matthias Schlier im Frack, die Haare mit viel Brillantine streng nach hinten gegelt und strahlt.

Langsam geht die „Swing Revue“ dem Ende zu. Der Groove, der Humor und die Lebenslust der Swing Ära der zwanziger Jahre haben sich auf das Publikum übertragen und jedem ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

Die Schlusssequenz gehört allen Cantemus-Sängern gemeinsam. Der Chor lässt seine Stimmen erklingen. „In the mood“, „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ und ein leidenschaftliches „Fat Sams Grand Slam“ setzen den perfekten Schlusspunkt unter diese mitreißende Zeitreise.

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