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Neues Jahn-Stadion

40 Millionen Euro für den Traum von der 1. Liga

Der Regensburger Stadtrat entscheidet kommende Woche, ob ein neues Stadion gebaut wird. Endet eine jahrelange Hängepartie?
Von Jürgen Scharf, MZ

Auf dem Gelände des TSV Oberisling soll das neue Regensburger Fußball-Stadion entstehen: Jahn-Vorstandsmitglied Tobias Zellner, Vorstandsboss Ulrich Weber, Finanzgeschäftsführer Johannes Baumeister und Sportgeschäftsführer Franz Gerber (von links) finden dieses ideal. Foto: altrofoto.de

Regensburg. An der Autobahnausfahrt Uni-Klinikum runter, links und dann wieder links. Wer dem Schild, auf dem „TSV Oberisling“ steht, folgt, sieht erst einmal blühenden Mais. Dann tauchen zwei kleine Teiche auf, ein gut gepflegter Schrebergarten und schließlich der TSV-Platz samt Holzbude, die den B-Klassen-Fußballern als Umkleidekabine dient. Hier soll es gebaut werden, das neue Fußball-Stadion. Tief im Regensburger Süden, im Ortsteil Oberisling, direkt an der A3. Kommende Woche entscheidet der Regensburger Stadtrat, ob das 40-Millionen-Projekt endgültig auf den Weg geschickt wird. Alle Zeichen stehen darauf, dass es ein „Ja“ geben wird. Frühestens 2013 könnte sie fertig sein – die neue Arena für den SSV Jahn.

Man hilft sich, wie man kann

Am Samstag spielt der Jahn aber erst mal wieder im alten Stadion an der Prüfeninger Straße. Gegen den SV Babelsberg startet der Klub in die neue Saison der 3. Liga. Eine Woche später kommt Borussia Mönchengladbach zum DFB-Pokalspiel. Für die Bundesligaprofis wird es ein Kulturschock sein. Die kleinen Umkleidekabinen mit ihren alten Holzbänken versprühen Turnvater-Jahn-Charme. Die Duschräume werden schnell leer geräumt, die Woche über werden sie als Stauraum benötigt. Auch draußen, in der Arena, ist der Lack ab. Mit einer skurrilen Stahlrohrkonstruktion wurde eine zusätzliche Zuschauertribüne geschaffen. Manch harte Kante an den Ecken wird hier mit Klebeband gesichert. Man hilft sich eben, wie man kann.

„Hier hat der Jahn keine Zukunft mehr!“ Dieses Urteil hat SSV-Geschäftsführer Franz Gerber schon lange gefällt. Er weiß, dass es ein paar Nostalgiker gibt, die das 1926 eröffnete Stadion erhalten wollen. Die schöne Lage, mitten in der Innenstadt, sei unbezahlbar und ja, natürlich – die Tradition. Wenn es keinen Verein mehr gibt, dann bringt aber die ganze Tradition nichts mehr, meint Gerber. Beim Deutschen Fußball-Bund sieht man es sowieso pragmatisch. Das alte Stadion steht unter ständiger Beobachtung. 1,2Millionen Euro musste die Stadt in den vergangenen zehn Jahren investieren, um die Auflagen zu erfüllen.

Mit einer neuen, modernen Arena soll alles besser werden. „Der Standort in Oberisling ist einfach ideal, vor allem durch die Anbindung an die Autobahn“, sagt Gerber. Und wenn der Stadtrat dafür stimmt, könnte es schnell gehen. Gebaut ist ein Stadion im Nu. Vorbereitet sei alles, erklärt die Stadtverwaltung. In der Tat: Schon vor drei Jahren waren alle benötigten Grundstücke gekauft. Der Stadionbau schien damals nur noch Formsache.

In Regensburg mahlen die Mühlen bei Großprojekten aber traditionell doppelt langsam. Zu den Führungskrisen beim Verein kamen öffentliche Streitereien mit der Stadt. Jüngst gerieten Jahn-Chef Matthias Klemens und Oberbürgermeister Hans Schaidinger aneinander. Der OB warf Klemens Vertragsbruch und Falschaussagen vor. Klemens warf zermürbt das Handtuch. Nun gibt es einen neuen Jahn-Boss: den 40-jährigen Rechtsanwalt Ulrich Weber. „Von der Stadtratsentscheidung hängt die Zukunft des Vereins ab“, sagt er: Ja oder Nein!

Wie die Arena am Ende genau aussehen soll, das steht derzeit noch in den Sternen. Ein reines Fußballstadion ohne Laufbahn für mindestens 15000 Zuschauer – so viel ist sicher. Wie das Areal neben dem Fußball belebt werden könnte, dafür gibt es viele Vorschläge: So könnten Geschäfte, ein Hotel oder eine Tankstelle integriert werden. Die Stadtverwaltung will sich hier nicht in die Karten gucken lassen. Das sei Feinarbeit bei der endgültigen Planung, heißt es. Konzerte wird es allerdings wohl keine geben. Das bringe zu wenig ein, erfuhr die MZ von einem leitenden Mitarbeiter der Stadt.

Viel Holz für den Steuerzahler

Betreiben werden das Stadion voraussichtlich die Regensburger Stadtwerke, eine hundertprozentige städtische Tochter. 20 Millionen Euro für den Bau, und nochmal dasselbe für Grund und Infrastruktur – so wird kalkuliert. Viel Holz für den Steuerzahler. Die Politiker werden deswegen nicht müde zu betonen, dass der Jahn bei der Miete kräftig zur Kasse gebeten werde und die Arena sowieso eine Investition in die Zukunft des gesamten ostbayerischen Raums sei.

Die Nachbarn Augsburg und Ingolstadt haben angepackt und neue Arenen aus dem Boden gestampft. Regensburg will hier mitspielen im Konzert des großen Fußballs. Selbst bei einem positiven Stadtratsbeschluss könnte das Projekt aber noch kippen, falls es etwa Probleme beim Planfeststellungsverfahren oder ein Bürgerbegehren gibt. Jahn-Vorstandsboss Weber will deswegen „kaufmännisch vorsichtig agieren“. Selbst wenn das Stadion beschlossen sei, werde der Jahn nicht mit Millionen um sich werfen. Dass das neue Stadion letztlich vor allem eines, Geld, einbringen soll, bestreitet aber niemand. „VIP-Loge“ – das Zauberwort des modernen Fußballs.

Heute lässt Weber ein letztes Mal seinen Blick über das Areal in Oberisling streifen. „Es braucht ja nicht nur der Jahn ein Stadion“, sagt er, „für die Stadt und für die gesamte Region Ostbayern ist es genauso wichtig. Da profitieren alle.“ Die Ziele dürfe man sich ohnehin nicht zu niedrig stecken. Mit der neuen Arena, da könne was gehen. In die 2. Liga, da gehöre der Jahn sowieso hin. Und wenn dann eine Saison lang mal alles optimal laufen würde? „Der FC Augsburg hat es vorgemacht. Die 1. Liga ist natürlich auch unser großer Traum.“

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