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Glaube

Äbtissin Laetitia hielt Fastenpredigt

Laetitia Fech half mit, das Kloster Waldsassen zu sanieren. In Regensburg sprach die 61-Jährige in St. Emmeram.
Von Angelika Lukesch

Äbtissin Laetitia Fech hat ihre Berufung gefunden. Foto: Tino Lex
Äbtissin Laetitia Fech hat ihre Berufung gefunden. Foto: Tino Lex

Regensburg.Äbtissin Laetitia Fech hat Großes geschaffen. Der 61-Jährigen gelang es, das vormals baufällige Kloster Waldsassen general zu sanieren und es zu einem Zentrum der Kultur, der Begegnung, der Natur, des Gebets und der Spiritualität zu machen. In der vierten Fastenpredigt in der Basilika St. Emmeram erzählte sie über ihr Leben und darüber, wie sie Kraft für diese große Aufgabe gefunden habe.

Ursprünglich, erzählt Äbtissin Laetitia, habe sie gar nicht vorgehabt, ins Kloster einzutreten. Zwar stamme sie aus einem christlichen Elternhaus, doch so ganz besonders fromm seien ihre Eltern nicht gewesen. Eines waren ihre Eltern jedoch auf jeden Fall: „Meine Eltern waren Vorbild für mich, wie man ein christliches Leben im Alltag lebt“, sagte die Äbtissin.

Für immer werde in ihrem Kopf eine Verbindung zwischen Weihwasser und einer Pfefferminzkugel bestehen. Denn ihre Oma habe sie am Abend, wenn sie bei ihr übernachtet habe, mit Weihwasser gesegnet und ihr eine Pfefferminzkugel gegeben. „Das war die Süßigkeit des Lebens. Der Inbegriff von Gläubigsein war und ist für mich etwas ganz Positives. Später erkannte ich dann auch die Süßigkeit der Worte Gottes“, sagt die Äbtissin.

Eine baufällige Abtei

Maria Schmidt: „Die Stunde in der Kirche bei der Predigt war für mich in der hektischen Zeit einfach Ruhe und Entspannung.“ Foto: Tino Lex
Maria Schmidt: „Die Stunde in der Kirche bei der Predigt war für mich in der hektischen Zeit einfach Ruhe und Entspannung.“ Foto: Tino Lex

Ihre Pläne für ein normales Leben änderten sich, als sie die Berufung spürte, ihr Leben als Klosterfrau, als Zisterzienserin zu leben. „Gott fand mich, darum konnte ich ihn suchen. Es war eine Herzenssache“, erzählt Fech. Sie sei in Baden-Baden in den Orden eingetreten, sei Hauswirtschaftsmeisterin, Meisterin der Paramentenstickerei geworden und habe Kunst studiert. Laetitia Fech dachte damals: „Ich werde bis an mein Lebensende sticken“.

Doch es kam anders. Einem Hilferuf aus dem Kloster Waldsassen folgend, fuhr sie dorthin und wollte eigentlich nur vierzehn Tage bleiben. Sie sah die Brüchigkeit des eigentlich großartigen Baus der Klosteranlage, sah all die Schäden, die Baufälligkeit und den schlechten Zustand der Bauwerke. „Zuerst wollte ich gar nicht bleiben. Ich sah mir die ganze Klosteranlage an, doch dann kam ich zum Kreuzgang, der damals auch in einem sehr schlechten Zustand war“, erzählt sie. In diesem Kreuzgang habe sie eine Berufung in ihrer Berufung erfahren. „Ich wusste, dieser Ort darf nicht sterben. Ich musste dahin.“

Fastenpredigt

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Wahl zur Äbtissin

Damals begann das große Werk ihres Lebens. 1994 ging sie ins Kloster Waldsassen, baute dort zunächst eine Paramentenstickerei auf und wurde 1995 im Alter von 38 Jahren zur Äbtissin gewählt. „Es war ein Neubeginn in meinem Leben“, sagt die Zisterzienserin. Sie empfand es als Sendung Gottes. „Es war, als wenn Jesus mich sendet“, erzählt sie.

„Gott fand mich, darum konnte ich ihn suchen.“

Laetitia Fech, Äbtissin im Zisterzienserkloster Waldsassen

Sie hörte diesen Ruf Gottes, wie auch jeder andere den Ruf Gottes hören und ihm nachgehen sollte. Jesus habe auch die Jünger in die Welt geschickt, um zu dienen. Mutig ging Äbtissin Laetitia die Sanierung des Klosters Waldsassen im Juli 1995 an. Die Mädchenrealschule, die dort beheimatet ist, alle, die im Kloster wohnten, und das Zisterzienserinnen Konvent musste ausziehen, als die Bauarbeiten begannen.

Immer wieder habe sie daran gezweifelt, ob sie dieses große Werk schaffen könnte. Oftmals habe sie gedacht, es ginge nicht mehr weiter. Gott jedoch, habe immer weitergeholfen. Im Laufe der Jahre wurde die Zisterzienserinnen Abtei Waldsassen generalsaniert, der Kreuzgang, in dem Laetitia Fech ihre Sendung fühlte, erstrahlt heute in ehrwürdigem Glanz. Die Mädchenrealschule wurde modernisiert, ein Kultur- und Begegnungszentrum geschaffen. Besonders stolz ist die Äbtissin auf das entstandene Gästehaus St. Joseph, das besonders den Menschen offen steht, die es schwerer haben als andere. Zum Heiligen Joseph hat die Äbtissin ein besonderes Verhältnis: „Er hilft immer.“

Hildegard Schwarz: „Die Predigt war sehr interessant. Ich war selbst schon einmal in Waldsassen. Diese Frau hat was geleistet.“ Foto: Tino Lex
Hildegard Schwarz: „Die Predigt war sehr interessant. Ich war selbst schon einmal in Waldsassen. Diese Frau hat was geleistet.“ Foto: Tino Lex

Äbtissin Laetitia lebt in der Realität der modernen Zeit und gleichzeitig in ihrer tiefen Spiritualität, mit der sie alle Schwierigkeiten überwinden kann. „Ora et labora“ versinnbildlicht in drei Worten Laetitia Fechs Leben: Bete und arbeite!

Die Zisterzienserinnen, die sich zu Armut, Gehorsam und Ehelosigkeit verpflichten, bleiben in ihrem Leben einem Ort verbunden bis zum Tode. Für Äbtissin Laetitia ist dies die Abtei Waldsassen. „Waldsassen ist Gottes Werk, kein Mensch kann das alleine machen“, sagt sie mit großer Überzeugung und mit der Heiterkeit, die aus einer Geborgenheit entsteht, die man nur empfinden kann, wenn man ganz in der Spiritualität und im Glauben aufgeht.

Die Äbtissin bedauert, dass in der modernen Welt Begriffe wie Treue, Wahrheit, Verbindlichkeit, das Bleiben an einem Ort aus der Mode kämen. „Wo gehen wir hin, wenn wir unser Wort nicht mehr halten, dass wir einander geben?“ In den Klöstern sieht Laetitia Fech Orte der Erneuerung und des Neubeginns. Das seien die Klöster schließlich schon immer gewesen.

Johannes Benninger: „Das war interessant für mich. Die Spiritualität kam nicht so viel vor. Es wurde mehr die Bautätigkeit beschrieben.“ Foto: Tino Lex
Johannes Benninger: „Das war interessant für mich. Die Spiritualität kam nicht so viel vor. Es wurde mehr die Bautätigkeit beschrieben.“ Foto: Tino Lex

Laetitia verbringt wie alle Zisterzienserinnen in Waldsassen fünf Stunden jeden Tages im Gebet. Sie beten für sich und für andere, denn schließlich sei es nur das Gebet, das „unsere Erbärmlichkeit“ lindere. Den Rest des Tages verbringen die Zisterzienserinnen bei der Arbeit. Denn: „Wir leben von unserer Hände Arbeit und erarbeiten uns unseren Lebensunterhalt selbst. Eine Zisterzienserin braucht eine gute physische und psychische Gesundheit. Wer das Leben in der Welt nicht schafft, schafft das Leben im Kloster zweimal nicht“, beschreibt Laetitia Fech das Leben bei ihr im Kloster.

Sie selbst schöpfe immer wieder Kraft aus dem Gebet und daraus, dass sie einmal von Papst Johannes II. persönlich gesegnet wurde. „Die dem Herrn vertrauen, schöpfen neue Kraft“ (Jesaja 40,31) ist Laetitia Fechs Wahlspruch. Und genau so war es. Laetitia hat es selbst erfahren: „Ich konnte immer wieder Mauern überspringen.“

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