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Lesung

Aktion für ertrunkene Flüchtlinge

24 Stunden lang lesen Mitglieder zweier Initiativen die Namen von Opfern in Regensburg. Die Liste ist über 35 000 Namen lang.
Lea Zitzmann

Hannelore Buschheuer (rechts) las am Nachmittag zwischen 13 und 14 Uhr vor. Foto: Zitzmann
Hannelore Buschheuer (rechts) las am Nachmittag zwischen 13 und 14 Uhr vor. Foto: Zitzmann

Regensburg.Wer heute zwischen Null und 24 Uhr in der Innenstadt, genauer gesagt auf dem Bismarckplatz unterwegs ist oder war, hat mit großer Wahrscheinlichkeit die kleine Gruppe von Leuten zwischen Kerzen und Rettungswesten vor dem Theater wahrgenommen. Rund 20 Mitglieder der Initiativen „Sea-Eye“‘ und „Ausbildung statt Abschiebung“ lesen den ganzen Montag im stündlichen Wechsel aus dem Buch „Todesursache: Fluch“‘ vor. Dieses Buch, herausgegeben von Autorin Anja Tuckermann und der Freien Journalistin Kristina Milz, listet über 35 000 Menschenschicksale auf, die alle auf der Flucht nach Europa auf dem Mittelmeer endeten.

Auch Hannelore Buschheuer las eine Stunde mit kräftiger Stimme Namen der Opfer vor. Der frischgebackenen Mutter ist das Projekt eine Herzensangelegenheit: „Wir machen das, weil die Menschen, die ihr Leben auf der Flucht lassen mussten, nicht in Vergessenheit geraten sollen.“ Vor drei Jahren gründete Buschheuers Mann Michael den Verein „Sea-Eye“ zur Rettung von Menschen in Seenot. Auch er las am Nachmittag eine Stunde Namen von der Liste vor.

Dunkelziffer sehr viel höher

„Die Zahl von 35 000 beinhaltet nur die dokumentierten Tode. Die Dunkelziffer dürfte etwa dreimal so hoch sein“, sagt Hannelore Buschheuer. Als Quelle dient das europäische Netzwerk „United for Intercultural Action“, das seit 1993 eine Liste derjenigen führt, die auf der Flucht nach oder in Europa gestorben sind. Verzeichnet sind nur diejenigen, deren Tod durch internationale Presse oder Organisationen belegt sind.

Dass diese Lesung am 10. Dezember stattfindet, ist kein Zufall. Es ist der Internationale Tag der Menschenrechte, zu dem auch das Buch „Todesursache: Flucht“ erscheint. Auch in Würzburg und München finden heute ähnliche Aktionen statt. Hannelore Buschheuer weiß, dass das Thema Seenotrettung nicht mehr dieselbe Präsenz wie noch vor drei Jahren hat. „Trotzdem ist es notwendig, dass die Thematik Aufmerksamkeit bekommt. Es wird nicht weniger geflüchtet oder gestorben als vor drei Jahren, nur weil nicht mehr so viel darüber berichtet wird“, sagt sie.

Mehr Aufmerksamkeit für die Schicksale

Dr. Ursula Putz hat am Montag bereits zweimal gelesen. Einmal zwischen zwei und drei Uhr morgens, im Foyer des Theaters, einmal vormittags zwischen zehn und elf Uhr, draußen auf dem Bismarckplatz. Die Archäologin war bereits fünf Mal mit einem Sea-Eye-Schiff auf dem Mittelmeer, um Menschen vor dem Ertrinken zu retten. „Wenn man hier einen Namen nach dem anderen vorliest, kommen die Bilder von den Rettungsfahrten schnell wieder hoch“, sagt Putz. Sie erhofft sich, ebeno wie die Buschheuers, von der Aktion mehr Aufmerksamkeit für die Rettung der Menschen in Seenot: „Jede Spende hilft uns ungemein weiter.“

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