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Forschung

Als am Unteren Wöhrd Gefangene wohnten

Zwei neue Bücher behandeln das Regensburger Gefangenenlager im Ersten Weltkrieg. Bis zu 5000 Menschen waren dort interniert.
Von Sarah Höger

Die Herausgeber (r.) mit der Bürgermeisterin und Verleger Fritz Pustet.
Die Herausgeber (r.) mit der Bürgermeisterin und Verleger Fritz Pustet.

Regensburg.Wo heute hunderte Autofahrer unbesorgt ihre Wagen abstellen, waren während des Ersten Weltkriegs bis zu 5000 Kriegsgefangene interniert. Der Parkplatz auf dem Unteren Wöhrd war von 1914 bis 1919 ein düsterer Ort – wenngleich kein immerzu trister.

Bei all den Schrecken und Wirren des Krieges war das Regensburger Lager, in dem hauptsächlich Franzosen interniert waren, auch ein Ort des kulturellen Lebens, des Theaters, der Musik und der Kunst.

13 Autoren widmen sich dem Regensburger Lager

Ein karger Ort, an dem die Franzosen versucht haben, die Gefangenschaft so menschlich wie möglich zu gestalten und ihre französische Kultur im fremden Land zu zelebrieren. Eine neue Edition, verlegt im Pustet Verlag, untersucht diesen bis dato wenig beachteten Abschnitt der Regensburger Stadtgeschichte: „Kriegsgefangenschaft 1914-1919: Kollektive Erfahrung, kulturelles Leben, Regensburger Realität“ lautet der Titel, herausgegeben von Dr. Berhard Lübbers, Direktor der Staatlichen Bibliothek Regensburg und Prof. Dr. Isabella von Treskow, Inhaberin des Lehrstuhls für Französische und Italienische Literaturwissenschaft an der Uni Regensburg. Auf 400 Seiten skizzieren 13 Autorinnen und Autoren das Leben in Gefangenschaft, den kulturellen Austausch zwischen Gefangenen mit unterschiedlicher Herkunft und die Bemühungen der Gefangenen, den Lageralltag so würdevoll wie möglich zu überstehen. Auch die äußeren Rahmenbedingungen wurden untersucht, der Regensburger Historiker Dr. Georg Kögelmeier etwa beleuchtet das städtische Leben in Regensburg während des Ersten Weltkriegs.

Lagergeld als Zweitwährung

Auch wenig bekannte Spezifika wie Lagergeld – das sich außerhalb der Lagermauern übrigens zur Zweitwährung in Regensburg mauserte – werden untersucht. Besonders interessant ist eine Quelle, die bereits 2008 entdeckt wurde und einen sehr besonderen Einblick in die Lagerrealität gibt: Die von den Gefangenen selbst herausgegebene Zeitung „Le Pour et le Contre“ (dt. „Das Für und Wider“), die nun von Dr. Manfred Weichmann (Uni Regensburg) übersetzt und ebenfalls herausgegeben wurde. Hier wird zum Beispiel von einer Schneeballschlacht im Lager berichtet, deren Beschreibung mit dem humorvollen und zugleich ironischen Befund des Redakteurs endet: „Keine Verletzten, aber lauter Gefangene“.

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