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Bischof

Als Gastgeber im fliegenden Einsatz

Im Zentrum Jugend ist Rudolf Voderholzer ein Bischof zum Anfassen. Auf dem Podium diskutiert der Dogmatiker über den Auftrag der Laien in der Kirche.
von Christine Strasser, MZ

Regensburg.Raus aus dem Bus, rein ins Getümmel auf dem Bismarckplatz. Von der Bühne tönt christlicher Pop. Davor steht Gesundheitsminister Herrmann Gröhe. Handschlag. Weiter in die Gesandtenstraße. Vorbei an der Schlange am Eisstand. Nein, leider, die Zeit ein Eis mitzuschlecken fehlt. „Nächstes Mal.“ Vor der Dreieinigkeitskirche verteilt Christian Weisner vom Bundesteam der Kirchen-Reformgruppe „Wir sind Kirche“ Flyer. „Grüß Gott!“ War das im Augenwinkel nicht Pater Anselm Grün, der da am Eingang zur Pustetpassage stand? Ja! Fröhliches Zuwinken. Jetzt aber schnell. Abbiegen in die Wahlenstraße, weil auf dem Neupfarrplatz das Durchkommen vor lauter Gläubigen kaum möglich ist. Durchatmen. Hier ist es ruhiger. Ein orthodoxer Priester kommt entgegen. „Im fliegenden Einsatz?“, fragt er. Genau das!

Randvoller Terminplan

Wer mit Bischof Rudolf Voderholzer in den vergangenen fünf Tagen Schritt halten wollte, brauchte gutes Schuhwerk und eine gute Kondition. Für den Regensburger Oberhirten bedeutete der Katholikentag Großeinsatz. Der Terminplan war von morgens bis spätabends durchgetaktet. „An keinem Abend bin ich vor Mitternacht ins Bett gekommen“, verrät Voderholzer. Als gastgebender Bischof war er ein bisschen immer und überall. Am Samstag bei der Wallfahrt in Neukirchen beim Heiligen Blut, bei der Abschlusspressekonferenz des Zentralkomitees der Katholiken im Festsaal der Regierung der Oberpfalz, im Zentrum Jugend am Goethe-Gymnasium, im Kolpinghaus beim Podium zum Auftrag der Laien in der Kirche, beim Abendgebet mit den Schwestern und Brüdern der Gemeinschaft von Jerusalem in der Kirche St. Katharina und beim Abend der Begegnung in der Altstadt. Und Voderholzer war ein Bischof zum Anfassen: Im Bus und in den Straßen und Gassen Regensburgs unterwegs von einem Termin zum nächsten. „Das ist doch unser Bischof!“ Dieser Ausruf begleitet Voderholzer. Und die Frage: „Dürfen wir ein Foto machen?“

„Helferverpflegung“ für den Bischof

Besonders gern kommt Voderholzer diesem Wunsch im Zentrum Jugend nach. „Hier wurlt es ja richtig“, freut sich der Bischof als er von Jugendpfarrer Thomas Helm am Samstagnachmittag begrüßt wird. Martina, Daniela und Jonas aus Berlin fassen sich ein Herz und bieten dem Bischof „Helferverpflegung“ – Kaffee und einen Butterkeks – an. „Aber wir haben nur Katholikentagsbesucher“, meinen sie. Der Bischof findet, dass das bestens passt und nimmt dankend an. Natürlich dürfen die drei Jugendlichen ein Foto mit ihm schießen.

So gestärkt geht es ans Mitmachen für den Bischof. Beim Bund der Deutschen Katholischen Jugend haben sie 6000 Legosteine besorgt, um an einer bunten Kirche zu bauen. Jeder soll auf einen Baustein schreiben, was Kirche für ihn oder sie bedeutet. Am Dach sind die Kinder schon angelangt, jetzt soll der Bischof mithelfen. „Da muss ich aber viel schreiben!“ Er nimmt einen orangen Baustein und notiert Sinn. Dann verbaut er einen weißen Baustein, auf den er Heimat geschrieben hat. „Noch einen“, bitten die Kinder. Bischof Voderholzer greift zu einem roten Baustein und schreibt Brücke darauf. „Den Rest müsst ihr jetzt selber fertigbauen“, sagt er.

An den nächsten Ständen warten sie schon auf ihren Bischof. Sebastian und Andy von der Kolpingjugend überreden den Bischof, mit ihnen mit einem riesigen Strohhut auf dem Kopf zu posieren. Der Arbeitskreis Ministranten wiederum hat ein Foto aufgetrieben, dass Bischof Voderholzer als Ministrant in seiner Heimatpfarrei St. Margareth zeigt. Wer es sehen will, muss beim Zitateerraten mitmachen. Die Zitate sind auf Holzfiguren aufgeklebt, die wie kleine Ministranten aussehen. Wer wissen will, ob er mit seinem Tipp richtig liegt, kann die Figuren aufklappen. Bischof Voderholzer klatscht vor Freude in die Hände als er sein Zitat entdeckt und ist vollends begeistert als er das alte Foto sieht.

Quirin sagt „Griaß di“

Angetan hat es dem Bischof auch der Hochseilgarten. Immer wieder schaut er nach oben, wo Kinder und Jugendliche in bis zu zehn Meter Höhe klettern. Da kommt ein blonder Junge auf den Bischof zugehüpft und nimmt ihn an der Hand. Der fünfjährige Quirin kennt den Bischof gut. Seine Mama Maria Walser erzählt, dass der Bischof schon als er noch der Rudolf war bei ihnen in der Wallfahrt von Pförring nach Altötting mitmarschiert ist. Das Verhältnis ist herzlich. Das „Hallo“ oder besser gesagt das „Griaß di“ bei der Begrüßung ist groß.

Nur viel Zeit hat der Bischof nicht. Er muss und will sich noch eine Jurte anschauen, in der die Pfadfinder die Kinder an das Thema Tod heranführen. Außerdem baut er bei der Mitmachaktion der Salesianer Don Boscos mit den Kindern an einem Turm aus Holzklötzen. Schließlich geht es noch im Rollstuhlparcours über Rampen, um die Kurve und unter Hindernissen hindurch. Anstrengender und schwieriger als der Bischof vermutet hätte ist das. Die letzten Fotowünsche werden erfüllt. Die Begleiter drängen zur Eile, weil das Zeitbudget schon überschritten ist. Schnellen Schrittes geht es zur Bushaltestelle. Dann entdeckt Hans Gfesser, Geschäftsführer im Bischöflichen Sekretariat Regensburg, dass Bischof Rudolfs Talar gelitten hat. „Macht nichts“, meint der Bischof. „Papst Franziskus hat gesagt, dass unser Talar verbeult sein darf.“ Trotzdem wird beschlossen, auf dem Weg zum Kolpinghaus einen Zwischenstopp „daheim“ einzulegen, um den Talar auszubürsten. Deshalb wird der Marsch vom Bismarckplatz bis zur Niedermünstergasse zum Zwischenspurt.

Die kurze Pause tut gut. Ein Journalist ruft an und bittet um eine Kopie des Statements, dass der Bischof gleich abgeben wird. Nein, nicht elektronisch, bitte auf Papier. Auch dieser Wunsch wird erfüllt. Nach einem erfrischenden Schluck Wasser und mit den kopierten Seiten im Gepäck sind es zum Glück nur wenige hundert Meter zum Ziel. Das Publikum im Festsaal des Kolpinghauses klatscht zur Begrüßung des Bischofs. Das Podium zum Auftrag der Laien kann pünktlich beginnen.

„Laie“ durch „Weltchrist“ ersetzen

Seinen Vortrag beginnt Voderholzer mit der Aussage, dass er die Bezeichnung ungeweihter Katholiken als „Laien“ für diskriminierend hält. Dann begründet der Dogmatiker, warum er dieser Ansicht ist. Er sagt, dass dieser Begriff in der Alltagssprache für Nicht-Fachleute verwendet, werde. Allein schon deshalb sei er nicht geeignet zur Bezeichnung getaufter und gefirmter Katholiken. Im kirchlichen Sprachgebrauch habe das Wort „Laie“ ursprünglich dazu gedient, Amtsträger von den übrigen Gläubigen abzugrenzen, erläuterte der Bischof weiter. Neuere Versuche, den Begriff als Würdetitel im Sinne eines „Angehörigen des Volkes Gottes“ (laos, griechisch heiliges Volk) zu verstehen, täten der Sprachgeschichte Gewalt an und könnten ihn auch nicht retten. Der Bischof plädiert dafür, das Wort „Laie“ durch „Weltchrist“ zu ersetzen. Dies sei die beste Alternative mit Blick auf Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965) zur Sendung der Laien.

Nach Aussage des Publikumsanwaltes kommt Voderholzer allerdings mit seinem Alternativprogramm bei den Zuhörern „nicht so gut“ an. Beifall bekommt der Bischof, als er die Bedeutung des Laienapostulats am Beispiel Medizinethik erläutert. „Es kann doch gar nicht genug Schwestern und Pfleger geben, die im Patienten nicht nur einen Kostenfaktor sehen.“ Viel Applaus auch für diesen Satz: „Eines wollte das Konzil sicher nicht: Die Klerikalisierung der Laien und eine Laisierung des Klerus.“ Mehr Beifall bekommt nur Professor Klaus Müller aus Münster, als er den Bischof zum Abschluss des Podiums auffordert, die Rätereform von 2005 zu kassieren.

Um nach dem wissenschaftlichen Streitgespräch wieder neue Kraft zu tanken geht es zum Abendgebet der Gemeinschaft von Jerusalem hinüber nach Stadtamhof in die Kirche St. Katharina. Auf dem Weg dahin werden wieder mehrfach Fotowünsche erfüllt. Dann Rückzug. Bischof Voderholzer hat die Brüder und Schwestern ausdrücklich zum Katholikentag eingeladen. Ihre spezifische Berufung besteht darin, in der „Wüste der Stadt“ Oasen des Gebets, der Stille und des Friedens zu schaffen. In den Gesängen schöpfe er Kraft, erläutert Voderholzer. Ohne die Morgenandachten und Abendgebete mit der Gemeinschaft hätte er den Katholikentag nicht durchgehalten. Dann marschiert er wieder los. Über die Steinerne Brücke zum Feier-Abend.

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