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Musik

Altrocker Radny heizt Metal-Schmiede an

Das Urgestein der Regensburger Szene reformiert die Band Mass. Die hat wieder Lust auf harte Riffs – und ihre Fans wohl auch.
Von Norbert Lösch, MZ

  • Die Metal-Band Mass geht 30 Jahre nach ihrer Auflösung wieder an den Start. Mit dabei sind (von links) Sänger Matthias „Wauxl“ Pfaller (Ex-Ravenryde), Drummer Andi Gmeinwieser, Keyboarder Clemens Matejka, Bassist Günther V. Radny und Gitarrist Hannes Heid. Foto: Markus Geretshauser
  • Günther Radny (r.) 1980 mit dem früheren Mass-Sänger Jack Burnside. Foto: Radny

Regensburg.Plötzlich sei jener Spirit der späten Siebziger und frühen Achtziger wieder da gewesen. Der Geist von damals, als die bis dahin härteste Gangart des Rock’n’Roll, der Metal, mit Bands wie Iron Maiden, Judas Priest oder Saxon seinen Siegeszug um die Welt antrat. Den Größen im Business eiferte seinerzeit auch eine Band aus Regensburg nach: Mass, eine wilde Truppe, die es immerhin auf acht veröffentlichte Tonträger und mehr als 200000 verkaufte Alben brachte. Und die Fans in ganz Europa hatte. 30 Jahre nach dem Ende gibt es Mass wieder – das Gründungsmitglied Günther (V.) Radny hat der Hard’n’Heavy-Combo neues Leben eingehaucht.

Radny, als Mastermind der Coverband The Mystic Eyes und überzeugter Stones-Fan gerne auch „der Keith Richards von Regensburg“ genannt, konnte mit seinen fast 68 Lenzen die Finger nicht von diesem Projekt lassen. „Es hat sich alles so ergeben. Und ich denke, die Band wird besser, als Mass von damals je geklungen hat“, sagt der spürbar euphorisierte Bassist. Ein bisschen Wehmut ist allerdings auch dabei, denn die Mitstreiter aus alten Tagen – Schlagzeuger Johannes Eder, Gitarrist Detlef Schreiber und der deutsch-amerikanische Sänger Jack E. Burnside – konnte er nicht mehr reaktivieren. Zum Teil jahrzehntelanger Alkohol- und Drogenmissbrauch forderte seinen Tribut.

Oldie-Band goes Metal

So kommt es, dass Mass im Jahr 2017 weitgehend identisch ist mit Radnys Stammband, den Mystic Eyes im Jahr 2017. Am Mikrofon steht also jetzt Matthias Pfaller, die Gitarren bedient Hannes Heid. Gewachsen ist Mass im Vergleich zu früher um einen Keyboarder, nämlich Clemens Matejka, und ganz neu hinzugekommen ist Schlagzeuger Andi Gmeinwieser (u. a. Blues Control).

„Wir starten jetzt mit Mass noch einmal neu, weil ich glaube, das Buch ist noch nicht ausgelesen“

Günther Radny

„Wir starten jetzt mit Mass noch einmal neu, weil ich glaube, das Buch ist noch nicht ausgelesen“, sagt Radny über seine Motivation. Den Kick habe es im Vorjahr gegeben, als im Fachmagazin „Deaf Forever“ ein Special über die frühe europäische Metal-Szene erschien. Verfasser war Tom „Warrior“ Fischer, Metal-Experte aus der Schweiz (Triptykon/Celtic Frost). Dort hatten Mass vier ihrer erfolgreichsten Alben eingespielt. Und siehe da: Die Regensburger Schwermetaller tauchten wieder auf. Ihre Scheibe „Angel Power“ von 1980 wurde auf Platz 28 der wichtigsten Veröffentlichungen zwischen 1979 und 1983 gelistet.

„Dann haben uns die Leute wohl wiederentdeckt“, sagt Radny. Unterstützt wurden „die uns überrollenden Ereignisse“ sicher auch durch die Tatsache, dass schon 2010 vier Mass-Alben remastered und vom deutschen Hardrock-Label SPV neu vertrieben wurden.

Comeback-Fest steigt am 13. Mai

Als der Regensburger Bassist dann Ende 2016 den Relaunch von Mass ankündigte, wurden auch wieder Livekonzerte nachgefragt. „Die wird es geben“, sagt Radny. „Wir proben ja schon das alte Material in neuer Besetzung.“ Was so locker klingt, ist dann doch in Arbeit ausgeartet. „Zwei Wochen lang haben wird uns die alten Scheiben angehört und die Texte rausgeschrieben. Die waren ja nirgends dokumentiert.“

Drei Termine stehen mittlerweile im brandneuen Tourplan von Mass. Sie werden auf einem Biker-Fest spielen und sind beim Trveheim-Festival 2017 in München dabei. Und das erste Heimspiel ist auch schon geplant: Am 13. Mai wird es im Airport in Obertraubling ein Comeback-Fest geben – mit zwei Vorbands und den „neuen“ Mass als Headliner.

„Ich hab’ wirklich nicht gedacht, dass die Ankündigung der Reunion solche Reaktionen auslöst“, blickt Radny auf durchaus bewegte Wochen zurück. „Mir ist das selbst ein Rätsel.“ Und vielleicht wird ja auch noch was aus dem großen Traum vom Sprung über den großen Teich, den viele deutsche Bands haben. „Es gibt eine Anfrage für ein Metal-Festival in Milwaukee“, verrät das alte und neue Mastermind von Mass. Mit knapp 68 muss eben noch lange nicht Schluss sein.

Schwarze Messen gefeiert?

  • In der Pause Metal gespielt

    Günther V. Radny ist Gründungsmitglied und Bassist von The Mystic Eyes. Die 30-jährige Pause in der Geschichte seiner ersten Band überhaupt nutzte der umtriebige Schlaks für intensive Ausflüge in andere Genres des Rock. Nachdem sich Mystic Eyes 1969 getrennt hatten, spielte er zunächst bei Synthetic Grass (1969/70), dann mit Black Mass. Diese Band samt der zugehörigen „Kommune“ schockte laut einem Bericht der „Woche“ 1971 die katholische Provinz mit Teufelsbeschwörung und einer nackten Frau.

  • Erfolgreiche Zeit von 1976 bis 1986

    Black Mass waren bis 1973 aktiv, dann ließen sie das „Black“ weg und nannten sich Mass. Bis 1976 war die Gruppe als Trio ohne Sänger unterwegs, dann stieg der Deutsch-Amerikaner Jack E. Burnside als Shouter ein. Das folgende Jahrzehnt sollte zur erfolgreichsten Zeit der Metal-Band werden. „Wir haben damals sicher in der Zweiten Liga gespielt“, sagt Fußball-Fan Radny. In Griechenland schaffte es Mass sogar in die Rock-Charts. 2010 gab es vier Scheiben in einer Neuauflage als CD. 2017 geht die Geschichte weiter.

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