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Altstadt-Mieten steigen heftig

Die Lage im Zentrum ist mit Abstand der größte Preistreiber auf dem Regensburger Wohnungsmarkt. Mietervertreter laufen Sturm.
Von Julia Ried

Wohnungen am Neupfarrplatz kosten dem Mietspiegel zufolge 22 Prozent mehr als das Durchschnitts-Zuhause. Alle Mieten, die sich seit 2013 geändert haben oder neu vereinbart wurden, flossen in die Erhebung ein.
Wohnungen am Neupfarrplatz kosten dem Mietspiegel zufolge 22 Prozent mehr als das Durchschnitts-Zuhause. Alle Mieten, die sich seit 2013 geändert haben oder neu vereinbart wurden, flossen in die Erhebung ein.

Regensburg.Altstadt-Wohnungen sind im Vergleich zu Wohnungen im übrigen Stadtgebiet für Mieter noch einmal deutlich teurer geworden. Das hält der Mietspiegel 2018 fest, den die Stadtverwaltung nächste Woche dem zuständigen Ausschuss des Stadtrats zur Beschlussfassung vorlegt. Wohnungen, die in einem Radius von bis zu einem Kilometer um die Neupfarrkirche liegen, kosten demnach 22 Prozent mehr als ein Durchschnitts-Zuhause in Regensburg – bisher waren es 16 Prozent mehr. Für ein 30-Quadratmeter-Apartment im Stadtzentrum zahlen Mieter durchschnittlich 12,61 Euro pro Quadratmeter – sofern nicht weitere Zuschläge hinzukommen, etwa weil es sich um eine nach 2010 gebaute Wohnung handelt (plus 13 Prozent) oder eine mit gehobener Badausstattung (plus fünf Prozent).

Am Stadtrand wohnen Regensburger erheblich günstiger. Für die Lage in Burgweinting oder Harting stellt der Mietspiegel 15 Prozent Abschlag vom Durchschnittspreis fest; bisher betrug der maximale Lage-Abzug zwölf Prozent. Über alle Wohnungsgrößen und Stadtviertel hinweg stieg die Kaltmiete in den vier Jahren seit 2013 – da fand die vergangene Mietspiegel-Erhebung statt – um 13 Prozent beziehungsweise im Schnitt 3,25 Prozent pro Jahr auf jetzt 8,69 Euro pro Quadratmeter. Diese Preissteigerung ist zwar „ganz ordentlich“, wie Alexander Schürt vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung sagt. Und doch ist sie geringer als die vor der Erstellung des Mietspiegels 2014; damals wurde ein Anstieg von 17 Prozent konstatiert. Das Zahlenwerk der Stadt ist sowohl für Mieter als auch für Vermieter eine wichtige Bezugsgröße. „Der Vermieter muss die Mieterhöhung begründen. Und da ist er auch an die Bewertung des Mietspiegels gebunden“, erläutert Ullrich Volk, Vorsitzender von Haus und Grund Regensburg.

Hier sehen Sie eine Grafik zur Entwicklung der Mietpreise in Regensburg:

Als Lage-Merkmal berücksichtigt der neue Mietspiegel nur das jeweilige Viertel und in der Innenstadt zusätzlich die Distanz zum Neupfarrplatz. „Infrastrukturelle Merkmale wie die Busanbindung oder die Entfernung zu Einkaufsmöglichkeiten spielen dagegen keine zusätzliche Rolle mehr.“ Diese seien in der Erhebung zwar abgefragt worden, erklärt der Chef des Amts für Stadtentwicklung, Anton Sedlmeier. Doch es habe sich herausgestellt, dass sie den Wert einer Wohnung nicht zusätzlich beeinflussten.

Der Mieterbund Regensburg lehnt dieses Ergebnis ab. Vorsitzender Kurt Schindler sagt: „Die Überwertung der Zentrumslage ist eine künstliche und durch objektive Kriterien nicht zu rechtfertigen.“ Schindler vertritt unter anderem deshalb die Auffassung, „dass der Mietspiegel in der vorliegenden Entwurfsfassung die tatsächlichen Preisverhältnisse auf dem Regensburger Wohnungsmarkt nicht korrekt widerspiegelt und extrem preistreibend wirkt.“ Weniger zahlungskräftige Menschen würden so in die Außenbereiche verdrängt, sagt Mieterbund-Mitglied Werner Hinreiner.

Die Stadt weist die Vorwürfe zurück. Der Mietspiegel gebe nur die Lage auf einem Wohnungsteilmarkt wieder, heißt es in der Beschlussvorlage. Sedlmeier sagt, die Kritik des Mieterbunds sei „nicht mehr nachvollziehbar“. Der Mietspiegel sei „einfacher und objektiver“ als frühere.

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