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Regensburg

Altstadt soll sicherer werden

Im Regensburger Zentrum nehmen die Gewaltdelikte Betrunkener zu. Ein Sicherheitskonzept soll dafür sorgen, dass sie schnell geahndet werden.
Von Marion Koller, Mz

Regensburg. Eine engere Zusammenarbeit gegen die Kriminalität in der Altstadt vereinbarten OB Hans Schaidinger, Rechtsreferent Dr. Wolfgang Schörnig, Polizeipräsident Rudolf Kraus und Leitender Oberstaatsanwalt Horst Böhm am Dienstag im Alten Rathaus. Bei der Pressekonferenz umriss Kraus die Situation. Vor allem im Bereich Obermünsterstraße/Jesuitenplatz sowie am Bahnhofsvorplatz und in den dortigen Grünanlagen habe 2011 die Gewalt- und Straßenkriminalität beträchtlich zugenommen. Bei der schweren und gefährlichen Körperverletzung sei der Anteil der betrunkenen Täter auf 60 Prozent gestiegen. Es gebe auch mehr Aufgriffe von Drogensüchtigen. Vom neuen Sicherheitskonzept und einem damit verbundenen guten Informationsfluss zwischen den Behörden verspricht sich der Polizeipräsident eine Entschärfung.

OB Hans Schaidinger will erreichen, dass in der Altstadt Feiernde und Bewohner fair miteinander umgehen. 99 Prozent der jungen Leute, die eins über den Durst getrunken hätten, ließen sich etwas sagen von der Polizei, betonte er beim Pressegespräch. Das Sicherheitskonzept ziele auf das eine Prozent, das nicht mehr für Worte erreichbar sei und gewalttätig werde.

„Wir wollen an dem Prinzip festhalten, dass man mit Strafe allein nichts erreicht“, sagte der OB. Staatsanwaltschaft, Polizei und die Ordnungsbehörde der Stadt würden künftig ihr Vorgehen enger abstimmen.

Das gemeinsame Behördenkonzept sieht einen ständigen Informationsaustausch durch feste Ansprechpartner und gemeinsame Lagebesprechungen vor. Kontrollaktionen und Razzien werden abgestimmt – zum Beispiel zwischen Polizei und Jugendschutz. Ordnungswidrigkeiten werden die Stadt und die Staatsanwaltschaft unter Ausnutzung des Bußgeldrahmens schneller ahnden. Die gesetzlichen Möglichkeiten sollen ausgeschöpft werden, zum Beispiel durch Alkoholtherapie und Schadenswiedergutmachung nach Strafverfahren. Täter werden gerichtlich verhängte Sozialstunden durch gemeinnützige Arbeit, besonders an Problemorten in der Altstadt, ableisten. Von den Gastronomen erwarten die Behörden, dass sie mitarbeiten und sich an die Vorschriften halten.

Polizeipräsident Kraus kündigte an, die Ordnungshüter würden in den Nächten zwischen Freitag und Sonntag mehr Präsenz zeigen. Ein Drittel der 54 neu eingestellten Kollegen werde in den Dienststellen im Stadtgebiet eingesetzt.

In dieser schönen Stadt müsse alles möglich sein – Feiern, Einkaufen und Wohnen, stellte Leitender Oberstaatsanwalt Horst Böhm zunächst fest. Deshalb wolle das Aktionsbündnis dafür sorgen, dass schnell auf Straftaten reagiert werde. „Und angemessen“, fügte er hinzu. Es gehe um härtere Ahndung, aber ausschließlich bei Rädelsführern, nicht beim Durchschnittsjugendlichen. Instrumente wie der Täter-Opfer-Ausgleich lieferten viele Möglichkeiten, um zu reagieren.

Rechts- und Umweltreferent Dr. Wolfgang Schörnig sieht beim Schulterschluss der Behörden eine Reihe von Synergieeffekten. „Das geht damit los, dass nächtliche Polizeistreifen uns Beobachtungen melden.“ Etwa Ansammlungen sehr jugendlicher Nachtschwärmer vor Kneipen, versperrte Fluchtwege oder offene Fenster in lärmenden Gaststätten. Auch er unterstrich: „Es sollen nicht alle kriminalisiert werden, aber Unbelehrbare sollen sehen, dass sie Verantwortung haben.“ Die Verwaltung wünsche sich eine lebendige Altstadt, doch diese solle auch lebenswert bleiben.

Angesprochen auf die neuerdings im historischen Kern zu sehenden „Scheiß Anwohner“-Aufkleber, räumte Schörnig ein: „Der Ton wird manchmal härter.“

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