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Porträt

Am Limes zu Fuß nach Hause

Werner Lang, ein Regensburger im Bonner Exil, schenkt sich was: Er kehrt zum 70. Geburtstag zurück ins Castra Regina – entlang der römischen Grenze.
Von helmut Wanner, Mz

Werner Lang (rechts) bei den Römertagen im Kleinkastell Pohl Foto: Lang

regensburg.Jeans, Pulli, braune Haut und Studiofigur: Die späten 60-er schauen heute aus wie früher die frühen 40--er. So ein Jung-Senior ist der ehemalige Präsident der Oberpostdirektion Regensburg. Werner Lang ist seit Jahrzehnten in Meckenheim bei Bonn zu Hause. Jetzt macht er sich ein besonderes Geschenk zu seinem 70. Geburtstag. Der gebürtige Regensburger startet am Sonntag die 550 Kilometer lange Schluss-Etappe seines nostalgischen Wander-Projekts auf dem Limeswanderweg.

Nach den Stationen Ruffenhofen, Gunzenhausen, Weissenburg, Kipfenberg, Altmannstein, Eining, Kelheim und Bad Abbach will er am 9. Mai die Stufen der Porta Praetoria emporschreiten. Ein Legionär begleitet ihn. Lang will die Vaterstadt symbolisch einnehmen.

Einen Jugendtraum verwirklicht

Oben wird ihn die Königin seines Herzens erwarten, seine Frau Carolina, die er 1968, vor 45 Jahren, in der Alten Kapelle geheiratet hat. Die „Marc Aurel“-Suite im Hotel Bischofshof ist für die beiden Heimkehrer gerade gut genug.

Nicht nur der 9. Mai, „die ganze Wanderung ist für mich ein einziger Geburtstag“, freut sich der Jubilar im Gespräch mit seiner Heimatzeitung. Der ehemalige Ministerialrat im Bonner Postministerium war in der Kette der Präsidenten der Oberpostdirektion Regensburg der vorletzte. Nach Dr. Alfons Hellerbrand, Otto Kronthaler und vor Dr. Herbert Lotze. Lang war auch Präsident der SG Post/Süd.

Jugendtraum verwirklicht

Täglich macht er gemütliche 15 bis 20 Kilometer. Werner Lang will auf dem Limes nicht an seine Grenzen gehen. Er betreibt seine einsame Wanderschaft, um Geschichte zu „ergehen“ und vielleicht etwas Persönliches zu verarbeiten. Er verfolgt seinen Jugendtraum. Seit er mit der Gruppe „ND“ eine Radtour nach Eining machte, treibt ihn das Interesse am Limes an und am gleichnamigen Wanderweg. „Die Deutsche Limesstraße und der Deutsche Limesradweg sind ja bekannt. Sie enden in Regensburg. Der Limeswanderweg ist kaum bekannt und touristisch unentwickelt.“ Lang zitiert die „Stuttgarter Nachrichten“, die in einem Beitrag schreiben, der Limes beginnt bei Aachen und endet im Bayerischen Wald. „Da besteht Informationsbedarf.“

Nacht in der „Marc Aurel“- Suite

Als Wanderfreund geht er allein und folgt dem seit Hape Kerkeling bekannten Motto „Ich bin dann mal weg“. Seine Übernachtungen hat er vorab gebucht. „Matratzenlager am Campingplatz Dennenloher See und Suite Marc Aurel im Hotel Bischofshof, da ist alles dabei.“

Der Einzelgänger startete die Limes-Wanderung in Rheinbrohl, dem alten römischen Caput limitis. Bis er in Castra Regina am nassen Limes endet, wird er die Rheinpfalz, Hessen und Bayern durchlaufen haben. Der späte Wandervogel stellte fest: „Deutschland ist schön, sogar wunderschön. Westerwald, Taunus, Wetterau, Odenwald, Schwäbischer Wald, fränkische Seenplatte, Altmühltal, Jura, das sind alles Regionen und Landschaften, die der Limes und der Limeswanderweg quert.“

Beim Gehen kommt Erinnerung

Lang hat den Goldsteig, den Rothaarsteig, den Jurasteig, den Rennsteig und den Eifelsteig unter die Füße genommen. Massen liebt er nicht. Wie er im letzten Jahr in Nordspanien gesehen hat, wandern auf dem Jakobsweg kurz vor Santiago de Compostela die Pilger fast im Gänsemarsch. Er hat sich das nur interessehalber angesehen. Was er da sah, hat ihn auf seinem persönlichen Kurs nur bestätigt. „Wo ich gehe, sehe ich oft den ganzen Tag keinen Menschen. Aber man wandert nicht einsam, die Natur und die Landschaften sind Unterhaltung genug.“

Bei seinem „Heimkommen“ will Werner Lang Gefühle aufsteigen lassen, die ihn mit seiner Heimatstadt verbinden. Er hat Regensburg zum Studium verlassen, aber die Stadt hat ihn nie losgelassen. Das Projekt des Deggendorfer Dichters Harald Grill, der zu Fuß aus Süd und Nord zur Donau heimkehrte, hat ihn sehr berührt. Jedes Jahr zweimal kommt er nach Hause. Wenn er heute die Stadt seiner Jugendlieben und Jugendsünden wieder besucht, kennt er sie fast nicht mehr. Die verschlafene Beamtenstadt seiner Erinnerung hat sich fein herausgemacht. Er übernachtet im „Orphee“. Der vom Rheinpfälzer Wein verwöhnte Sohn der Stadt wird sentimental und bestellt sich im Restaurant einen Winzerer Säuerling.

Sonntags zum Röhrl nach Eilsbrunn Aufgewachsen ist er in der Christliebstraße, einer Straße zwischen Zuckerfabrik und Domgymnasium, die kaum jemand kennt. Der Vater war Leiter der Kfz-Zulassungsstelle. Werner Lang besuchte das Siemens-Gymnasium. Er erinnert sich noch an die sonntägliche Standardwanderung: Endstation Prüfening der Straßenbahn Linie 1 und dann zum Röhrl nach Eilsbrunn. Mit seinem Freund suchte er abenteuerlichere Wege. Mit dem Radl ist er in den Thiergarten zum Aschenbrennermarter gefahren. „Dort haben wir uns auf der Bank vor den Jagdhäusern in der Sonne ausgeruht.“

Bei einem privaten Empfang hat er Gloria vor Jahren dieses Abenteuer bekannt. Sie verriet ihm auch was: Dass sie in Meckenheim eine Zeitlang zur Schule gegangen ist.

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