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Denkmalpflege

Am Schlachthof lebten Getreidebauern

Eine Römervilla, zwei Brücken und 200 Öfen – das haben die Archäologen seit Mai auf der Baustelle in der Babostraße in Regensburg gefunden.
Von Heike Haala, MZ

  • Bei den Ausgrabungen im Baugebiet Babostraße fanden Archäologen Mauern einer Villa Rustica. Fotos: altrofoto.de
  • Die Suche nach den Brücken
  • Der Putz der Römervilla
  • Eine der mysteriösen Brücken

Regensburg.Arm war derjenige nicht, der einst vor den Toren der Stadt in der Villa Rustica hauste, die nun auf dem Baugelände des ehemaligen Schlachthofs zutage gefördert wurde. Klaus Heilmeier, der Leiter des Amts für Denkmalpflege, zeigt auf einen Mauerbrocken mit weißem Putz. Das Fundstück gehört zu einer Römervilla und trägt blutrote und tannengrüne Verzierungen. Auch die Überreste seines Sonntagsgeschirrs hat der reiche Landherr hinterlassen: Die Terra-Sigillata-Scherben weisen ebenfalls darauf hin, dass der Hausherr einen gewissen Standard gewohnt war.

Genauso wie das Hochwasser. Laut Silvia Codreanu-Windauer vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege fanden die Archäologen die Grundmauern des Gebäudes unter einer dicken Schicht aus Schwemmsediment. Weil diese Schicht einheitlich ist, vermutet Codreanu-Windauer, dass sie ziemlich schnell aufgetürmt worden ist: Sie spricht von einem Hochwasser, das im Vergleich zu der Katastrophe im Juni ungleich schlimmer gewesen sein muss. Den Reichtum des Römers hätte das Wasser mitsamt der Dachziegel womöglich bis ins Schwarze Meer gespült. Münzen haben die Archäologen auf der Baustelle zumindest nur zwei gefunden.

Die Infrastruktur der Römer

Prof. Dr. Sebastian Sommer vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege schätzt die Größe des 7000 Quadratmeter großen Grabungsfelds als besondere Chance. So könnten Dinge gefunden werden, die nur abseits der üblichen Grabungsstätten entdeckt werden könnten. Die Entdeckungen hier würden allesamt Rückschlüsse auf die Infrastruktur der ehemaligen Siedler zulassen: Die Villa Rustica muss sich an dieser Stelle befunden haben, um die 10 000 Mann starke Legion mit Getreide zu versorgen.

Codreanu-Windauer geht davon aus, dass sie hier auch einen Handwerksplatz des Mittelalters gefunden hat. Seit Mai suchen die Archäologen das Gelände ab. 200 Öfen haben sie in dieser Zeit gefunden. Codreanu-Windauer sagt, dass sie aus dem 14., 15., oder 16. Jahrhundert stammen. Der Befund wundert sie nicht. Weil Regensburg innerhalb der Stadtmauern sehr dicht bebaut war, liegt es für sie auf der Hand, dass die Handwerker, die mit Feuer arbeiteten, außerhalb dieser Mauern auf Flächen untergebracht wurden, die nicht für die Landwirtschaft gebraucht wurden. Dort, wo inzwischen der Schlachthof saniert wird, hätte sich früher eine Senke mit Schwemmland befunden, erzählt Codreanu-Windauer. Sie geht davon aus, dass mit diesen Öfen gebacken oder gedörrt wurde. Immerhin hat sie keine mineralischen Rückstände darin gefunden, was dafür spricht, dass damit organische Materialien erhitzt wurden.

Brücken auf der Weide

Und dann haben die Archäologen noch zwei mysteriöse Brücken auf der ehemaligen Schwemmland-Weide entdeckt. Diese Brücken habe Heilmeier auf keiner seiner alten Karten im Archiv gefunden. Codreanu-Windauer und er sind sich aber sicher, dass der Pürkelgraben, der beim Pürkelgut entspringt, an dieser Stelle in die Donau führte. Warum auf einer Weidefläche aber eine massive Steinbrücke darüber nötig gewesen ist, das können sie sich nicht erklären. Zumal die Brücke vor dem Schlachthof entstanden sein muss, so viel können sie anhand der Art des Betons und des Granits sicher sagen. Die Überreste dieser Brücken will Wolfgang Herzog vom Vorstand des Immobilienzentrums Regensburg in das Gelände integrieren. Zwar nicht dort, wo sie gefunden wurden, aber er verspricht, dass seine Landschaftsarchitekten dafür eine passende Lösung finden werden.

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