MyMz
Anzeige

Medizin

Antibiotika werden zu oft verschrieben

Regensburger Experten warnen vor der Zunahme multiresistenter Keime. Ein Netzwerk soll die Infektionsgefahr verringern.
Von Angelika Lukesch

Antibiotika werden immer noch zu häufig verschrieben, kritisieren Regensburger Experten. Foto: jarmoluk/Pixabay
Antibiotika werden immer noch zu häufig verschrieben, kritisieren Regensburger Experten. Foto: jarmoluk/Pixabay

Regensburg.Am Welt-Antibiotikatag klärten Regensburger Experten über die Verwendung, den Nutzen und die Risiken von Antibiotika auf, vor allem hinsichtlich der zunehmenden Verbreitung von multiresistenten Keimen. Einig waren sich die Experten, dass es Krankheiten gebe, bei denen es keine Alternative zur Behandlung mit Antibiotika gibt. Allerdings würden zu schnell Antibiotika verschrieben.

An der Veranstaltung beteiligten sich Dr. Andreas Ambrosch (Leiter des Instituts für Labormedizin, Mikrobiologie und Krankenhaushygiene am Krankenhaus Barmherzige Brüder), Professor Dr. Wulf Schneider (Inhaber der bayernweit einzigen Professur für Krankenhaushygiene und Infektiologie am Universitätsklinikum Regensburg), Dr. Benedikt Lampl (stellvertretender Sachgebietsleiter Infektionsschutz und Hygiene mit Schwerpunkt Krankenhaushygiene am Gesundheitsamt Regensburg), die Infektiologin Dr. Ann-Philine Karl (Barmherzige Brüder) und Dr. Thomas Koch (Regensburger Ärztenetz).

Medizin

Der Widerstand der Bakterien

Als der Mensch Antibiotika erfunden hat, hielt er es für ein Wundermittel. Aber die Bakterien wehren sich mit Resistenzen.

Dr. Koch erklärte, dass dies nicht selten an Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Arzt und Patient liege. Oft glaube der Arzt, dass der Patient ein Antibiotikum haben wolle, obwohl dies gar nicht der Fall sei. Sehr oft, sagte Dr. Ambrosch, bestehe auch immer noch der Irrglaube, ein Antibiotikum würde auch gegen Grippe oder Erkältungskrankheiten helfen.

Falsche Einnahme schadet

„Diese Krankheiten werden von Viren hervorgerufen. Antibiotika wirken jedoch nur gegen Bakterien“ sagte der Arzt. Außerdem könne man einige Infektionskrankheiten auch ohne Antibiotika in den Griff bekommen. Jedes zu viel, zu kurz oder zu lange gegebene Antibiotikum leiste der Bildung von multiresistenten Keimen Vorschub. Im übrigen, sagte Professor Schneider, verändere derjenige, der ein Antibiotikum nehme, mit dieser Einnahme nicht nur sein eigenes Mikrobiom (die Gesamtheit aller Mikroorganismen eines Menschen), sondern damit auch das seiner Umwelt (Familie, Arbeitskollegen), denn Keime, auch multiresistente, verbreiten sich überall hin. Diese, so erklärte Dr. Ambrosch, würden keineswegs etwa in Krankenhäuser entstehen.

Interview

Aufklärung ist das A und O

Dr. med. Udo Wildner, Allgemeinarzt, sieht bei der Verwendung von Antibiotika auch die Ärzte in der Verantwortung.

„Unsere eigenen Untersuchungen zeigen, dass 90 Prozent der infizierten Patienten selbst die häufigsten multiresistenten Keime mit ins Krankenhaus bringen und sich daher nicht erst im Krankenhaus damit anstecken“, sagte der Arzt. Jeder Risikopatient wird bei der Aufnahme überprüft. Bis zu 10 Prozent der untersuchten Patienten sind inzwischen von den Keimen betroffen. Diese werden sogleich isoliert, um eine Ausbreitung zu vermeiden.

Händewaschen hilft

  • Hygiene:

    Sie hilft gegen die Verbreitung von Keimen, seien sie multiresistent oder nicht. Häufiges Händewaschen mindert die Verbreitung erheblich. Zu extreme Hygienemaßnahmen jedoch schwächen das körpereigene Immunsystem.

  • Keime:

    Multiresistente Keime, die einen gesunden Menschen besiedeln, machen keine Probleme. Erst wenn eine Immunschwäche eintritt, kann es zu einer Infektion kommen.

Eine bestmögliche Hygiene im Krankenhaus, aber auch in den Praxen ist also unabdingbar, um die Verbreitung dieser Keime zu unterbinden. In Regensburg haben sich daher spezielle Antibiotika-Expertenteams aus Infektiologen, Mikrobiologen und Apothekern zusammengeschlossen. Professor Dr. Wulf Schneider erforscht am Universitätsklinikum die Übertragungswege der Keime. Aus diesen Erkenntnissen wiederum lassen sich die geeigneten Präventionsmaßnahmen ableiten.

Netzwerk in Planung

Die Infektiologen wie Dr. Karl sind auch direkt an der Patientenversorgung beteiligt, wenn es um die Infektion mit multiresistenten Keimen geht. Dr. Lampl erklärt, dass für Regensburg das Infektionshygienische Netzwerk (INR) demnächst an den Start geht, das ebenfalls gegen die Verbreitung multiresistenter Keime arbeitet. Auch das Regensburger Ärztenetz hilft mit im Projekt ARENA (Antibiotika Resistenz nachhaltig abwenden).

Weitere Nachrichten aus Regensburg lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht