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Radsport

Arber-Radmarathon: Perfektes Jubiläum

Bei der 30. Ausgabe des Klassikers gehen 6968 leidenschaftliche Radler an den Start. Zur optimalen Organisation kommt bestes Wetter.
von Christine Strasser, MZ

Regensburg.Aus der Altstadt schwanken die letzten Nachtschwärmer müde Richtung Bett, während gleichzeitig putzmunter die ersten Teilnehmer des Arber-Radmarathons auf dem Regensburger Dultplatz anrollen. Es ist Sonntagmorgen, 5 Uhr. Trotzdem herrscht hektisches Treiben. Bei trockenem, nicht zu heißem, kurz gesagt: bestem Radlwetter. Aus Lautsprecherboxen wimmert der Bass. Damit wird auch noch das kleinste Körnchen Schlafsand aus den Augenwinkeln gewischt. Um die Nase mischt sich der Geruch von Kaffee mit dem von Muskelfluids, ätherischen Ölen und Sportcremes. Und noch etwas liegt in der Luft: Wille, Hoffnung, Leidenschaft – vermengt mit einer Prise Muffensausen.

Rasch füllt sich die lange Startreihe. Im Meer der Breitensportler stehen Lustige neben Ernsthaften, Entspannte neben Nervösen und Ehrgeizige neben Genießern. Die letzten Sekunden werden heruntergezählt. 10, 9, 8 ... Anspannung bis in die kleinste Muskelfaser. Einige der Radsportler nullen jetzt noch schnell das Aufzeichnungsgerät. Andere checken den Pulsmesser und etliche zurren den Helmverschluss fest. Dann werden die Schuhe ins Pedal geklickt. Hundertfach ist das Klack-klack zu hören. Danach ein Moment Stille.

Startschuss mit Hindernissen

Jetzt sollte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs die Pistole heben. Aber das Stadtoberhaupt ist nicht zu finden. Polizeioberrat Michael Danninger springt ein und feuert den Startschuss ab. Der Knall ist eine Erlösung. Der Pulk setzt sich unter den Klängen von „Conquest of Paradise“ in Bewegung. Die Fahrer an der Spitze rasen mit etwa 45 Stundenkilometer davon.

Als der Arber-Radmarathon aus der Taufe gehoben wurde, schwangen sich 16 Pioniere in den Sattel. Damals verlief er nur auf einer Strecke von Regensburg nach Bayerisch Eisenstein und zurück. Bei der 30. Ausgabe starten dieses Jahr zwischen 6 und 9 Uhr insgesamt 6968 Teilnehmer, darunter ambitionierte Radsportamateure, aber auch Freizeit- und Genussradler. Schon wer 56 Kilometer, die Familienrunde, schafft, kann mitfahren. Die Königsrunde bis zum Arber umfasst 250 Kilometer. 3300 Höhenmeter sind zu bewältigen. Für Rennradfahrer stehen noch drei weitere Touren zur Auswahl. Ergänzt wird das Angebot durch drei Strecken für Mountainbiker.

Die Kräfte richtig einschätzen

Veloclub-Präsidentin und Cheforganisatorin, Barbara Wilfurth, streicht den logistischen Aufwand heraus. Im Start- und Zielbereich sind rund 100 Helfer im Einsatz. An neun Verpflegungsstationen verteilen weitere 150 Helfer rund vier Tonnen Obst, zehntausende Snacks, Energieriegel, Wurst- und Käsesemmeln sowie Unmengen Säfte, Elektrolytgetränke und alkoholfreies Bier. Das Rote Kreuz stellt zehn Ärzteteams. Bis zum Abend ist es für Kreisbereitschaftsleiter Jürgen Eder „eigentlich gut gelaufen“. Auf der Strecke gab es 30 Einsätze. Sieben Radfahrer mussten von dort ins Krankenhaus gebracht werden.

Den Tross der Radfahrer, der sich am Vormittag wie an eine Schnur aufgefädelte Perlen bis zum Bayerischen Wald erstreckt, begleiten acht Führungs- und Schlussfahrzeuge. Eines davon steuert Erik Mayer. Im Rückspiegel hat er stets den Führenden der 170-Kilometer-Tour im Blick. Ein Fahrer im schwarz-weißen Trikot geht besonders schnell an. Doch Mayer rät zur Vorsicht – und wird recht behalten. Denn eine Wahnsinnsrunde macht am Ende ein anderer: Sebastian Neef aus Lappersdorf. Der Profi-Triathlet strampelt die Anstiege scheinbar mühelos hoch – und zieht ohne Zwischenstopp durch.

Dabei warten die Helfer um Katrin Heise in Kollnburg auf ausgezehrte Radler. „Herzhaftes geht bei diesem nicht zu heißen Wetter gut“, sagt Heise. Mit Wurst- und Käsesemmeln stärken sich Oskar Gruber und seine drei Kameraden, bevor sie sich an den gefürchteten steilen Aufstieg zwischen Grün und Maibrunn wagen. Der 56-jährige Gruber erzählt, dass er Krebs hatte und es sich selbst beweisen will, dass er die 170-Kilometer-Runde beim Arber Radmarathon unter sechs Stunden schafft. Er ist guter Dinge – auch weil er die passenden Mitstreiter gefunden hat.

Ganz allein bestreitet derweil Sebastian Neef sein Rennen. Während im Bayerischen Wald noch etliche schwitzende Radler leiden, rollt der 25-Jährige schon um 11:40 Uhr wieder über die Regensburger Stadtgrenze. Dabei scheint er es gar nicht eilig zu haben. An einer roten Ampel stoppt er und beantwortet lässig Fragen. Er erzählt, dass er es schon einmal solo probiert habe, aber eingebrochen sei. „Diesmal lief alles super“, freut er sich. Als er um 11:55 Uhr wieder ins Ziel am Dultplatz einbiegt, hat er einen 38er-Schnitt hingelegt. Respekt von allen Seiten.

In Saulburg sind am Nachmittag hingegen die anzutreffen, die es gemütlicher haben angehen lassen. Eine Gruppe aus Kelheim wartet an der Verpflegungsstation, vor der vier Touren wieder zusammenführen, auf einen zurückhängende Kollegen. Sein Schaltseil war gerissen. Laut Martin Kaindl, Werkstattleiter bei Zweirad Stadler, neben Speichenbrüchen und Reifenpannen das häufigste Problem.

Gänzlich unbeschwert verlief die erste Teilnahme beim Arber Radmarathon für Julius Triller. Der Zwölfjährige legte die 56-Kilometer-Runde spielend zurück und wäre ohne Mama im Schlepptau wohl noch schneller gewesen. Da ist er sich sicher. Eigentlich macht er Biathlon, erzählt er, aber auf sein schwarzes Rennrad steigt er auch gerne – und in ein paar Jahren meistert er vielleicht einmal die große Runde beim Arber-Radmarathon.

Eindrücke vom 30. Arber-Radmarathon

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