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Arena: Trickserei beim Probeessen?

Für das Stadion wird ein Caterer gesucht. Bei der Blindverkostung kam es zu Unregelmäßigkeiten mit kuriosen Kennzeichnungen.
Von Ernst Waller

  • Für die Conti-Arena wird ein Caterer gesucht. Bei der Ausschreibung kam es zu Unregelmäßigkeiten. Archivfoto: lla
  • Der Caterer serviert sein Essen auch im Business-Bereich. Foto: Archiv/Nickl

Regensburg.Dieser Schuss ging nach hinten los: Bei der Ausschreibung der Caterer-Leistungen in der Continental-Arena ist es nach Informationen unseres Medienhauses zu einer ganzen Reihe von Auffälligkeiten gekommen. Ein externer Vergabejurist hat Teile der sogenannten Blindverkostung moniert. Nun müssen die Testesser aller Wahrscheinlichkeit nach erneut ran. Was der Gutachter genau beanstandet hat, darüber macht Martin Gottschalk, Pressesprecher des Stadionbetreibers Regensburger Badebetriebe (RBB), keine Angaben. Unklar ist auch, welche Auswirkungen die Verzögerung haben wird. Wenn es ganz schlecht läuft, gibt es zur neuen Saison zunächst keinen Caterer im Stadion – und damit kein Bier und keine Bratwurst für die Fans. Beworben hatten sich sechs Caterer, drei waren in die Endrunde gekommen.

Die Ausschreibung besteht aus zwei Abschnitten. Im ersten Teil geht es um objektive Kriterien wie finanzielle Angaben, welche Produkte werden angeboten etc. Der zweite Teil besteht aus der sogenannten Blindverkostung. Dabei kam es wohl zu den Unregelmäßigkeiten; nach Informationen der Mittelbayerischen soll ein Anbieter verbotenerweise versucht haben, mit Tricks seine Produkte kenntlich zu machen. Nicht mit Kräutern, Gewürzen oder Lebensmittelfarbe, sondern möglicherweise subtiler, wie ein Informant der MZ beschrieb. So seien zum Beispiel entgegen der klaren Forderung aus der Ausschreibung Brühe und Kaspressknödel getrennt voneinander serviert worden. Die Mousse sei mit heller und dunkler Schokolade gemacht worden. Helle Schokolade ist im Catering allerdings wesentlich aufwändiger zu verarbeiten und deswegen untypisch für eine Großgastronomie. Unklar ist derzeit, ob der Gastronom, der eventuell getrickst hat, im Rennen bleibt und an einem möglicherweise neuen Testessen erneut teilnehmen darf.

Caterer legten sich ins Zeug

Es war am 27. April, als sich die potenziellen Caterer für die Conti-Arena mächtig ins Zeug gelegt haben: Es gab klare Rinderbrühe mit Kaspress-Knödel, Rinderbraten mit Gnocchi und Gemüse und als Nachspeise Mousse au Chocolat. Die acht Juroren bei der Verkostung im Rahmen des Vergabeverfahrens waren angetan. Doch danach hatte ein Jurist das Wort. Der Spezialist für Vergaberecht musste schauen, ob alles mit rechten Dingen zuging. Und das war ganz offensichtlich nicht der Fall, wie sich nun herausstellte.

Zur Vorgeschichte: Drei Jahre hatte Party-Engel als Caterer die Conti-Arena beliefert. Für die Fans gab es bei den Heimspielen Bier und alkoholfreie Getränke, Pommes und Bratwurstsemmeln. Der Caterer ist auch für die Verpflegung im Business-Bereich zuständig. Nach drei Jahren haben die Regensburger Badebetriebe (RBB) als Betreiber der Continental-Arena den Vertrag mit dem Party-Engel nicht mehr verlängert – und das städtische Tochterunternehmen hat sich diesen Schritt auch vom Stadtrat absegnen lassen in einer nicht-öffentlichen Sitzung Mitte Dezember des vergangenen Jahres. Nach Informationen unseres Medienhauses war es vor allem der SSV Jahn, der als Hauptmieter der Arena mit dem Angebot unzufrieden war – sowohl auf den Rängen als auch im VIP-Bereich. Offiziell allerdings haben sich die Verantwortlichen des Zweitligisten dazu nie geäußert. Und nach dem die Anlaufschwierigkeiten – unter anderem aufgrund einer defekten Schankanlage – behoben waren, zeigte sich auch die Mehrzahl der Fans zufrieden; richtige gute Noten gab es für Party-Engel im Business-Bereich und im Tagungsgeschäft, wie Befragungen belegen.

Dennoch: Der Vertrag wurde gekündigt, die Catering-Leistung neu ausgeschrieben. Und nachdem hinter den Kulissen gemunkelt worden war, dass der SSV Jahn mit einem ganz bestimmten Caterer liebäugle, haben der Betreiber RBB und das Vergabeamt der Stadt die Ausschreibung penibel vorbereitet.

Dabei spielen unter anderem viele „objektiv eindeutige Kriterien“ eine Rolle, wie Martin Gottschalk gegenüber der Mittelbayerischen erklärte. Gottschalk ist Pressesprecher der Stadtwerke, die die Mutterfirma der Regensburger Badebetriebe (RBB) ist.

Ein gigantischer Aufwand

Zweiter wichtiger Teil des Ausschreibeverfahrens ist die so genannte Blindverkostung, die laut Gottschalk einen „gigantischen Aufwand“ bedeute. Acht Testesser (je zwei vom Jahn, von den RBB, Vergabeamt und vom Regiebetrieb Arena) ließen sich das Drei-Gänge-Menü am 27. April in der Conti-Arena munden. Einer der Bewerber war auch der Party-Engel.

Drei Personen waren als Vertreter des SSV Jahn eingeladen, zwei durften abstimmen – wer, durften die Jahn-Vertreter selbst entscheiden. Mit dabei war auch Jahn-Präsident Hans Rothammer.

Rothammer sagte, dass er zur Präsentation des Party-Engel kritische Nachfragen gemacht habe. Jetzt seien die städtischen Gremien am Zug. „Es handelt sich um ein Ausschreibungsverfahren der Stadt“, sagte er.

Das stimmt. Eigentlich hätte sich der zuständige Bau- und Vergabeausschuss der Stadt am 8. Mai mit den Ergebnissen der Ausschreibung befassen sollen, doch das Thema wurde in den Juni verschoben. In einem Schreiben des Vergabeamts an alle Bewerber der Ausschreibung, das unserem Medienhaus vorliegt, wurde dies mit der „Komplexität des Verfahrens“ begründet. Doch bei der Verkostung kam es wohl zu den Unregelmäßigkeiten.

Martin Gottschalk sagte, dass es bei dem Verfahren die „größtmögliche Transparenz“ gegeben habe. Sollte dennoch „die kleinste Kleinigkeit nicht stimmen, so hat dies Auswirkungen auf das gesamte Verfahren“, hatte er auf unsere Anfrage erklärt. Und genau das ist nun passiert. Der Pressesprecher betonte ferner, dass der Betreiber RBB „maximal objektiv“ sei.

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