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Bischofshof-Gala

Artistisches Spektakel der Extraklasse

Zum Finale der Deutschen Turngruppenmeisterschaft in Regensburg nahm die begeisterte Menge selbst kleine Pannen mit Humor.
Von Franziska Reng, MZ

Bei der Deutschen Turngruppenmeisterschaft kämpften die Teilnehmer um die nationalen Titel in den einzelnen Altersklassen.
Bei der Deutschen Turngruppenmeisterschaft kämpften die Teilnehmer um die nationalen Titel in den einzelnen Altersklassen. Alle Fotos: altrofoto.de

Regensburg.Das helle Licht in den Zuschauerrängen erlischt. Auf der nahezu voll besetzten Tribüne wird getuschelt: „Geht’s jetzt endlich los?“ Kleine Grüppchen brüllen noch immer Schlachtrufe oder jubeln frenetisch im Chor. Man könnte meinen, sie seien Eishockey-Fans, die in der Donau-Arena ja regelmäßig zu Gast sind. Doch an diesem Sonntagabend findet hier ein sportliches Großereignis der anderen Art statt. Aber immer der Reihe nach: Zunächst tönt nun nämlich „Uptown Funk“ aus den Lautsprechern und spätestens jetzt kann sich auch der Letzte nicht mehr stillhalten. Alle klatschen im Rhythmus oder singen sogar mit. Dass unter den Anwesenden beste Laune herrscht, ist nicht zu übersehen.

Auch nicht für OB Joachim Wolbergs, der sich wenige Minuten später mit einer kleinen Begrüßungsrede an sie wendet: „Ihr seid gut drauf! Das habe ich schon die letzten Tage gemerkt!“ Denn in dieser Zeit waren unzählige Teams von Turnvereinen aus ganz Deutschland in die Domstadt gereist. Sie waren gekommen, um sich bei der Deutschen Turngruppenmeisterschaft zu messen und um die nationalen Titel in den einzelnen Altersklassen zu kämpfen.

Internationale Top-Acts dabei

Dr. Alfred Hölzl, Präsident des Deutschen Turnerbunds
Dr. Alfred Hölzl, Präsident des Deutschen Turnerbunds

Ausgerichtet wurde der Wettkampf von den beiden Turnvereinen TSV Bernhardswald und SV Fortuna Regensburg. Um für einen würdigen Abschluss des Großevents zu sorgen, das an vielen verschiedenen Orten in der Stadt ausgetragen wurde, organisierten sie außerdem eine spektakuläre Show: Im Rahmen der Bischofshof-Gala sollten alle Sieger geehrt werden und außerdem ein Programm dargeboten werden, bei dem nicht nur die vielzähligen hochklassigen Turnleistungen präsentiert werden, sondern durch internationale Top-Acts auch die Meisterschaftsteilnehmer selbst noch zum Staunen gebracht werden sollten. Immer abwechselnd wurden die drei Erstplatzierten der einzelnen Wertungsklassen geehrt und anschließend eine Nummer aus dem Repertoire ausgewählter Siegermannschaften gezeigt.

„Wenn man die Performance der einzelnen Turngruppen gesehen hat, kann man erst so richtig nachvollziehen, wie hoch das Niveau bei einer deutschen Meisterschaft ist! Respekt vor allen Teilnehmern und Teilnehmerinnen! Besonders für ihre Vielseitigkeit, die sie heute unter Beweis stellen mussten“, meint ein begeisterter Zuschauer anerkennend. Und er hat Recht, denn im Wettbewerb galt es für jede Mannschaft, aus acht verschiedenen Stationen vier Stück auszuwählen, die in die Punktewertung einfließen sollten. Die Teilnehmer hatten dementsprechend einen Tag voller Action und Anstrengung zu bewältigen, nach dem man vermutlich eher erschöpft ins Bett fallen möchte, als sich um 20 Uhr noch einmal für eine Gala-Vorstellung vorzubereiten.

Aber von Müdigkeit war in den Gesichtern der Athletinnen und Athleten nichts zu sehen. Und aufgeregt waren sie höchstens noch wegen der Unsicherheit, ob es nun vielleicht doch für einen Treppchenplatz gereicht hat. „Wir führen später unsere Gymnastik-Übung mit dem Reifen auf“, berichtet eine Turnerin aus Augsburg, „aber selbst wenn jetzt noch was schiefgeht, ist es egal. Die Punkterichter können ja nichts mehr ändern!“ Sie grinst und flitzt davon. Dass bei einer Vorführung nicht immer alles reibungslos klappen kann, weiß sie wie alle anderen Meisterschaftsteilnehmer nur zu gut. Und so nimmt es die Menge mit Humor, als Mikrofone durch Rückkopplung zeitweise ein bisschen dröhnen oder für eine Nummer plötzlich die falsche Musik eingespielt wird.

Mehr Bilder von der Gala in der Donau-Arena sehen Sie hier:

Gala Turnmeisterschaft

Musik ist ohnehin ein entscheidendes Element aller Auftritte. Teilweise wird selbst musiziert, auf einer Geige oder durch A-Capella-Gesang und manchmal bilden sanfte Klänge einen sinnlichen Hintergrund zu den gezeigten Kunststücken. Doch dann wird es plötzlich wieder laut: Als der TuS Jahn Mönchengladbach das Parkett stürmt, erklingen feurige Rhythmen. Die Sportler geben in dazu passender Kostümierung einen afrikanischen Tanz zum Besten und heizen der gesamten Arena mächtig ein. Die Zuschauer applaudieren begeistert. Sie sind schon längst fasziniert von all dem, was ihnen am heutigen Abend geboten wird, als eine Dame im blauen Kleid das Wort ergreift: „Guten Abend, ich heiße Dorothee Velten und führe Sie nun durch das Showprogramm!“

Publikum ließ Diamanten funkeln

Als wären die vorherigen Nummern nicht schon Show genug gewesen, beginnt nun ein grandioses Spektakel der artistischen Extraklasse: Ob Aerial Walk, Cyr Wheel oder Rope Skipping – hier ist für jeden Geschmack etwas dabei. Die Moderatorin selbst weiß nicht nur jede kleine Aufbaupause gekonnt humorvoll zu überbrücken, als professionelle Opernsängerin tritt sie sogar selbst ins Rampenlicht und unterhält das Publikum mit Gesangs-Klassikern wie „Diamonds are a girls best friend“.

Turnen macht Spaß – auch wenn es anstrengend ist.
Turnen macht Spaß – auch wenn es anstrengend ist.

Die Zuschauer zögern nicht lange, zücken sofort ihre Smartphones und schon leuchtet es auf den Zuschauerrängen, als würden dort tatsächlich unzählige Diamanten funkeln. Für den Auftritt von Thomas Dietz müssen alle Handys dann aber ausgeschaltet werden: Seine Licht-Jonglage wirkt erst dann besonders eindrucksvoll, wenn in der gesamten Arena Dunkelheit herrscht. Gebannt verfolgt das Publikum, wie der achtfache Jonglierweltmeister mit Leuchtkegeln, Bällen und Stäben herumwirbelt, die fast schon wie Laserschwerter aus einem Star-Wars-Film anmuten. Während der eine also mit futuristischer Technik wie von einem anderen Stern begeistert, nehmen die anderen das Publikum mit in die Vergangenheit: Die Walhalla Acrobats galoppieren als Ritter mit Steckenpferden auf die Bühne und versuchen sich als Geisterjäger. Ihre rasanten Sprünge vom Trampolin, das sie in ihre komödiantische Nummer einbauen, machen ihren Auftritt zu einem Highlight des Abends, bei dem viel gelacht wird. „Die Walhalla Acrobats haben mir eindeutig am besten gefallen. Es war total lustig, ihnen zuzusehen und man hatte das Gefühl, sie haben selbst viel Spaß bei ihrer Nummer. Das ist ja das Wichtigste beim Turnen: Eine positive Ausstrahlung, die das Publikum ansteckt“, weiß Turnerin Anna aus Memmingen. Und das gelingt bei der Bischofshof-Gala bis ganz zum Schluss.

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