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Regensburg
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Projekt

Auf den Spuren der Römer

Anatomieturm und Römertherme: Beim Ostengassenfest wird die Geschichte lebendig. Zwei Schulen stellen ihre Projekte vor.
von Daniel Steffen

Schüler des Pindl-Gymnasiums laden für Sonntag zu einer Anatomieturm-Besichtigung ein. Foto: pindl-Schule
Schüler des Pindl-Gymnasiums laden für Sonntag zu einer Anatomieturm-Besichtigung ein. Foto: pindl-Schule

Regensburg.Wo befand sich in Regensburg früher eine Römertherme? Welche spannenden Geschichten gibt es über den Anatomieturm im Villapark zu erzählen? Auf diese und ähnliche Fragen gibt es für die Besucher des Ostengassenfests die passenden Antworten. Am Sonntag können diese sich in der östlichen Altstadt auf baukulturelle Spurenbesuche begeben. Möglich gemacht hat dies das Projekt „Lost Traces“, das die Stadt und der Verein Architektur und Schule ins Leben gerufen haben.

Wie der Name bereits verrät, werden in verschiedenen Schulprojekten die verlorenen Spuren aus der Vergangenheit wieder sichtbar gemacht – und das Ostengassenfest bietet nach Auffassung der Beteiligten einen idealen Rahmen, gemeinsam mit vielen Besuchern diesen Spuren auf die Schliche zu kommen. Engagiert ist in diesem Bestreben zum Beispiel das Albrecht-Altdorfer-Gymnasium (AAG), das gewissermaßen seinen eigenen baukulturellen Wurzeln auf den Grund geht. Denn der heutige Schul-Sportplatz weist eine umfangreiche Geschichte auf. War bis vor wenigen Jahren lediglich bekannt, dass es sich um den ehemaligen Garten des Klosters St. Clara handelt, kam 2010 die gesicherte Erkenntnis hinzu, dass sich unter dem Sportplatz eine römische Thermenanlage befindet.

Dank der Bodenradartechnik, die damals eingesetzt wurde, konnten die entsprechenden Beweise erbracht werden. Schüler der sechsten Klassen des AAG stecken nun in Kooperation mit dem Landesamt für Denkmalpflege den Grundriss der Therme ab und machen diesen für die Festbesucher sichtbar. An dem konkreten Beispiel erfahren die Besucher, wie eine römische Therme aufgebaut war.

Ein römisches Begleitprogramm

Damit primär Kinder auf dem Sportplatz auf ihre Kosten kommen, haben sich die Schüler des Albrecht-Altdorfer-Gymnasiums ein umfangreiches „römisches“ Begleitprogramm ausgedacht. Das Programm, das am Sonntag zwischen 11 und 16 Uhr stattfindet, reicht von einer römischen Modeshow über das Flechten von römischen Frisuren bis hin zu Spielen, die auf die römische Zeit zurückgehen. Wer will, der kann auch römische Mosaike malen oder stempeln, wohltuende Salben herstellen oder sich als Archäologe probieren. Wie die Lehrerinnen Corinna Hutzler und Stefanie Seeleitner erklären, gibt es zu diesem Zweck eine Box, in der „Ausgrabungen“ gemacht werden können. Das entsprechende Werkzeug steht bereit, ferner können Skizzen zu den Ausgrabungen angefertigt werden. Dieser Programmpunkt wird von der „AktionKulturSozial“ angeboten, die beim Projekt mit dem AAG kooperiert.

Von der Römertherme zum Sportplatz

  • Mauersanierung:

    Im Jahr 2007 wurden die Umfassungsmauern des ehemaligen Klostergartens von St. Clara saniert. Die Sanierung wurde archäologisch begleitet. Bei den Arbeiten entdeckte man Teile eines größeren römischen Steingebäudes mit zum Teil beheizbaren Räumen.

  • Therme:

    2010 brachten Bodenradar-Untersuchenungen die Gewissheit über die Existenz einer früheren römischen Therme. Heutige Nutzung: Heute nutzt das Albrecht-Altdorfer-Gymnasiums das Gelände als Sportplatz. Am Ostengassenfest verkleiden sich einige Schüler als Römer.

Was es mit dem mysteriösen Anatomieturm im Villa-Park auf sich hat, damit beschäftigten sich ausgewählte Schüler des Pindl-Gymnasiums. An fünf Workshop-Tagen gingen sie zusammen mit ihren Betreuerinnen Ingrid Westerboer und Nicole Manzke auf Spurensuche und beleuchteten die Geschichte des Bauwerks von verschiedenen Standpunkten aus. Sie recherchierten, filmten und fotografierten, um ihre Dokumentation auszuarbeiten. Ihnen zur Seite stand das Landesamt für Denkmalpflege, das heute im Besitz des Turms ist.

Ebenfalls am Sonntag, zwischen 11 und 17 Uhr, stellen die Schüler den Ostengassenfestbesuchern die Ergebnisse ihrer Arbeit vor. Im halbstündlichen Turnus führen die jungen „Turm-Ent-
decker“ die Besucher hinauf auf das Bauwerk, das sonst für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Auch eine Ausstellung rund um den Turm gibt über bauliche Details Aufschluss.

Spannend ist die Geschichte vom Anatomieturm allemal. Sie geht bis in das frühe 14. Jahrhundert zurück, als zum Schutz der Ostenvorstadt eine Stadtmauer gebaut wurde. Zwischen 1310 und 1330 wurde die – im Bau befindliche – Mauer mit 23 Türmen bestückt. Der Anatomieturm war einer von ihnen. Zunächst diente er als Wehrturm, nach dem Bau einer Pulvermühle unterhalb der Mauer als Pulverturm. Als die Pulvermühle im Jahr 1618 brannte und an früherer Stelle neu gebaut wurde, verlor der Turm seine zwischenzeitliche Bestimmung.

Von sezierenden Hebammen

Im Jahr 1739 wurde der ehemalige Pulverturm wissbegierigen Ärzten als Sektionsort überlassen. Sogar Hebammen sollen an den Sektionen beteiligt gewesen sein, heißt es in den Geschichtsquellen. 1812 dann wurde der Anatomieturm wieder ein „Militär-Pulverturm“, dies allerdings nur für die Dauer von 22 Jahren. In der Folgezeit ließ König Maximilian II. von Bayern die Ostenbastei zur Sommerresidenz umbauen. Seitdem gehört der Anatomieturm mit seiner neuen, neogotischen Umformung zur Anlage der Königlichen Villa.

Dass die Turm-Geschichte eng verknüpft ist mit den politischen Entwicklungen in Europa, haben die fünf jungen Geschichtsforscher bei ihrer Dokumentation ebenfalls thematisiert. Insgesamt ordneten sie die Geschichte in fünf verschiedene Epochen ein, die unter anderem auf filmische Weise vorgestellt werden.

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