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Immobilien

Auf der fremden Couch ins Semester

Zum Vorlesungsbeginn suchen viele Studenten noch verzweifelt ein Zimmer in Regensburg. Wohnheimplätze sind rar.
Von Julia Ried, MZ

Wohnungsgesuch an der Universität Regensburg: Studenten, die jetzt noch kein Dach über dem Kopf haben, tun sich sehr schwer.
Wohnungsgesuch an der Universität Regensburg: Studenten, die jetzt noch kein Dach über dem Kopf haben, tun sich sehr schwer. Foto: Ried

Regensburg.Die Vorlesungszeit an der Universität beginnt erst nächste Woche. Stress hat der angehende Medizinstudent Johannes Tröbs trotzdem: Der 20-Jährige studiert von seinem bisherigen Wohnort Leipzig aus Immobilieninserate. „Ungefähr 50“ Anbieter von Wohnungen habe er seit dem 23. September, dem Tag, als er von seinem Studienplatz in Regensburg erfuhr, kontaktiert. Ein Zimmer hat er noch nicht gefunden – und ist deshalb selbst über einen Schlafplatz auf dem Sofa einer Studenten-Wohngemeinschaft froh. „Ich hab’ die Möglichkeit, eine Woche Couchsurfing zu betreiben“, erzählt er.

Johannes Tröbs, der seinen Studienplatz erst relativ spät über die zentrale Vergabestelle bekam, ist einer von vielen Erstsemestern, die der angespannte Wohnungsmarkt in Regensburg derzeit mindestens „ein bisschen nervös“ macht, so beschreibt der Leipziger seine Stimmung derzeit. In der Woche vor Vorlesungsbeginn steuert die Zahl der Erstsemester auf die Marke 6000 zu. Die Universität, an der die Einschreibung derzeit noch läuft, zählte Anfang der Woche etwa 3240 Studienanfänger. Die Ostbayerische Technische Hochschule (OTH), an der die Vorlesungszeit schon begonnen hat, registrierte 2300 neue Bachelorstudierende, die meisten der 360 Master-Erstsemester lebten schon hier. In einem aktuellen Ranking der 91 deutschen Uni-Städte mit mehr als 5000 Studenten, das das Berliner Moses Mendelssohn Institut in Kooperation mit dem Internetportal WG-gesucht.de erstellte, landete Regensburg im vorderen Viertel, auf Platz 20. Die Macher der Studie stellen eine „steigende Anspannung des studentischen Wohnungsmarktes“ fest.

Preissprung bei WG-Zimmern

Zu dieser Bewertung beigetragen hat unter anderem der „riesige Preissprung bei WG-Zimmern in diesem Jahr“, den die Wissenschaftler auf Grundlage von Daten des Portals WG-gesucht.de ermittelten. Nach dessen Angaben beträgt der durchschnittliche Preis für ein WG-Zimmer 2016 350 Euro, während er in den beiden Vorjahren bei 320 Euro lag. 11,6 Prozent (von zum Zeitpunkt der Erhebung knapp 31300 Studenten) tun das, nachdem es 2014 noch 12,7 Prozent waren und 2015 12,2 Prozent.

Der Mietpreis für ein solches öffentlich gefördertes Apartment liegt in Regensburg deutlich unter dem Preis für ein Zimmer auf dem freien Markt. Die Durchschnittsmiete für eine 20-Quadratmeter-Wohnung beträgt dem Mietspiegel zufolge 247 Euro kalt; Regensburger Mieter des Studentenwerks, das seine Plätze nur an Bafög-Empfänger und ausländische Studenten vergibt, bezahlten dagegen durchschnittlich insgesamt 219 Euro – inklusive Nebenkosten und Internetanschluss.

Mietwohnungsbau in Regensburg

  • Neubauten allgemein:

    Fast 3000 Wohnungen sind nach Angaben des Planungsreferats vom Juni allein in den vergangenen zwei Jahren gebaut worden, deutlich mehr als in den Vorjahren. Im Städtevergleich lag Regensburg 2014 mit mehr als elf fertiggestellten Wohneinheiten pro 1000 Einwohner vor Metropolen wie München.

  • Geförderte Wohnungen:

    Der Anteil öffentlich geförderter Wohnungen steigt nach Angaben des Planungsreferats (Stand: Ende Januar) in den nächsten Jahren. Während 2014 81 fertig wurden und im Jahr darauf 146, sollen es 2016 155 sein. 2017 und 2018 sind 490 und 485 solche Apartments geplant, jeweils 200 davon sind für Studenten.

Gerlinde Frammelsberger, Geschäftsführerin des Studentenwerks, weiß: In der Zeit vor dem doppelten Abiturjahrgang 2011 lebten noch 15 Prozent der Studenten in subventionierten Apartments. Sie erklärt: Seitdem seien in Bayern, auch in Regensburg, die Studentenzahlen um ein Viertel angestiegen. „Da hält die Entwicklung auf dem öffentlich geförderten Wohnungsmarkt einfach nicht Schritt.“ In Regensburg sank die Zahl dieser Zimmer sogar noch. 3510 solche Plätze stehen den Studenten nach Aussage von Frammelsberger zur Verfügung, während es 2010 3694 waren. „Die Verknappung des Angebots liegt an der Sanierung einer Wohnanlage des Studentenwerks in der Dr.-Gessler-Straße mit 169 Wohnplätzen“, gab sie Auskunft.

Welche Wohnheime es in Regensburg gibt und weitere Informationen rund ums studentische Wohnen finden Sie hier.

Nur private Investoren bauten

Gerade fertig und schon voll: die Studentenwohnanlage des Evangelischen Siedlungswerks auf dem Gelände der ehemaligen Nibelungenkaserne.
Gerade fertig und schon voll: die Studentenwohnanlage des Evangelischen Siedlungswerks auf dem Gelände der ehemaligen Nibelungenkaserne. Foto: Ried

Neue Wohnungen für Studenten bauten nur private Investoren. „Das hat die Lage entspannt“, findet die Studentenwerk-Chefin, aber an öffentlich gefördertem Wohnraum mangle es. Jonathan Narjes vom studentischen Sprecherrat der Universität Regensburg, der aktuell eine Bettenplatzbörse für Kommilitonen betreibt, die noch keine Wohnung haben, sieht das genauso. „Man muss günstigen Wohnraum schaffen“, lautet sein dringender Appell. Wer den Bafög-Höchstsatz bekomme, könne nur bis zu 300 Euro ausgeben. Besonders groß ist die Not unter ausländischen Studenten, die für ihre Aufenthaltsgenehmigung die Unterschrift eines Vermieters brauchen. Hannelore Siegl-Ertl vom akademischen Auslandsamt der OTH sagt: „Die Lage ist dramatisch. Ich habe so viele Studenten auf der Straße wie noch nie.“

Lesen Sie mehr: Im „Kugelschreiber“ bloggen Regensburger Studenten über den Uni-Wahnsinn. Zum Semesterstart gab es Überlebenstipps für Erstis.

Den Nachholbedarf an günstigen Wohnungen erklärt Frammelsberger vom Studentenwerk so: Anbieter, die Geld vom Staat in Anspruch nehmen, könnten nicht so schnell tätig werden. So müssten sie die Arbeiten öffentlich ausschreiben, zum Teil sogar europaweit. Dabei komme das Unternehmen in Regensburg, wo der Bauplatz so knapp ist, ohnehin schwer zum Zug. „Um diese wenigen Grundstücke konkurrieren wir mit privaten Investoren.“ Eine Fläche hat sich das Studentenwerk auf dem Gelände der ehemaligen Nibelungenkaserne gesichert, wo es ab 2017 ein Haus mit 200 Studentenzimmern baut. Frammelsberger erklärt optimistisch: „Ich bin sicher, wir werden in den nächsten zwei, drei Jahren die Unterbringungsquote erhöhen können.“

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