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Sicherheit

Aufatmen nach Terrorverdacht am Dom

Ein 20-Jähriger fiel in einer Messe im Dom auf. Doch er erwies sich als harmlos. Ein Augenzeuge schildert die Polizei-Aktion.
Von Christof Seidl

Der Mann, den die Polizei kontrollierte, liegt vor dem Dom auf dem Boden. Einsatzkräfte der Polizei halten ihn in Schach. Der Domplatz war während dieser Aktion am Dienstagmorgen gesperrt. Foto: Alexander Auer
Der Mann, den die Polizei kontrollierte, liegt vor dem Dom auf dem Boden. Einsatzkräfte der Polizei halten ihn in Schach. Der Domplatz war während dieser Aktion am Dienstagmorgen gesperrt. Foto: Alexander Auer

Regensburg. Für einen Großeinsatz der Polizei hat am Dienstagmorgen ein verdächtig aussehender Mann im Bereich des Doms gesorgt. Kurz stand Terrorverdacht im Raum, letztlich entpuppte sich der Einsatz als Fehlalarm. Auslöser der Aktion war ein Passant, der der Polizei meldete, dass sich im Dom bei der Morgenmesse eine verdächtige männliche Person aufhält. Aus der Kleidung des „arabisch aussehenden Mannes“ ragten laut Polizei Drähte, die zu einer Auswölbung an der Kleidung führten.

Die Polizei räumte den Domplatz und sperrte ihn sowie den Zugang zum Dom selbst. Nach der Messe wollten die Einsatzkräfte den Mann festnehmen. Ein Augenzeuge, der am Domplatz wohnt, beobachtete den Ablauf und schilderte im Gespräch mit der Mittelbayerischen seine Eindrücke. „Ich bin gegen 7.20 Uhr wach geworden, weil mein Wecker klingelte und gleichzeitig draußen Menschen herumschrien. Ich bin dann zum Fenster gegangen, um in Erfahrungen zu bringen, was da los ist. Da sah ich vor dem Dom einen Mann am Boden liegen.“ In einiger Entfernung standen nach seinen Angaben Polizisten in Deckung, die den Mann etwas zuriefen. „Sie wollten seinen Namen wissen und was er bei sich hat.“

SEK-Einsatz war im Gespräch

Terroralarm am Regensburger Dom

Der am Boden liegende Mann habe versichert, dass er unbewaffnet und kein Terrorist ist. „Er hat ganz gut deutsch gesprochen“, erinnert sich der Augenzeuge, der auch das Gespräch der Polizisten untereinander gehört hatte. „Ich habe nicht alles verstanden, aber offenbar ging es darum, ob sie den Mann selbst festnehmen oder auf ein Sondereinsatzkommando warten sollen.“ Erst nach etlichen Minuten seien Polizisten zu dem am Boden Liegenden gegangen und hätten ihn kontrolliert. „Dann haben sie ihn abgeführt.“ Während der ganzen Zeit hätten Polizisten Waffen auf den Mann gerichtet.

Was den Augenzeugen wunderte, war die lange Zeit, die es dann noch bis zur Aufhebung der Sperre gedauert habe. „Ich glaube, das war eine Dreiviertelstunde.“ Passanten, die über den Domplatz wollten, seien zurückgeschickt worden, auf einige, die das nicht gleich einsehen wollten, habe die Polizei harsch reagiert.

Bei dem Einsatz am Domplatz waren in der ersten Phase etwa 20 Streifenwagenbesatzungen im Einsatz. Foto: Alexander Auer
Bei dem Einsatz am Domplatz waren in der ersten Phase etwa 20 Streifenwagenbesatzungen im Einsatz. Foto: Alexander Auer

Domdekan Prälat Johannes Neumüller hatte diese Messe im Dom um sieben Uhr gefeiert, an der sich etwa 15 Gläubige beteiligten. Es handle sich um Menschen, die diese Messe gezielt besuchen und meistens bereits einige Minuten vor Beginn im Dom sind. Sie seien ihm in der Regel bekannt, sagte Neumüller im Gespräch mit der MZ. Der Geistliche hatte auch den später festgenommenen Mann bei der Messe gesehen. „Er hatte schwarze Haare, war dunkelhäutig und hat eher unsicher gewirkt.“ Verdächtig habe er nicht ausgesehen, sagte Neumüller. Ob es sich um einen Christen gehandelt hat, könne er nicht beurteilen, „vermutlich eher nicht“. Polizisten seien erst nach der Messe im Dom gewesen, er habe drei gesehen.

Der Domdekan verließ das Gotteshaus durch die Sakristei. Er sah den Verdächtigen in etwa 100 Metern Entfernung auf dem Boden liegen. Neumüller bedauert den Vorfall. So auf dem Boden zu liegen, während Waffen auf einen gerichtet werden, sei sicherlich sehr beängstigend. Die Polizei stellte bei der Überprüfung des Mannes fest, dass er Kopfhörer und eine Getränkeflasche bei sich hatte, gefährliche Gegenstände fanden sich nicht. Bei dem Betroffenen handelt es sich laut Polizei um einen 20-jährigen Mann mit afghanischer Staatsangehörigkeit aus Niederbayern. Die Polizei beendete die Sperrung des Domplatzes und des Doms gegen 8.15 Uhr.

Polizei lobt den Passanten

Ein Polizist durchsucht den Verdächtigen, der zuvor minutenlang auf dem Boden liegen musste. Foto: Alexander Auer
Ein Polizist durchsucht den Verdächtigen, der zuvor minutenlang auf dem Boden liegen musste. Foto: Alexander Auer

„Wir sind froh über diesen Ausgang und über die Mitteilung des Passanten. Er hat alles richtig gemacht“, sagte Albert Brück, Pressesprecher am Polizeipräsidium Oberpfalz, im Gespräch mit der MZ. Die ersten Polizisten, die den Mann im Dom gesehen hatten, hätten dessen verdächtiges Aussehen bestätigt. Zu der Frage, wo genau sich die Kopfhörer, die Kabel und die Wasserfalsche an dem Verdächtigen befanden, machte Brück keine Angaben. Man wolle möglichen Nachahmern keine Anhaltspunkte liefern.

Vermeintliche Bomben in Regensburg

  • Bahnhof:

    Ein herrenloser Koffer löste im März 2017 am Hauptbahnhof Regensburg Bombenalarm aus. Ein Zugbegleiter entdeckte unter einem Sitz einen schwarzen Koffer, der niemandem zu gehören schien. Mehrere Gleise wurden gesperrt, ein Entschärfer stellte fest: Der Koffer ist harmlos.

  • Drogerie:

    In einem Drogeriemarkt in der Altstadt sorgte ein blinkendes Kästchen im Juni 2017 für Aufregung. Teile der Fußgängerzone wurden gesperrt. Auch dieses Teil war ungefährlich: Es gehörte zu einer abgebauten Werbeanlage und war beim Entsorgen vergessen worden.

  • Justizgebäude:

    Wegen eines Trolleys vor dem Justizgebäude hatte die Polizei im Juli 2017 die Augustenstraße gesperrt. Sitzungen wurden unterbrochen. Auch in diesem Fall gab es bald eine Entwarnung. Den Koffer hatte eine Rechtsreferendarin vergessen. Drin waren Gesetze.

Der Mann befand sich längere Zeit in Polizeigewahrsam. Er sei mithilfe eines sprachkundigen Beamten befragt worden, sagte Brück. Der Polizei ging es um die Frage, ob der Afghane sein verdächtiges Aussehen „bewusst herbeigeführt hat“, oder ob sich selbst gar nicht als verdächtig wahrgenommen hat. Nach derzeitigem Stand gehen die Ermittler der PI Süd davon aus, dass der 20-Jährige den Einsatz unbewusst ausgelöst hat. Deshalb gibt es auch keine polizeilichen Ermittlungen gegen ihn. Er befindet sich laut Polizei derzeit auf eigenen Wunsch zur Untersuchung in einer Fachklinik.

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