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Attacken

Aufruhr nach Todesfall in Asylheim

An der Leiche der Frau wurden keine Spuren von Gewalt gefunden. Die Polizei prüft, ob sich Personen strafbar gemacht haben.
Von Susanne Wolf, Simone Grebler und Jan-Lennart Loeffler

Die Polizei war massiven Angriffen der Bewohner ausgesetzt. Unter anderem flogen Steine. Foto: Alexander Auer
Die Polizei war massiven Angriffen der Bewohner ausgesetzt. Unter anderem flogen Steine. Foto: Alexander Auer

Regensburg.Auch am Sonntagmorgen gibt es noch keine neuen Erkenntnisse zu den Vorfällen im Ankerzentrum in der Zeißstraße. So ist weiter unklar, woran die Frau starb, die in den Morgenstunden des Samstags tot in der Asylbewerberunterkunft aufgefunden wurde. Nach Information von Dietmar Winterberg, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz, handelt es sich um eine 31-jährige Nigerianerin. Gegen 8.45 Uhr wurde der Polizei am Samstagmorgen eine leblose Person in dem Ankerzentrum gemeldet. Die Todesursache ist zwar bislang noch unklar, eine Gewalttat liegt nach ersten Erkenntnissen jedoch nicht vor. Ob sie obduziert wird, werde die Staatsanwaltschaft entscheiden, hieß es am Sonntag auf Nachfragen beim Polizeipräsidium.

Der Rettungsdienst konnte nur noch den Tod der Frau feststellen. Da ein Arzt zunächst eine ungeklärte Todesursache bescheinigte, wurde die Polizei informiert und nahm die Ermittlungen vor Ort auf. Als die Beamten am Einsatzort eintrafen, hat sich die Stimmung bei den Bewohnern „merklich verändert“, so Winterberg. Ein Teil der Einrichtungsbewohner reagierte zunehmend emotional auf die Anwesenheit der Ermittler.

Beamte massiv angegriffen

Rund 50 Polizeibeamte waren in der Zeißstraße in Regensburg im Einsatz. Foto: Alexander Auer
Rund 50 Polizeibeamte waren in der Zeißstraße in Regensburg im Einsatz. Foto: Alexander Auer

Offenbar eskalierte die Lage unter anderem, weil die anderen Bewohner nicht mehr zu der Verstorbenen durften. Die Einsatzkräfte von Rettungsdienst und Polizei wurden von Bewohnern der Unterkunft bedrängt und angegriffen. „40 bis 50 Bewohner haben die Polizei attackiert – unter anderem mit Steinen beworfen“, berichtet der Polizeisprecher. Die Aggressoren hielten sich laut Polizeiberichte hauptsächlich vor dem Eingang des betroffenen Gebäudes auf und ließen ihrem Unmut nicht nur verbal freien Lauf.

Auch mit Flaschen und anderen Gegenständen warf ein Teil der Bewohner. Eine Bergung der Frau war wegen der aufgeheizten Stimmung zunächst nicht möglich. In dem Tumult wurde zusätzlich der Feueralarm ausgelöst, die Feuerwehr rückte an. Dadurch verstärkte sich der Aufruhr zusätzlich.

Sehen Sie hier ein Video über den Großeinsatz:

Video: Alexander Auer

Polizei konnte Lage deeskalieren

20 Polizeistreifen waren am Samstagvormittag in der Zeißstraße im Einsatz. Foto: Alexander Auer
20 Polizeistreifen waren am Samstagvormittag in der Zeißstraße im Einsatz. Foto: Alexander Auer

Die Polizisten riefen Verstärkung und konnten die Situation deeskalieren. Zeitweise befand sich ein Großaufgebot der Polizei mit 20 Streifenwagen, rund 50 Beamte aus Regensburg und der Region, an der Einrichtung. Auch die Verhandlungsgruppe des Polizeipräsidiums Oberpfalz war im Einsatz, um mit den Bewohnern in Kontakt zu treten und die Lage zu beruhigen. Der Einrichtungsleiter Karl-Heinz Kreuzer und die Ombudsfrau der Regierung, Veda Erös, waren schnell vor Ort und führten Gespräche mit den Bewohnern.

Innenminister Joachim Herrmann erklärte in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk, die Polizei habe die Rädelsführer mittlerweile identifiziert. Das Verhalten der Asylbewerber nannte er „nicht akzeptabel“. Das Polizeipräsidium Oberpfalz will nun laut BR-Informationen ermitteln, ob sich Personen strafbar gemacht haben. Auch zu diesen Ermittlungen gab es am Sonntagmorgen keine vonseiten des Polizeipräsidiums keine Neuigkeiten.

Vor der Einrichtung lagen um die Mittagszeit Scherben. Foto: Jan-Lennart Loeffler
Vor der Einrichtung lagen um die Mittagszeit Scherben. Foto: Jan-Lennart Loeffler

Ungefähr 360 Bewohner leben aktuell in der Unterkunft, hauptsächlich aus Nigeria und Äthiopien. Die Zustimmung der Polizei, dass einige Bewohner den Sarg der Verstorbenen heraustragen durften und mit dem Bestatter mitfahren durften, führte dazu, dass sich die Lage schließlich entspannte.

Integration

Laute Kritik am Ankerzentrum verstummt

Seit einem halben Jahr gibt es das Ankerzentrum in Regensburg. Es war bei seiner Einrichtung sehr umstritten.

Gegen 11.40 Uhr konnte der Leichnam der Frau geborgen und an ein Bestattungsunternehmen übergeben werden. Die ersten, vorläufigen Erkenntnisse zum Tod der 31-jährigen Schwarzafrikanerin weisen keine Anhaltspunkte auf, die auf ein Ableben durch Gewalteinwirkung oder ähnliches schließen lassen. Die Verstorbene hinterlässt drei Kinder im Alter von neun, fünf und drei Jahren, die sich nun in Obhut des zuständigen Jugendamtes befinden.

Das Ankerzentrum in der Zeißstraße in Regensburg Foto: Jan-Lennart Loeffler
Das Ankerzentrum in der Zeißstraße in Regensburg Foto: Jan-Lennart Loeffler

Um die Mittagszeit hatte sich die Situation beruhigt, die Streifenwagen rückten wieder ab. Bei dem Einsatz wurden nach derzeitigem Kenntnisstand keine Personen verletzt. Die Polizei nahm niemand fest oder in Gewahrsam. Neben den Todesfallermittlungen prüft die Polizei nun das etwaige strafbare Verhalten der vor Ort aggressiv aufgetretenen Personen.

Erst vor knapp zwei Wochen gab es einen Großeinsatz in dem Asylbewerberheim in der Zeißstraße. Ein Mann widersetzte sich auf außergewöhnliche Art und Weise der Abschiebung.

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