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Gesellschaft

Außerirdische werben für Tierschutz

Die „Menschen für Tierrechte“ und befreundete Verbände brachten am Haidplatz ihre Anliegen nahe – auch mit Hilfe grüner Plastikmännchen.
Von Daniel Steffen, MZ

Auf dem fiktiven Planeten Vega lieben die Bewohner die vegane Ernährung schon, jetzt sollen die Oberpfälzer auf den Geschmack kommen. Die Menschen für Tierrechte warben auf dem Haidplatz dafür. Foto: Steffen

REGENSBURG. Nein, mit dem neuen Tierschutzgesetz sind die Regensburger Tierschützer alles andere als zufrieden: „Jetzt ist es um den Tierschutz eher schlechter als besser bestellt“, klagt Karlheinz Seidl vom Verein „Menschen für Tierrechte“ Regensburg. Am Samstag, zum Welt-Tierschutztag, machten sich Tierschützer Schulter an Schulter mit weiteren Verbänden, in der Fußgängerzone für ihre Anliegen und die Rechte von Tieren stark.

Die Lobby der Pharmaindustrie und der Massentierhaltung wäre bei der dritten Gesetzesnovellierung deutlich begünstigt worden, sagt Karlheinz Seidl über das neue Tierschutzgesetz. Seine Kritik gilt vor allem Verbraucherministerin Ilse Aigner, die solche Strukturen unterstützt habe. Seidl nannte Beispiele: Weder in der Engstallhaltung noch bei den „qualvollen Eingriffen in der Massentierhaltung“ würden durch das neue Gesetz verbesserte Rahmenbedingungen geschaffen. Schnäbel zu kürzen, sei nach wie vor genau so erlaubt wie das Kupieren von Schwänzen. Selbst in puncto Tiertransport sei alles beim Alten geblieben, sagte Seidl enttäuscht.

Protest gegen Tierversuche

Seidl tat seinen Protest am Samstag gemeinsam mit anderen Tierschutzvereinen im Rahmen des Welt-Tierschutztags kund. Im Gespräch mit Passanten und mit Hilfe von umfangreichem Infomaterial machten die Aktivisten auf dem Haidplatz auf ihre Kritikpunkte und Forderungen aufmerksam.

Einer der zahlreichen Kritikpunkte der „Menschen für Tierrechte“: Sie sind darüber zum Beispiel darüber brüskiert, dass die Wissenschaft den Tierversuchen gegenüber alternativen Forschungsmethoden immer noch den Vorrang gibt. Deutschlandweit würden neue Tierversuchszentren gebaut, Versuche mit Affen weiterhin erlaubt und der „dauerhafte Schmerz“ bei den Versuchsprozeduren per Gesetz legitimiert. „Unsere Forderung eines unabhängigen Kompetenzzentrums wurde vom Ministerium nicht beachtet“, so Seidl. Das Gremium hätte die Aufgabe, zu prüfen, ob denn Tierversuche in konkreten Fällen überhaupt notwendig seien.

Den Sinn von Tierversuchen zweifelt Seidl schon lange an: Bei der Grundlagenforschung beispielsweise, bei der es darum gehe, allgemeine Erkenntnisse über Krankheiten zu gewinnen, seien Tierversuche größtenteils unnütz, befindet Seidl. Wissenschaftliche Studien, die seine Aussage stützen, lagen zum Lesen aus.

Auch Problematiken mit aktuellen Bezügen kamen auf dem Haidplatz zur Sprache: So sammelten die „Tierfreunde Regensburg“ Unterschriften gegen die massenhafte Tötung von Straßenhunden in Rumänien. Fotos zeigten, wie Hunde brutal mit Knüppeln totgeschlagen werden. Auch wenn ein Erfolg ungewiss ist, zeigte die Unterschriften-Aktion auf, dass sich die Regensburger auch für die Tierrechte in anderen Ländern interessieren. Gegen 12.30 Uhr, eineinhalb Stunden nach Aktions-Beginn auf dem Haidplatz, konnten immerhin 20 Unterschriften gesammelt werden.

Der fleischfreie „BioRegensburger“

Auch die „Soziale Futterstelle“ präsentierte sich bei der Protestaktion: Sie ist für sozial schwache Tierhalter da, die Probleme damit haben, die Haltung ihrer Lieblinge zu bezahlen. Die Zahlen sprechen für sich: „Im Monat geben wir für 500 bis 600 Tiere gut 1,5 Tonnen Futter heraus“, berichtete Marion Senft, die zweite Vereinsvorsitzende.

Um die Gaumenfreuden ging es beim Vegetarierbund Regensburg: Der zeigte auf dem Haidplatz auf, welch leckeren Rezepte sich zaubern lassen, ohne dass dafür tierische Zutaten verwendet werden müssen. Vegane Muffins in verschiedenen Variationen sollten dafür den Passanten den Beweis liefern. Ferner gab es - an einem Stand der „Menschen für Tierrechte“ – den fleischfreien „BioRegensburger“ zum Probieren. Mit einem Stand vertreten war außerdem der Tierschutzverein Regensburg, der Betreiber des hiesigen Tierheims.

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