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Mobilität

Autonomes Fahren: Tests mit „Emil“

Der Regensburger Elektrobus dient ab sofort als Forschungsplattform. Ziel ist, autonomes Fahren in der Stadt zu ermöglichen.
Von Curd Wunderlich

Der Regensburger Elektrobus „Emil“ wird Forschungsplattform für autonomes Fahren. Ohne Fahrer kommt er dabei aber nicht aus.  Foto: Bertrandt
Der Regensburger Elektrobus „Emil“ wird Forschungsplattform für autonomes Fahren. Ohne Fahrer kommt er dabei aber nicht aus. Foto: Bertrandt

Regensburg.Ein Regensburger setzt sich in der Ostengasse in sein Auto und fährt zum Westbad - ohne dabei in die Steuerung seines Pkws eingreifen zu müssen. Was lange nach ziemlich weit entfernter Zukunftsmusik klang, ist heute durch die Möglichkeit weitgehend autonomen Fahrens auf Autobahnen für viele Menschen nicht mehr völlig unvorstellbar. In Regensburg testet der Technologie-Spezialist Bertrandt nun von Mai bis September an einem „Emil“-Elektrobus in der Altstadt eine neue Technik aus, die autonomem Fahren im urbanen Umfeld den nächsten Schub versetzen soll.

Laserscanner und Antenne im Elektrobus

Bei einer Pressekonferenz stellten gestern Nachmittag Christian Ruland, Bertrandt-Geschäftsführer für Regensburg, Ulrich Haböck, Projektleiter, Abteilungsleiter Ralf Schoenen und der Technische Projektleiter Angel Herrero Calle vor, was hinter dem Forschungsprojekt steckt. Einer der fünf im vergangenen Jahr von der Stadt angeschafften Elektrobusse wird demnach mit einem Laserscanner und einer Antenne ausgestattet. Mit dem Laser werden Rohdaten aus der Umgebung erfasst, die anschließend verarbeitet werden.

1300 Fahrten an 90 Tagen sollen ausgewertet werden. Insgesamt legt „Emil“ in diesem Zeitraum 4300 Kilometer zurück - zehn Terrabyte an Daten stehen so am Ende zur Auswertung zur Verfügung. Ziel ist es, über die Lasertechnologie Objekte zu erkennen. „Emil“ dient dabei als Forschungsplattform.

„Die Regensburger Innenstadt ist ein sehr dynamisches Umfeld“, erläuterte Projektleiter Haböck. Genau darin liege die Herausforderung. Die Bertrandt AG arbeitet bereits seit März 2017 an einem autonomen Fahrzeug, bislang kann das auf geraden Strecken selbst fahren. Die Daten, die in den nächsten Monaten in Regensburg gesammelt werden, sollen nun den nächsten Schritt bringen: Dem Fahrzeug sollen auch Algorithmen einprogrammiert werden, die es in komplexen Situationen richtig reagieren lassen.

Dynamische „Störfaktoren“ in der Altstadt

Für die Ingenieure bedeutet das viel Forschungsarbeit: „In der Altstadt sind dynamische ‚Störfaktoren‘ für das Auto unterwegs, zum Beispiel Fußgänger, Radfahrer oder andere Fahrzeuge“, sagte Haböck. Hinzu kämen statische Störfaktoren wie Baustellen. All das müssten autonome Fahrzeuge einmal fehlerfrei erkennen und darauf reagieren können, damit sie im Stadtverkehr sicher unterwegs sind.

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Mathis Broelmann, Marketingleiter der Stadtwerke, die den Emil für das Projekt zur Verfügung stellen, freute sich, mit der Forschung „zwei Megatrends“ zu kombinieren: Elektromobilität und autonomes Fahren. Dieter Daminger, Wirtschaftsreferent der Stadt, lobte, dass Bertrandt ein Zukunftsthema vorantreibe. Er freute sich besonders, dass dabei nicht nur eine Zusammenarbeit mit den Stadtwerken stattfinde, sondern gewonnene Daten unter anderem auch für Forschungen an der Ostbayerischen Technischen Hochschule in Regensburg verwendet werden sollen.

In den nächsten Tagen soll ein „Emil“ mit der erforderlichen Technik für die Tests ausgerüstet werden, dann startet die Aufzeichnung der Daten. An den Technologietagen, 28. und 29. September, können Interessierte auf Fahrten mit dem „Emil“ die Datenerfassung von statischen und dynamischen Objekten in Echtzeit erleben. Im anschließenden Vortrag können sie die daraus entstehenden Möglichkeiten kennenlernen und in der Diskussion mit Experten Anwendungsszenarien entwickeln.

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Der Experte

  • Projektleiter

    Ulrich Haböck glaubt, dass es noch eine Weile dauert, bis in Deutschland vollautonomes Fahren möglich ist. „Bis 2022 sind wir hier noch nicht soweit.“. Frankreich hat gerade das Ziel ausgegeben, autonomes Fahren bis dahin auf allen Straßen zu ermöglichen.

  • Problematisch

    sei dabei nicht nur die technische Reife, sondern vor allem die Gesetzgebung. Der nächste Schritt müsse ein „Autobahnpilot“ sein. Beim autonomen Fahren in der Stadt gehe es Bertrandt nun darum, Problemfelder aufzudecken: „Wir wollen wissen, worfür wir Lösungen erarbeiten müssen“, sagt Haböck. Diese Lösungen müssten in diesem Forschungsprojekt aber noch nicht gefunden werden.

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