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Handwerk

Azubis lernen alte Handwerkstechniken

An drei Wochenenden vertiefen Schreiner-Azubis bei Stefan Schedlbauer in Regensburg ihr Können. Nachwuchs ist gefragt.
Von Gabi Hueber-Lutz

Auszubildende verschiedener Betriebe treffen sich bei Stefan Schedlbauer in der Werkstatt, um alte Handwerkskunst zu lernen.  Foto: Gabi Hueber-Lutz
Auszubildende verschiedener Betriebe treffen sich bei Stefan Schedlbauer in der Werkstatt, um alte Handwerkskunst zu lernen. Foto: Gabi Hueber-Lutz

Regensburg.In der Werkstatt von Tischlermeister Stefan Schedlbauer wird hochkonzentriert gearbeitet. Sechs junge Leute stehen an Werkbänken, zeichnen, schneiden, hobeln, passen ein – und das, obwohl Samstag ist. Alle sechs sind sie Auszubildende im Schreinerhandwerk und absolvieren bei Schedlbauer an drei Wochenenden unter dem Motto „Treffpunkt Werkstatt“ einen Kurs, bei dem sie traditionelle Handwerkstechniken lernen.

Zum Beispiel Zinkenverbindungen, wie sie die alten Ägypter schon nutzten. Dabei werden zwei Holzstücke so bearbeitet, dass sich die Kanten ineinander verschränken lassen. Schrauben, Leim oder andere Hilfsmittel sind überflüssig. Präzision ist oberstes Gebot. Jordan ist im zweiten Lehrjahr und begutachtet die Zinken, mit denen er sein Kästchen zusammengefügt hat. Die meisten sehen sehr gut aus, aber noch nicht alle. „Das hat noch Macken, aber ich habe mich schon verbessert“, sagt er selbstkritisch. Kathrin arbeitet gerade das erste Mal mit einer solchen Technik und findet ihre Arbeit „ganz okay“. Sie ist im Berufsgrundschuljahr, hat vorher studiert, das Studium aber abgebrochen. „Das hat mich nicht so gepackt“, erzählt sie. Seit sie in der Schreinerwerkstatt steht, „bin ich der glücklichste Mensch der Welt“.

Voneinander lernen

Die Bandbreite der Azubis, die an dem Kurs teilnehmen, ist groß. Von jungen Leuten im Berufsgrundschuljahr bis hin zu solchen im dritten Lehrjahr sind alle dabei. Schedlbauer ist von der Mischung begeistert, weil jeder von jedem lernen kann. Überhaupt legt er großen Wert auf vernetztes Lernen. Dazu gehört auch der Austausch zwischen Alt und Jung.

Doris ist im dritten Lehrjahr. Ihre Gedanken gehen schon Richtung Gesellenprüfung. Das erste schulische Jahr hat sie übersprungen, deshalb sei es für sie sehr gut, in diesem Kurs Grundlagentechniken wiederholen zu können. Sie fertigt gerade einen Schubkasten. Mit Stefan Schedlbauer überlegt sie, was sie nun machen muss, damit sich die kleine Schublade wirklich reibungslos in das dazugehörige Kästchen schieben lässt.

Schreinerhandwerk

  • „Treffpunkt Werkstatt“:

    Das Projekt ist aus dem Miteinander der Schreiner und der Innung entstanden. Stefan Schedlbauer bietet ihn gerade zum zweiten Mal in seiner Werkstatt an.

  • Auszeichnung:

    Schedlbauer ist für sein Engagement in Projekten wie diesem mit dem Thalhofer-Innovationspreis des bayerischen Schreinerhandwerks 2019 mit einem dritten Preis ausgezeichnet worden.

Solche Abläufe kann sie in ihrem Ausbildungsbetrieb nicht so oft üben. Schreinereien sind heute ja zumeist ziemlich spezialisiert und die Arbeitsschritte auf diese Spezialisierungen zugeschnitten, gibt Schedlbauer einen kleinen Einblick. Er selber fertigt Möbel nach Maß und hat immer wieder einmal auch Kunden, die sich ein Möbelstück wünschen, das in traditionellen Techniken hergestellt ist. Mehrere der Azubis arbeiten an einem Kästchen, dessen Deckel mit zwei verschiedenen Hölzern furniert wird. Die müssen passgenau ausgeschnitten und ineinander gefügt werden. Simon hat aus einem dunkleren Nussbaumholz zwei Dreiecke sehr schön exakt ausgeschnitten. Nun kommen die gegengleichen Dreiecke aus Eschenholz dran, die in die Ausschnitte eingepasst werden müssen. Auch hier kommt es extrem auf Genauigkeit an.

Fehler gehören dazu

Fast ist das erste dieser Dreiecke fertig, da passiert es – die Spitze bricht ab. Schedlbauer kommt dazu und sieht sofort, woran das liegt. Der zweite Schnitt ist von der falschen Seite her ausgeführt worden.

Der Tischlermeister hängt mit Herzblut an seinem Beruf. Aber er und seine Kollegen haben mit dem Mangel an Nachwuchs zu kämpfen. Die Azubis bräuchten einen gewissen Hintergrund, sagt er. Gute Schulbildung und Umgangsformen gehörten einfach dazu. Um guten Nachwuchs zu bekommen, müsse man für den Beruf werben und „weg von den alten Konzepten“ gehen, davon ist Schedlbauer überzeugt. Der „Treffpunkt Werkstatt“ ist ein attraktiver Mosaikstein dabei.

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