MyMz
Anzeige

Verkehr

Bahn plant IC-Linie Regensburg-Dresden

Die Bahn stellt ihr Fernverkehrskonzept vor. Ostbayern-Pläne hängen von der Elektrifizierung zwischen Regensburg und Hof ab.

Die Bahn will im Konkurrenzkampf mit den Fernbussen zurückschlagen – wie, gab sie am Mittwoch bekannt.
Die Bahn will im Konkurrenzkampf mit den Fernbussen zurückschlagen – wie, gab sie am Mittwoch bekannt. Foto: dpa

Berlin.Die Bahn lässt ihre Fernzüge künftig in deutlich mehr Städten halten. Insgesamt 25 Orte werden neu ins Netz der Intercitys aufgenommen, wie das Unternehmen am Mittwoch in Berlin mitteilte. Darunter sind beispielsweise Chemnitz, Fürth, Heilbronn, Tübingen und Siegen. 40 weitere Städte sollen besser angebunden werden als bisher. Deutschlandweit werde es „keine weißen Flecken im Fernverkehr“ mehr geben, versprach Personenverkehrs-Vorstand Ulrich Homburg. Bis alles umgesetzt ist, soll es allerdings 15 Jahre dauern. Auch für Regensburg sind Verbesserungen vorgesehen: Ein Intercity soll bis 2022 Regensburg direkt mit Dresden verbinden. Der Zug soll in München starten und über Hof nach Dresden fahren. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Bahnstrecke Regensburg-Hof bis dahin elektrifiziert wird. Auf Nachfrage der MZ erklärte Personenverkehr-Vorstand Ulrich Homburg, der die Offensive am Mittwoch in Berlin vorstellte, dass die Bahn jetzt lediglich „vorgestellt“ habe, was möglich sein könnte. Nun aber seien Landes- und Bundespolitik gefordert, die Gelder für die Elektrifizierung über den Bundesverkehrswegeplan auch frei zu geben. Ein Umspannen von E-Loks auf Dieselloks in Hof und Regensburg werde es nicht geben.

Die Fernverkehrs-Offensive der Bahn bedeutet allerdings das Aus für einige wenige noch bestehende Intercity-Verbindungen von Passau über Regensburg und Nürnberg nach Frankfurt, Köln, Hamburg und Kiel. Dass diese mit lokbespanntem Wagenmaterial gefahren wird, passt sie nicht mehr in die angepeilte Fahrzeugflotte des DB-Fernverkehrs. Das Aus für die wenigen Halte in Neumarkt und Straubing zur Tagesrandlage ist damit vorprogrammiert.

Nicht betroffen von den Änderungen wird die bisher unter der Nummer 91 geführte ICE-Linie Dortmund-Frankfurt-Regensburg-Flughafen Wien sein. Hier wird es beim Zwei-Stunden-Takt bleiben. Offen ist noch, ob diese ICE-Linie als Ersatz für die in naher Zukunft wegfallenden IC-Verbindungen am Morgen beziehungsweise am Abend ausgeweitet wird.

Deutschlandweit will die Bahn Kunden zurückholen, die sie zuletzt vor allem an die Fernbusse verlor. Die wachsende Konkurrenz belastet das Bahn-Ergebnis 2014 laut Konzernchef Rüdiger Grube mit rund 120 Millionen Euro. Die Bahn hatte deswegen schon die im Dezember übliche Preiserhöhung in der zweiten Klasse ausgelassen.

Bahn will 50 Millionen Reisende gewinnen

Durch das neue Fernverkehrs-Konzept will das Bundesunternehmen perspektivisch 50 Millionen zusätzliche Reisende im Jahr gewinnen. Die Bahn investiert dafür in den nächsten 15 Jahren insgesamt 12 Milliarden Euro - vor allem in neue Züge.

Bis 2030 sollen alle alten Intercitys durch neue Doppelstock-Züge abgelöst werden. Im kommenden Jahr sollen die neuen ICE-3 einsatzfähig sein, Ende 2017 auch die ersten der 130 ICx.

Auch bei den ICEs erweitert die Bahn das Angebot: Auf wichtigen Routen sollen sie bald zweimal stündlich fahren. Die Bahn schaffe so quasi eine superschnelle S-Bahn zwischen den Metropolen, sagte Homburg. Auf mehreren Verbindungen werden statt Intercitys künftig ICEs eingesetzt.

Kostenloses W-LAN und Filmangebot

Beim Service will die Bahn mit Fernbussen und Fliegern gleichziehen und – zumindest im ICE – kostenloses Drahtlos-Internet anbieten. Zusätzlich gibt es Entertainment-Angebot mit Filmen und Spielen. In allen Fernverkehrszügen sind Reservierungen künftig kostenlos.

Auch an den Preisen wird gedreht: Für Intercitys soll es im kommenden Jahr Sparpreise ab 19 Euro geben, die Reisende auch noch kurz vor Abfahrt kaufen können. Das Kernnetz werde nicht teurer, betonte Homburg. Es werde nur einen günstigeren Einstieg geben.

Mit den Fernbussen könne die Bahn preislich trotzdem nicht konkurrieren. „Wer ausschließlich preisorientiert entscheidet, wird immer im Fernbus die günstigere Alternative finden.“ Die Bahncard-Familie bleibt erhalten, wird aber um eine Variante mit dreimonatiger Laufzeit erweitert.

Der Fahrgastverband Pro Bahn bewertet das Konzept als Schritt in die richtige Richtung. Es werde jedoch deutlich, „dass erst dafür gesorgt werden muss, dass die Verbesserungen auch wirklich bei den Fahrgästen ankommen“, erklärte der Bundespressesprecher Gerd Aschoff. Der Fahrgastverband erwartet deutlich stärkere Bemühungen zur Bekämpfung der Unpünktlichkeit und Unzuverlässigkeit des Zugverkehrs. Aschoff: „Die Stärke des Systems Schiene ist die Verlässlichkeit.“ Auf diesem Gebiet müsse mehr getan werden, um wieder mehr Menschen vom Auto in die Bahn zu holen. (dpa/lr)

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht