MyMz
Anzeige

Justiz

Baumers Verlobter wird angeklagt

Der Krankenpfleger soll zwei Domspatzen-Schüler missbraucht und eine ehemalige Patientin betäubt und genötigt haben.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Die Jugendkammer am Landgericht Regensburg muss nun entscheiden, ob sie die Anklage zur Hauptverhandlung zulässt. Foto: dpa
Die Jugendkammer am Landgericht Regensburg muss nun entscheiden, ob sie die Anklage zur Hauptverhandlung zulässt. Foto: dpa

Regensburg.Die Staatsanwaltschaft Regensburg hat Anklage gegen den früheren Verlobten der tot aufgefundenen Maria Baumer erhoben. Nicht in dem mysteriösen Todesfall seiner Lebensgefährtin, sondern wegen sexuellen Missbrauchs von zwei Schülern des Regensburger Domspatzengymnasiums, wegen sexueller Nötigung und vorsätzlicher Körperverletzung einer ehemaligen Patientin am Bezirksklinikum, wegen Diebstahls von Medikamenten sowie dem Besitz von kinderpornografischen Darstellungen, bestätigte Theo Ziegler, Sprecher der Staatsanwaltschaft Regensburg, unserer Zeitung. Dem 31-jährigen Krankenpfleger am Bezirksklinikum Regensburg droht – sofern das Landgericht Regensburg die Anklage zur Hauptverhandlung zulässt – im schlimmsten Fall eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren.

Zwei Wochen in Untersuchungshaft

Über zwei Jahre dauerten die umfangreichen Ermittlungen in den nun abgeschlossenen Fällen. Im Zusammenhang mit dem Vorwurf einer ehemaligen Patientin Betäubungsmittel verabreicht und sie sexuell genötigt zu haben, saß der 31-Jährige zwei Wochen in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft geht in ihrer Anklage davon aus, dass der Krankenpfleger die damals 20-jährige Frau, die er als Pfleger im Bezirksklinikum kennengelernt hatte, mit aus der Klinik gestohlenen Medikamenten betäubte und es dann zu sexuellen Handlungen kam.

Die angeklagten Missbrauchsfälle von zwei ehemaligen Schülern des Domspatzengymnasiums erstrecken sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Der 31-Jährige, selbst ehemaliger Domspatz, lernte die deutlich jüngeren Buben während der gemeinsamen Schulzeit kennen. Bei einem damals elf- oder zwölfjährigen Schüler soll es 2003 oder 2004 zu einem sexuellen Übergriff sogenannter „einfacherer Art“, also einem Übergriff ohne Sexualverkehr, gekommen sein. Im Falle eines weiteren Schülers soll es den Ermittlungen zufolge im Zeitraum zwischen Februar 2006 und Juli 2011 zu mehreren Taten gekommen sein, darunter einen einfachen sowie einen schweren sexuellen Missbrauch mit Eindringen in den Körper im Jahr 2006. Der Schüler war damals 13 Jahre alt. In der Folgezeit habe es weitere sexuelle Handlungen mit dem nun Jugendlichen gegeben, sagt Staatsanwalt Ziegler. Der Krankenpfleger und der Schüler waren befreundet und übernachteten auch gemeinsam. In vier Fällen sei es zu sexuellen Berührungen im Schlaf gekommen, die der Angeschuldigte auch gefilmt oder fotografiert habe. Auf dem Rechner des Krankenpflegers wurden zudem drei weitere kinderpornografische Videos gefunden, die ebenfalls zur Anklage gebracht werden.

Eine Timeline zum Fall Maria Baumer finden Sie hier:

Das Landgericht Regensburg bestätigte den Eingang der Anklage gegenüber der MZ. Zuständig sei die Jugendkammer, sagte Sprecher Thomas Polnik. Dort muss nun zunächst darüber entschieden werden, ob die Anklage zur Hauptverhandlung zugelassen wird. Mit einem möglichen Prozess ist deshalb erst in einigen Monaten zu rechnen. Der Anwalt des Beschuldigten, Michael Haizmann, rechnet damit, dass das Landgericht den Fall zur Hauptverhandlung zulassen wird. Der MZ sagte er: „Das Leben meines Mandanten wurde akribisch umgedreht. Und nun hat man eben tatsächlich etwas gefunden.“

Keine Erkenntnisse im Fall Baumer

Unterdessen bleibt der Tod von Maria Baumer, der ehemaligen Verlobten des Krankenpflegers, weiter ungeklärt. „Die Ermittlungen der Polizei laufen weiter“, sagte Staatsanwalt Ziegler. Es gebe keine neuen Entwicklungen. Die junge Frau aus Muschenried (Lkr. Schwandorf) war im September 2013 tot in einem Waldstück bei Bernhardswald gefunden worden, rund zehn Kilometer von ihrem letzten Aufenthaltsort entfernt. Zuvor war 16 Monate nach der vermissten Oberpfälzerin gesucht worden. Wie, wo und warum die damalige Landesvorsitzende des Katholischen Landjugendbundes ums Leben kam, konnte bis heute nicht abschließend geklärt werden. Der Körper war in einer ausgehobenen Grube gelagert und nach MZ-Informationen mit einer Mischung aus Löschkalk und Fassadenputz bestreut, die die Zersetzungsprozesse beschleunigte. Die Ermittler gehen deshalb von einer gezielten Beseitigung der Leiche aus. Der ehemalige Verlobte steht seit Beginn der Ermittlungen im Verdacht, etwas mit dem Verschwinden und dem Tod der Frau zu tun zu haben. Der 31-Jährige streitet dies vehement ab.

Alles über den mysteriösen Todesfall Maria Baumer lesen Sie hier:

Aktuelle Nachrichten von mittelbayerische.de auch über WhatsApp. Hier anmelden: https://www.mittelbayerische.de/whatsapp

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht