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Regensburg
Sonntag, 22. Juli 2018 24° 2

Sanierung

Baustellen: Die Händler leiden

In der Königsstraße, der Viereimergasse und in der Wahlenstraße wird gerade gebaggert. Das vertreibt die Laufkundschaft.
Von Heike Haala

Die Fußgängerzone in der Königsstraße wird gerade saniert. Die Händler klagen über weniger Kunden. Fotos: Haala
Die Fußgängerzone in der Königsstraße wird gerade saniert. Die Händler klagen über weniger Kunden. Fotos: Haala

Regensburg.Seit acht Jahren betreibt die Kosmetikkette „L’Occitane“ in der Königsstraße nun schon ihr Geschäft, aber so eine Durststrecke wie jetzt hat Filialleiter Florian Reichert noch nie erlebt. Im vergangenen Sommer hatte er einen Baukran vor der Nase, in diesem Sommer sind es Absperrungen, weil die Stadt den Kanal, die Leitungen und die Fußgängerzone erneuert. Und diese Arbeiten haben große Auswirkungen auf das Geschäft, das Reichert macht. Einerseits bleibe ihm viel Laufkundschaft aus, etwa die Touristen. Wenn der Presslufthammer während der Verkaufsgespräche mit den Kunden rattert, müsse er schon einmal nachfragen. Lauter werden will er nicht: „Brüllend lässt sich ein Parfüm nicht verkaufen“, sagt er. Damit ist er nicht der Einzige. Viele Händler in der Regensburger Innenstadt plagt das gleiche Problem.

Die Blumen-Paula musste umziehen. Foto: Haala
Die Blumen-Paula musste umziehen. Foto: Haala

Auch in der benachbarten Vodafone-Filiale spricht ein Mitarbeiter von Kundenverlusten. Er und seine Kollegen beraten die Menschen in ihrem Laden auch bei der Suche nach einem Weg durch den Handytarif-Dschungel. Vibriert gerade wieder einmal der Boden, würden diese Gespräche entsprechend anstrengender ausfallen. Dass aber Kunden in den Laden kommen, ist deutlich am dunklen Laminat zu erkennen. Jeder von ihnen hinterlässt eine helle Spur aus Baustellenstaub.

Suchspiel: Wo ist die Blumen-Paula?

  • Königsstraße:

    Eigentlich steht die Blumen-Paula immer in der Königsstraße. Dort wird aber gerade gebaggert.

  • Maximilianstraße:

    Deswegen musste sie ihren Stand verlegen. Jetzt ist sie beim alten S.-Oliver-Gebäude.

  • Viereimerplatz:

    Ende Juli soll die Blumen-Paula noch einmal umziehen. Dann ist der Viereimerplatz fertig.

80 Prozent weniger Laufkunden

In der Viereimergasse ist es keinen Deut besser. Gustl Wagmüller, Chef der gleichnamigen Friseur-Filiale, spricht von 20 Prozent weniger Stamm- und 80 Prozent weniger Laufkunden, die in den Laden kommen, seit die Baustelle läuft. Auch Nina Pröbster vom My-Müsli-Shop schließt manchmal die Türe, um die Kunden besser zu verstehen.

Eine Rinne sorgte für Aufsehen

Ende Juli soll die Sanierung hier abgeschlossen sein. Foto: Haala
Ende Juli soll die Sanierung hier abgeschlossen sein. Foto: Haala

Vibrierende Wände begleitet von Presslufthammergeratter sind oft auch im Lederwarengeschäft Umsonst in der Wahlenstraße Teil des Ambientes, in dem Taschen oder Geldbeutel verkauft werden müssen. Hier werden in diesem Jahr Gas- und Wasserleitungen sowie der Kanal erneuert. Im Sommer hat Chefin Anita Schwabenbauer ihre Türe immer offen. „So kommen mehr Touristen in ihr Geschäft“, sagt sie. Eine geschlossene Tür bezeichnet sie als Hemmnis für die Kundschaft. Trotzdem müsse sie die Tür wegen des Lärms jetzt oft schließen. Insgesamt habe sie gerade weniger Kunden als sonst. Auch auf den Ständer mit ihren Angeboten vor der Tür müsse sie bisweilen verzichten. „Dabei hat der Signalwirkung, denn er ist bis zum Kohlenmarkt zu sehen,“ sagt sie.

Sehen Sie hier unsere Karte mit Baustellen in der Innenstadt:

Wanderbaustelle zieht weiter

Keine Frage – Teile der Altstadt gehören nun wieder den Baggern und Baulastern. Eine Linderung ist nicht wirklich in Sicht. Denn die Wahlenstraße ist laut Auskunft der Stadt im nächsten Sommer gleich noch einmal an der Reihe. Dann werden Strom- und Telekommunikationsleitungen sowie die restlichen Gas- und Wasserleitungen erneuert. Im Anschluss erfolgt der Straßenbau. Die Arbeiten könnten Ende 2019 abgeschlossen sein – sofern sich keine relevanten archäologischen Funde im Sanierungsgebiet ergeben.

So begann die Sanierung der Fußgängerzone

Die Sanierung in der Königsstraße Foto: Haala
Die Sanierung in der Königsstraße Foto: Haala

Die Wanderbaustelle im Bereich der Fußgängerzone zieht im kommenden Jahr noch eine Station weiter. Während im vergangenen Jahr die Pfauengasse, die Weiße-Lilien-Straße, der Viereimerplatz und die Drei-Helm-Gasse an der Reihe waren, folgen im Jahr 2019 auf den Viereimerplatz, die Viereimergasse und die Königsstraße in diesem Jahr noch die Schwarze-Bären-Straße und die Kapellengasse.

Eva Faltermeier von der Pressestelle der Stadt räumt ein: „Eine Baustelle läuft leider nicht ohne eine entsprechende Geräuschkulisse und Begleiterscheinungen wie Staub ab.“ Am ersten Bauabschnitt sei aber bereits heute zu sehen, dass sich die Durststrecke für alle Beteiligten lohnt. Zudem plane die Stadt zusammen mit den Einzelhändlern jedes Jahr Aktionen, um den Baustellenbereich mit Veranstaltungen und Aktionen wie der Stempelkarte weiterhin für Konsumenten attraktiv zu machen. „Über die Kontaktmöglichkeiten auf der Homepage können sich die Händler außerdem mit Fragen und speziellen Anliegen direkt an die Stadt wenden“, sagt sie.

„Wir sind beeinträchtigt und müssen das alleine tragen“, Gustl Wagmüller, Chef der gleichnamigen Friseurläden.

Die Sanierung in der Königsstraße Foto: Haala
Die Sanierung in der Königsstraße Foto: Haala

Trotzdem fiebern die Geschäftstreibenden schon alle dem Ende dieser Arbeiten entgegen. Auf die Bauarbeiter lassen sie nichts kommen. „Mit denen kann man reden. Die versuchen alles, was nur möglich ist. Die kann man nur loben“, sagt Wagmüller. Von der Stadt aber fühlen sich manche von ihnen im Stich gelassen. So sagt der Mitarbeiter der Vodafone-Filiale, dass vor Beginn der Baustelle zum letzten Mal ein Mitarbeiter der Stadt im Laden gewesen wäre, seither aber nicht mehr. „Sonst hätte ich ihm meinen Unmut schon kundgetan“, sagt er. Auch Wagmüller klagt: „Von der Stadt lässt sich hier keiner sehen.“ Er wünscht sich, dass sie den Händlern zum Ausgleich etwa bei den Abgaben entgegenkommt. „Wir sind beeinträchtigt und müssen das alleine tragen“, sagt er.

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