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Aktion

„Bayern bleibt bunt“ in Regensburg

An der Aktion am Neupfarrplatz beteiligten sich 5000 Teilnehmer. Sie wollen ein Zeichen setzen gegen Angst und Ausgrenzung.
Von Sarah Sophie Ruppert

Laut den Veranstaltern kamen über 4000 Menschen auf den Neupfarrplatz. Foto: Lex
Laut den Veranstaltern kamen über 4000 Menschen auf den Neupfarrplatz. Foto: Lex

Regensburg.Die Kundgebung „Bayern bleibt bunt“ sorgte am Samstagnachmittag für einen vollen Neupfarrplatz. Den Grund lieferte der Veranstalterin Angelika Frey zufolge die momentane Politik der Angst und Ausgrenzung. Das Event am vergangenem Wochenende und die Forderungen an die Politik orientierten sich an zwei ähnlichen Demonstrationen in München, die laut Organisator rund 35 000 Beteiligte mobilisieren konnte.

Die Erwartungen, welche mit der Aktion einhergehen, sind klar formuliert: Seenotrettung für Geflüchtete, Solidarität und bezahlbarer Wohnraum stehen dabei ganz oben auf der Liste. Aber hier ist die Fahnenstange noch nicht erreicht. Die Organisatoren sprechen sich für Gleichberechtigung und gerechten Welthandel aus und wünschen sich ein Entgegenwirken bei Themen wie Waffenexporte, Scheindebatten, das Polizeiaufgabengesetz sowie Ankerzentren.

Ein Zeitzeuge berichtet

Mit einer bewegenden Erzählung wartete Ernst Grube auf. Als Präsident der Lagergemeinschaft Dachau und Überlebender des Konzentrationslagers machte er sich Gedanken über die neu gegründeten Aufnahmestellen für Asylbewerber, sogenannte Ankerzentren, und teilte seine Gedanken mit der Menge. Grube erkenne Parallelen zu damals, die ihn traurig stimmen und ernst genommen werden müssen. Vor allem sehe er eine Missachtung der Menschenrechte, wenn Menschen, die Schutz vor Verfolgung suchen in Ankerzentren verlegt werden. Seiner Ansicht nach gelte für diese Personengruppe der Artikel 1 des Grundgesetzes nicht. Die mehr als 5000 Menschen applaudierten dem Redner . So auch Conni F. und ihre Freunde, die in den vergangenen politischen Botschaften nichts Gutes erkennen, aber neue Hoffnung schöpfen: „Eine große Mehrheit der Menschen wehrt sich gegen die Politikverdrossenheit.“ Die kleine Gruppe setzt sich für den Erhalt der Demokratie sowie der Freiheits- und Menschenrechte ein.

Mehr Bilder von der Demo finden Sie hier in unserer Galerie:

Eindrücke von #bayernbleibtbunt in Regensburg

Viele Befürworter

Neben insgesamt sieben teilnehmenden Parteien, darunter DKP, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke, MUT, ÖDP, Piratenpartei und SPD, hatten auch einige Organisationen wie Amnesty International einen Infostand für Interessierte aufgestellt.

„Es ist erschreckend, wie engstirnig viele Eltern sind, obwohl ihre Kinder so offen mit fremden Nationalitäten umgehen.“

Uschi B., Lehrerin

Ein großes Highlight für Beteiligte wie auch Beobachter war sicher das gemeinschaftliche Zusammensetzen der bayerischen Flagge. Dazu bekam jeder, der mitmachen wollte, eine große farbige Raute, wie sie in blau und weiß auch auf der bayerischen Staatsflagge zu sehen sind. Die Rauten wurden mit persönlichen Botschaften beschrieben und getreu dem Motto „Bayern bleibt bunt“, wurde aus der blau-weißen eine riesige gemischtfarbige Fahne.

Ein Video von der Demo sehen Sie hier:

Demonstration "Bayern bleibt bunt" in Regensburg

Angelika Frey, Mitglied bei Campus Asyl und Veranstalterin der Demonstration, freute sich über den großen Zuspruch aus der Bevölkerung. Auch sie empfinde die momentane Politik fragwürdig und meint, dass es so nicht weitergehen kann: „Es erfüllt mich mit Sorgen, wie sich die Politik in unserem Land entwickelt hat und dass es so viel Hass und Rechtsradikalität gibt.“ Mit dieser Meinung steht sie nicht alleine da, die Besucherzahlen und auch Mitorganisatoren, wie das Bündnis NoPAG, IG Metall oder Lesben- und Schwulenverband, demonstrieren es. Auch die Lehrerin Uschi B. erfährt den Fremdenhass jeden Tag in der Schule: „Es ist erschreckend, wie engstirnig viele Eltern sind, obwohl ihre Kinder so offen mit fremden Nationalitäten umgehen. Das Schlimme, die Eltern geben die Angst an ihre Kinder weiter.“

Gute Stimmung

Ganz schön bunt, diese Demo in Regensburg. Foto: Florian Hammerich
Ganz schön bunt, diese Demo in Regensburg. Foto: Florian Hammerich

Moderatorin Julia von Seiche-Nordenheim vom Verein Ausbildung statt Abschiebung war begeistert von der bunten und fröhlichen Protestveranstaltung und freute sich über die Teilnahme der Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, die in den ersten Reihen stand. Sie prangerte die Politik der Angst und Ausgrenzung an und sprach sich für Humanität und Solidarität aus.

Redner Thomas Lechner, der die Demos in München organisierte und auf viele Protestmärsche in anderen Städten hinwies, ist sicher: „Es ist in Bayern etwas in Bewegung gekommen. Wir sind eine Bewegung.“ Lechner erhoffe sich eine offene Gesellschaft, die füreinander da ist und die Weiterentwicklung der Demokratie vorantreibt.

Mit guter bayerischer Musik von beispielsweise Mathias Kellner, Liquid und Maniac sowie Pam Pam Ida fand die friedliche Veranstaltung um 18 Uhr ein Ende. Auch aus polizeilicher Sicht gab es keine Störungen.

Politik

Wahlkampf auf Regensburgs Straßen

Am 14. Oktober ist Landtagswahl in Bayern. Vorab wirbt am Domplatz unter anderem AfD-Politiker Björn Höcke um Stimmen.

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