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Wissenschaft

Bayern kann man nun studieren: in Pilsen

Das ist absolut neu: Ein Studiengang, der sich ausschließlich mit dem Freistaat befasst. Die Uni Regensburg ist mit im Boot.

Bayern und seine Menschen kann man nun in Pilsen studieren. Foto: Peter Kneffel/dpa
Bayern und seine Menschen kann man nun in Pilsen studieren. Foto: Peter Kneffel/dpa

Regensburg.Das Interesse am Freistaat Bayern scheint in Osteuropa sehr groß zu sein. So bietet die westböhmische Universität Pilsen zum Wintersemester einen Masterstudiengang „Bayern-Studien“ an – ein bisher einmaliges Angebot. Der Studiengang mit zunächst 20 Plätzen wird in Kooperation mit der Universität Regensburg gestaltet und besteht aus verschiedenen Disziplinen, wie Hermann Scheuringer vom Forschungszentrum Deutsch in Mittel-, Ost- und Südeuropa der Uni Regensburg erklärt. Natürlich geht es um die Sprache und Kultur, aber auch um Wirtschaft und Recht. Die Absolventen des Studiengangs sollen aber nicht nur Deutsch lernen, sie sollen auch befähigt werden, bayerische Dialekte verstehen zu können. Der „Bayern-Studiengang“ scheint sogar in Russland auf Interesse zu stoßen. Zumindest berichtete bereits eine russische Zeitung darüber.

Fränkisch für tschechische Zungen

Die Aufnahmeprüfungen für den Studiengang hatten bereits im Sommer begonnen. Die Bewerber müssen gute Deutschkenntnisse mitbringen, um dann in die Feinheiten der altbayerischen und fränkischen Dialekte eintauchen zu können. An den tschechischen Schulen wird Standarddeutsch unterrichtet. Mit dem Einstieg ins Berufsleben, zum Beispiel in der Tourismusbranche, führt das oft zu Kommunikationsproblemen. „Man kann von den Kunden nicht verlangen, dass sie den Code wechseln und vollständig Hochdeutsch sprechen“, sagt Königsmarkova.

Neuschwanstein ist nicht alles

Viele Tschechen denken bei Bayern in erster Linie an Schloss Neuschwanstein (Bild), Lederhosen, BMW und Bier. Auch damit will der Studiengang aufräumen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Viele Tschechen denken bei Bayern in erster Linie an Schloss Neuschwanstein (Bild), Lederhosen, BMW und Bier. Auch damit will der Studiengang aufräumen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Der Studiengang solle einen Beitrag dazu leisten, „die Bayern zu verstehen, weil das unsere Nachbarn sind“. Auf dem Programm stehen auch Geschichte und Geografie, Wirtschaftsdeutsch und Marketing. Die Lehrenden wollen dabei auch ein wenig mit Klischees aufräumen. Viele Tschechen würden bei Bayern in erster Linie an Schloss Neuschwanstein, Lederhosen, BMW und Bier denken, sagt Königsmarkova – immer verbunden mit der Vorstellung, dass das böhmische Bier besser sei.

Ein Semester in Bayern

Ein Aufenthalt an einer Sommerschule oder ein Auslandssemester in Bayern sind fester Teil des praxisorientierten Studiengangs. Für die Studierenden in der Region ist das neue Angebot eine Bereicherung, denn bisher wurde ein Germanistik-Masterstudiengang in Pilsen nur an der pädagogischen Fakultät angeboten. Wer nicht Lehrer werden wollte, musste nach Prag oder Brünn (Brno) gehen. „Und dann kamen die meisten nie wieder zurück“, berichtet Königsmarkova.

Für Tschechien ist Bayern der wichtigste Handelspartner unter allen deutschen Bundesländern mit einem Anteil von 23,6 Prozent, gefolgt von Baden-Württemberg mit 15,1 Prozent. Umgekehrt ist Tschechien für Bayern der Handelspartner Nummer eins in Mittel-, Ost-, und Südeuropa.

Dennoch kämpfen Firmen in Tschechien damit, Mitarbeiter mit Deutschkenntnissen zu finden. Deutschland und Österreich fördern mit der Kampagne „Sprechtime“ seit einiger Zeit den Deutschunterricht an tschechischen Schulen. Dessen Teilnehmerzahl war zuvor jahrelang rückläufig gewesen. Die meistunterrichtete Fremdsprache ist Englisch.

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