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Digitalisierung

Bedford-Strohm referierte über Ethik

Professor Dr. Heinrich Bedford-Strohm sprach in Regensburg über die Macht sozialer Netzwerke – und die Definition von Mensch.
Von Angelika Lukesch

Professor Dr. Heinrich Bedford-Strohm sprach über Ethik in Zeiten digitalen Wandels. Foto: Tino Lex
Professor Dr. Heinrich Bedford-Strohm sprach über Ethik in Zeiten digitalen Wandels. Foto: Tino Lex

Regensburg.Der evangelische Ratsvorsitzende Deutschlands, Professor Dr. Heinrich Bedford-Strohm, war am Mittwochabend auf Einladung der vier Regensburger Rotaryclubs sowie Rotaract Regensburg in den Neuhaussaal gekommen, um sich vor rund 250 Zuhörern mit der Frage „Der digitale Mensch – ethische Herausforderungen im digitalen Zeitalter“ zu befassen. Der evangelische Landesbischof stellte dabei auch angesichts der schnell voranschreitenden Robotertechnik die Frage: Was unterscheidet den Menschen von einem Roboter? Und er lieferte auch gleich eine Antwort: Der Mensch sei nicht nur eine Aneinanderreihung von Algorithmen und biochemischen Abläufen, sondern ein Lebewesen „wenig niedriger als Gott“, wie es der Psalm 8 ausdrücke.

Der wesentliche Unterschied, sagte Bedford-Strohm, zeige sich beim Blick auf Christus. Dessen radikale Liebe, zwischenmenschliche Hilfe, Verantwortung und Verletzlichkeit seien das, was den Menschen von Maschinen unterscheide. Sich dies bewusst zu machen, sei im Zeitalter des digitalen Wandels äußerst wichtig, sagte der Theologie-Professor.

Beim Blick auf die Digitalisierung der Welt stellte Bedford-Strohm einen „Verlust der Privatheit“ fest. Die Macht der sozialen Netzwerke wachse in dem Maße an, wie oft sich die User darin aufhielten und mit diesen interagierten. Völlig unsichtbar blieben dabei die Betreiber der Netze, die durch die Art der User-Interaktionen immense Macht erhielten und sich dieser auch bewusst seien. „Unser Konzept von Privatheit verändert sich. Es entstehen ungeheure Kontrollmöglichkeiten“, sagte der Landesbischof. Auch die Kommunikationskultur verändere sich gravierend: „Heute ist jeder sein eigener Journalist“, sagte Bedford-Strohm.

Die Diskrepanz der Aktions-Geschwindigkeit zwischen der rasend schnellen digitalen Welt und der mit Bedacht vorgehenden gesetzgebenden Politik sei extrem. Im Moment bewege man sich in einer Zwischenphase der Gesetzlosigkeit, da die Politik nicht schnell genug auf die Veränderungen in der digitalen Welt reagieren könne. „Eine demokratische Kontrolle ist notwendig!“, sagte Bedford-Strohm.

Er differenzierte zwischen dem Informationsauftrag, der zum Beispiel vom Staat im öffentlich-rechtlichen Fernsehen erfüllt werde, und den rein nach Gewinn strebenden Seitenbetreibern im Internet. Letztere würden lediglich die Sensationsgier (Hassinhalte, verrückter Blödsinn, Sinnlosigkeiten) vieler Internetnutzer bedienen, um möglichst viele Klicks zu erreichen, denn dies bringe Gewinn. Sensationelle Nachrichten würden auch einfach erfunden, um die Massen zu lenken.

Bedford-Strohm stellte fest, dass sich die Arbeitswelt im Zuge der Digitalisierung ändere. Unabhängig davon, ob die Zahl der Arbeitsplätze gleich bliebe, sich verringere oder vergrößere – in jedem Falle würde sich der Wohlstand der Gesellschaft erhöhen und die Frage der gerechten Umverteilung stelle sich.

Der Referent

  • Ratsvorsitzender:

    Professor Dr. Heinrich Bedford-Strohm wurde 1960 als Sohn eines evangelischen Pfarrers geboren. Seit 2011 ist er Landesbischof der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Bayern, seit 2014 Ratsvorsitzender der evangelischen Kirche in Deutschland.

  • Schwerpunkt:

    Bedford-Strohm ist verheiratet und hat drei Söhne. Sein wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt auf der Sozialethik.

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