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Freizeit

Behinderte Menschen erleben Gemeinschaft

Vor elf Jahren gründete der VKM die Freizeitgruppe Herkules. 117 Treffen waren von Kreativität und Lebensfreude geprägt.
Von Engelbert Weiß, MZ

  • Bei der Jubiläumsfeier haben die behinderten Jugendlichen selbstgemalte Bilder zugunsten der Reittherapie des VKM versteigert. Foto: E. Weiß
  • Giovanni Superstar sorgte mit gemeinsamen Liedern für Stimmung. Foto: E. Weiß

Regensburg. Musik, Sport, Forschertouren, Kultur, Diskussionen über aktuelle Themen aus Politik und Gesellschaft oder die Auseinandersetzung mit Berufswünschen und Berufsmöglichkeiten – ein breites Spektrum prägt seit elf Jahren die Aktivitäten der Freizeitgruppe „Herkules“ des Vereins für körper- und mehrfachbehinderte Menschen (VKM) Regensburg. Das Wichtigste bei den regelmäßigen Treffen der behinderten jungen Menschen ist, in froher Runde Gemeinschaft, Integration und Inklusion zu erleben. „Es ist so schön hier, ich will da nie mehr weg“, sagte Rollstuhlfahrer Benedikt Kiel bei der Jubiläumsfeier. Gut 60 Gäste waren auf Einladung der behinderten jungen Menschen und ihrer Begleiter ins Jugendzentrum Arena gekommen, um mit ihnen nach elf Jahren als Jugendgruppe Bilanz zu ziehen und gemeinsam zu feiern.

Die Jugendfreizeitgruppe „Herkules“ gab sich 2007 eine eigene Satzung und wurde als erste Gruppe behinderter Jugendlicher, die sich selbst verwaltet, Mitglied im Stadtjugendring und damit auch im Bezirksjugendring und im bayerischen Landesjugendring. Die Jugendgruppe war 2005 als eigenständige Unterorganisation des VKM Regensburg gegründet worden. Ziele waren aktive und kreative Freizeitbeschäftigung, Integration von Menschen mit Behinderung, Förderung von sozialen Kompetenzen, teilnehmen am gesellschaftlichen und kulturellen Leben und vor allem jede Menge Spaß haben. Auch die Entlastung der Eltern und Betreuungspersonen der behinderten Jugendlichen ist ein Gesichtspunkt. Aktion Mensch hatte damals als Anschubfinanzierung unter dem Motto „5000 mal Zukunft“ ein Startkapital von 5000 Euro zur Verfügung gestellt. Das Konzept für den Förderantrag hat Jutta Kellner mit Roland Forster und Matthias Artmann entwickelt und dann zusammen mit VKM-Vorsitzender Christa Weiß den Förderantrag geschrieben.

Eine tragende Stütze

Der neue Vorstand: Christine Kerscher, Sabrina Jobst, Monika Gaßner, Benedikt Kiel, Jan Marienhagen, Jutta Kellner und Markus Bauer (von links)
Der neue Vorstand: Christine Kerscher, Sabrina Jobst, Monika Gaßner, Benedikt Kiel, Jan Marienhagen, Jutta Kellner und Markus Bauer (von links) Foto: E. Weiß

„Eigentlich wollte ich nur das Konzept schreiben“, erinnert sich Jutta Kellner. Tatsächlich ist sie aber bis heute zusammen mit Markus Bauer, der bald darauf zu Herkules gestoßen ist, eine der Stützen der Freizeitgruppe. Die stellvertretende Vorsitzende investiert zusammen mit dem Vorstandsteam viel freie Zeit in die Organisation der Jugendgruppe. Das Amt des Vorsitzenden übt ein behinderter Jugendlicher aus, aktuell ist es Jan Marienhagen. Die Kasse der Gruppe führt Diplompädagoge Markus Bauer. Das Amt der Schriftführerin hat Sabrina Jobst übernommen. Drei weitere behinderte Jugendliche arbeiten im Beirat mit: Christina Kerscher, Monika Gaßner und – bei der Mitgliederversammlung vor kurzem neu dazugewählt – Benedikt Kiel.

Riat Pat Ohrange spielte bei der Jubiläumsfeier im Arena auf.
Riat Pat Ohrange spielte bei der Jubiläumsfeier im Arena auf. Foto: E. Weiß

Eigentlich wollten die behinderten Jugendlichen und ihre engagierten ehrenamtlichen Begleiter schon im vergangenen Jahr das zehnjährige Bestehen feiern. Doch damals war das Jugendzentrum Arena mit Flüchtlingen belegt. So wurde die Feier verschoben und heuer über elf Jahre aktives Gruppenleben Bilanz gezogen. Bei der Jubiläumsfeier im Jugendzentrum Arena spielte Riat Pat Patrik (Gitarre und Gesang) mit Basti an der Trommel und Manulo (E-Gitarre und Gesang) von „Ohrange“ heiße Rhythmen. Dann luden Markus Bauer und Jutta Kellner zu einem schmackhaften Buffet ein. Diesmal hatten Eltern und Angehörige der behinderten Jugendlichen „nur“ Salate, Kuchen und Nachspeisen geliefert, warme Speisen wurden bei einem Cateringservice bestellt. „Normalerweise kochen die Jugendlichen für ihre regelmäßigen bunten Abende ja selber“, berichtete Bauer, „aber zum Jubiläum lassen wir uns einmal bekochen.“

Videos und eine Bilderschau

Videos und eine von Jutta Kellner zusammengestellte Bilderschau boten dann einen Rückblick auf elf Jahre von viel Kreativität geprägte Treffen der behinderten Jugendlichen. Dazu gehörten eine Radiowerkstatt, ein selbst produziertes Musikvideoprojekt mit Gesang und Tanzeinlagen, ein eigenes Hörspiel, Kreativnachmittage im Jugendzentrum, Mal-Aktionen im Pferdestall, Besuche in der Bavaria Filmstadt oder eine Forschungstour durch das Deutsche Museum ebenso wie Schwimmen, Kino- und Dultbesuche, Grillpartys, Schifferlfahrten, Laufen beim Stadtmarathon oder Radfahren beim Arbermarathon, Golfen, Kinobesuche, Stadtmausführungen, Zauberaktionen, Kletternachmittage, gemeinsames Kochen und vor allem Musik machen, etwa bei einem Trommelworkshop mit anschließendem Konzert, oder heuer die Teilnahme am Inklusionssporttag. Insgesamt 117 Treffen haben das Vorstandsteam und seine Helfer in den vergangenen elf Jahren organisiert, vier davon waren sogar mehrtägig. Auch zahlreiche Fotos mit frohen Gesichtern und eine ganze Wand voller Zeitungsberichte im Eingangsbereich des Jugendzentrums zeugten von den vielen Aktivitäten zu allen Jahreszeiten.

Ideen entwickeln und umsetzen

VKM-Vorsitzende Christa Weiß (rechts) überreichte an die engagierten Begleiter der behinderten Jugendlichen Rosen und Gutscheine.
VKM-Vorsitzende Christa Weiß (rechts) überreichte an die engagierten Begleiter der behinderten Jugendlichen Rosen und Gutscheine. Foto: E. Weiß

VKM-Vorsitzende Christa Weiß ist stolz auf das Engagement der Helfer und Begleiter der Jugendgruppe, die regelmäßig den behinderten Jugendlichen „gemeinsame eindrucksvolle Erlebnisse ermöglichen und sie unterstützen, eigene Ideen zu entwickeln und umzusetzen“. Gleichzeitig verschaffen sie den Betreuern und Angehörigen der jungen behinderten Menschen während der Treffen einige Stunden oder auch mal einen ganzen Tag etwas Freiraum zum Durchschnaufen oder für anstehende Erledigungen. Als Zeichen der Anerkennung überreichte die VKM-Vorsitzende rote Rosen.

Auch, wenn die Mitglieder der Freizeitgruppe langsam dem jugendlichen Alter entwachsen, werde die Gruppe weiterbestehen, versicherten die Vereinsvorsitzende und die Verantwortlichen von Herkules. Es sei aber geplant, 2017 eine neue Gruppe mit jungen Leuten ab etwa 14 Jahren einzurichten. Wer Interesse hat, kann sich gerne melden.

Jugendgruppe Herkules des VKM

  • Organisation

    Die Jugendgruppe Herkules wurde 2005 gegründet. Sie ist Mitglied im Stadtjugendring Regensburg.

  • Vorstand

    1. Vorsitzender ist Jan Marienhagen, Stellvertreterin Jutta Kellner, Kassier ist Markus Bauer und Schriftführerin Sabrina Jobst. Im Beirat arbeiten mit: Christina Kerscher, Monika Gaßner und Benedikt Kiel.

  • Treffen

    Die Jugendgruppe Herkules trifft sich regelmäßig etwa einmal im Monat. Gemeinsam wird jeweils für ein halbes Jahr ein attraktives Programm zusammengestellt. Für die einzelnen Treffen ist aus organisatorischen Gründen jeweils eine Anmeldung erforderlich. Die VKM-Mitglieder bezahlen einen Jahresbeitrag von 29 Euro.

  • Finanzierung

    Spender ermöglichen den behinderten Jugendlichen auch kostenintensivere Aktionen, wie etwa Tagesausflüge in einen Freizeitpark, einen Tierpark, ein Museum oder eine lustige Schifffahrt. Ohne einen Zuschuss aus der Vereinskasse könnten sich viele behinderte Jugendliche die Teilnahme an den Treffen nicht leisten.

  • Neue Gruppe

    Demnächst soll eine neue Gruppe für behinderte und nicht behinderte Jugendliche ab einem Alter von etwa 14 Jahren gebildet werden.

  • Kontakt: Interessenten können sich melden bei Jutta Kellner unter E-Mail: jfg-herkules@gmx.de. Weitere Infos gibt es auf der Homepage des VKM Regensburg unter: www.vkm-regensburg.de. (we)

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