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Bei Georg Ratzinger war schon Bescherung

Der Prinz von Benin ließ den Domkapellmeister die Friedensglocke läuten. Und ein Münchner Christkindl zupfte das Prélude.
Von Helmut Wanner, MZ

Klänge himmlischen Friedens: Der Prinz von Benin macht dem Domkapellmeister a.D. sichtlich Freude.
Klänge himmlischen Friedens: Der Prinz von Benin macht dem Domkapellmeister a.D. sichtlich Freude. Fotos: Wanner

Regensburg.Am 24. Dezember gibt es beim Domkapellmeister a. D. traditionell Würstl und hernach Punsch und Plätzchen. Zwei Tage vor Silvester besucht Georg Ratzinger seinen Bruder, den emeritierten Papst Benedikt XVI., mit dem er am 15. Januar im Vatikanstaat seinen Geburtstag feiert. Aber dieses Jahr ist alles etwas anders. Bescherung war diesmal schon eine Woche vor Heiligabend. Und das Christkind war nicht wie sonst schon weggeflogen, als er in die gute Stube kam.

Hoheit oder Durchlaucht?

Als der päpstliche Protonotar nach dem obligatorischen Mittagsschläfchen sein barockes Ess- und Empfangszimmer in der Luzengasse betrat, zupfte das Christkind mit roten Lippen, krauser Nase, Engelshaar und aufgesetzten Flügeln ein Prelude auf der Gitarre. Danach drückte ihm ein schwarzer Mann, bei dem er erst gar nicht wusste, ob er ihn „Eure Hoheit“ oder „Ihre Durchlaucht“ ansprechen sollte, ein Friedensglöckerl in die Hand. Der Mann schaute aus wie der eine von den Heiligen Drei Königen und wurde als Prinz von Benin vorgestellt. Mit dem Glöckerl durfte der Domkapellmeister seine eigene feine Friedensmelodie läuten. Die Himmelsklänge machten ihm sichtlich Freude.

„O, da sind Sie ja in drei Personen da!“

Domkapellmeister a. D. Georg Ratzinger

Keine Angst. Selten hat man einen 91-Jährigen so fit, heiter und entspannt erlebt wie diesen Georg Ratzinger. Er genoss den Auftritt einer Corona Prominenter, den ihm sein privater Eierlikör- und Spitzbuben-Bäcker Reinhard Del’Haye Köhler beschert hatte, um so mehr, als er weiß, dass so eine Gelegenheit nicht wiederkommt. Es war Gnade. Wenn schon Papst Franziskus in Rom das Jahr der Barmherzigkeit ausruft, dann muss doch der Bruder des ersten bayerischen Papstes auch so großherzig sein und seinem preußisch-lutherischen Quälgeist in der Luzengasse das Tor der Barmherzigkeit öffnen. Es war das Weihnachtsgeschenk des Domkapellmeisters an seinen Kuchenbäcker. Jedes Jahr führt der ihm einen ganzen Schwung Prominenter und ehemaliger Prominenter zu, die angeblich nichts sehnlicher wünschen, als dem ehemaligen Domkapellmeister und Papstbruder „Grüß Gott“ zu sagen.

Bis auf den Eierlikörkuchen, die Klosterkipferln und die Spitzbuben war natürlich nichts so wie es auf den ersten Blick schien: Der Prinz von Benin ist von königlichem Geblüte, aber von kongolesischem. Als der Prinz dem Domkapellmeister seine komplizierte Identität erklärte, bemerkte Ratzinger mit feiner Ironie. „O, da sind Sie ja in drei Personen da!“ Der Prinz von Benin heißt Claude Kalume wa Mukadi Dah Vignon Prinz von Amomey, ging acht Jahre bei den Jesuiten ins Priesterseminar. Von seinem Berufswunsch blieb der missionarische Impuls. Hätte er durchgehalten, vielleicht wäre er der erste schwarze Papst geworden. So hat er Betriebswirtschaft und Psychologie studiert und deutsche Firmen beraten.

Den Glanz des Prinzenamts nutzt er für die ehrenamtliche Friedensarbeit. Alfonsine Marie Lebedeme Lawson Behanzin, Herrscherin über das Königreich Benin, hat ihn zum Prinzen gemacht. Er ist nun der Vertreter des Königreichs in Bayern. Zugleich vertritt der Prinz seine Bell Amani Friedensstiftung und ist Brückenbauer zwischen Europa und Afrika.

Der Prinz ist ein feinfühliger Mann mit einem großen Herzen. Bei der Präsentation des Films „Kindersoldaten“ in Berlin, sagt er, sei er neben Michael Gorbatschow gesessen und habe sich gefragt: „Wie kommen diese Kinder in Afrika an Waffen? Sie werden zum Beispiel in einer Fabrik bei München hergestellt.“ Seitdem zeigt er, dass man mit Metall zweierlei Lärm machen kann, einen Lärm zum Töten und einen für den Frieden. Dafür ließ er in Straubing Glocken gießen. Jeder darf nun die Glocke schlagen und seine eigene persönliche Friedensmelodie erzeugen. Danach sammelt er die Friedenswünsche in Tagebüchern ein.

Der 59-jährige Vater von drei Kindern lebt seit Jahrzehnten in München, lehrt heute zum Beispiel Polizisten, wie sie sich gegenüber schwarzen Asylbewerbern verhalten sollen und berät Firmen wie die Bavaria Filmstudios im interkulturellen Dialog. Bei der oskargekrönten Produktion „Nirgendwo in Afrika“ von Caroline Link (2001) war er Berater. In ihrem Film „Pünktchen und Anton“ (1999) spielte der Prinz einen Botschafter Afrikas.

Der Himmel der Bayern

Nun fragt man sich, warum ein Prinz von Benin dem Domkapellmeister seine Aufwartung machte. Und warum in dieser Begleitung? „Eine gute Frage“, sagt er. Es habe sich gefügt, dass er mit seinen Friedensglocken wieder bei Gloria im Schloss Station mache. Nach Regensburg war er in Begleitung des Christkinds und dessen Managerin gereist. Christkind und Prinz haben sich vor vier Jahren auf einer Charity kennengelernt.

Das Christkind ist auch nicht wirklich eines, sondern die Sängerin und Schauspielerin Cornelia Corba, ehemals Schwiegertochter in spe von Blacky Fuchsberger. Aktuell hat Cornelia Corba eine Rolle in „Dahoam is dahoam“ als Gisi Brettschneider, Gattin eines Clubbesitzers. Man kennt sie aus TV-Produktionen, dem „Johnny Cash“-Musical und aus der Show „Marylin forever – aus dem letzten Tag einer Sexgöttin“. Sie hat für den Playboy posiert. Man sah sie auf einer Pariser Hotel-Couch, bekleidet mit einem Hut mit schwarzem Schleier, so wie er von Damen bei der päpstlichen Privataudienz getragen wird. Sonst trug sie nichts.

Hätte Georg Ratzinger davon gewusst, wer weiß, ob sich das Tor der Barmherzigkeit für das gschlamperte Christkindl geöffnet hätte? Aber so ist er in dieser Nacht selig eingeschlafen. Denn das ist dem alten Herrn Domkapellmeister in seinen bald 92 Jahren nicht passiert. Es war so wie sich der kleine Maxl den Himmel vorstellt.

Der Prinz von Benin in der Luzengasse

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