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Bei Neonazis nicht wegsehen

Regensburger Schüler organisierten ein Treffen mit der Initiative „Keine Bedienung für Nazis“. Sie wollten über Rechtsextremismus informieren.
Von Davina Lang, MZ

Im Café Picasso sprachen die jungen Gymnasiasten mit Picasso-Geschäftsführer Hoffmann, Professor Hornung und Inhaber Israel (von links).
Im Café Picasso sprachen die jungen Gymnasiasten mit Picasso-Geschäftsführer Hoffmann, Professor Hornung und Inhaber Israel (von links). Foto: mzred

Regensburg.Schüler der Oberstufe des Albrecht-Altdorfer-Gymnasiums (AAG) veranstalteten gestern für alle 9. Klassen einen Informationstag zum Thema „Extreme Rechte in Deutschland“. Die Jugendlichen sollten über Aktionen Rechter in Regensburg, Gegenaktionen dazu und über die weite Verbreitung rechten Gedankenguts informiert werden. Der Tag war ein Kleinprojekt im Rahmen eines P-Seminares für das Fach Geschichte, das von den Schülerinnen Milena Zilk und Lena Perzlmaier geleitet wurde. Insgesamt vier Klassen waren in der Gaststätte Picasso zu Gast, um von Sion Israel Einzelheiten über den rechten Angriff auf sein Lokal zu erfahren. Dabei wurde auch die Initiative „Keine Bedienung für Nazis“ vorgestellt.

Vier Jahre ist es her, als der damalige Barkeeper Michael Sauerer vom Café Picasso vor seiner Arbeitsstätte eine schwarze Passantin vor den Anfeindungen pöbelnder Neonazis verteidigte, die in einem Racheakt kurz darauf das Café Picasso überfielen und gegenüber Sauerer extrem gewalttätig wurden. Mit Unterstützung der Landeskoordinierungsstelle Bayern gegen Rechtsextremismus (LKS) gründete Sion Israel, Inhaber des Café Picasso, daraufhin die Initiative „Keine Bedienung für Nazis“. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von Regensburger Gastronomen, die sich dafür aussprachen, Neonazis den Zutritt zum Restaurant zu verbieten und ein Hausverbot auszusprechen.

Im Gespräch mit Zion Israel sowie dem Mitbegründer der Initiative, Prof. Dr. Roland Hornung, und Picasso-Geschäftsführer Alexander Hoffmann erfuhren die Schüler Genaueres über die Initiative und wurden animiert, gegen Rechtsextreme vorzugehen. „Zivilcourage heißt klare Worte setzen gegen Volksverhetzung“, sagte Hornung.

Aber woran erkennt man Neonazis? Diese Frage wurde mehrmals gestellt. Die wenigsten Rechtsextremen kleiden sich noch wie Skinheads. Viele tragen unauffällige Kleidung, die nur für Szenekenner Rückschlüsse auf ihre politische Gesinnung zulässt. „Genau hinsehen und hinhören“, meinte Hoffmann. „Wenn ich rechte Äußerungen höre, spreche ich denjenigen darauf an. Wenn die Person das nicht unterlässt, wird sie gebeten, zu gehen.“ Es gehe darum, Rechtsextremen den Raum zu nehmen, indem man verdeutliche, dass sie nicht erwünscht seien, erklärte Hoffmann. Die Message an die Schüler war deutlich: Nicht wegsehen, sondern handeln.

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