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Kultur

Beim Geld scheiden sich die Geister

Die Meinungen in der Musikbar „Heimat “ über die richtigen Maßstäbe zur Förderung junger Lebensart in Regensburg klafften oft himmelweit auseinander.
Von Daniel Steffen, MZ

Gaben Joachim Wolbergs oft Kontra: Theaterdozentin Tina Lorenz und Filmemacher David Liese Foto: Steffen

Regensburg.Unterschiedlicher hätten die Positionen kaum sein können – und trotzdem war man sich im Kern einig, dass insbesondere für die junge Kultur mehr getan werden müsse. Als Bürgermeister Joachim Wolbergs, Tina Lorenz, OB-Kandidatin der Piraten, Filmemacher David Liese und der städtische Musikbeauftragte Säm Wagner sich am Mittwochabend in der Musikbar „Heimat“ über „Kulturentwicklung und Kulturverdrängung“ ausließen, verfing sich die Diskussion schon früh in einzelnen Punkten. Eingeladen hatte der Juso-Unterbezirk Regensburg, es moderierte SPD-Stadtratskandidat Tobias Hammerl.

Problematisch gestaltete sich die gut besuchte Gesprächsrunde etwa in dem Punkt, an welchen Parametern sich die Kultur messen lasse, um förderwürdig zu sein. Tina Lorenz, die als Theaterdozentin arbeitet, sprach von einem „wilden Wachstum“, das sie sich in der Regensburger Kulturszene wünsche: 3000 pinke „Hitler-Zwerge“ als Zeichen gegen Rechts seien für sie ebenfalls Kultur, betonte sie. David Liese pflichtete ihr indirekt bei und sprach davon, dass Kunst irritierend und komisch sein müsse. Beide hegten Zweifel daran, ob jene Kunst, die als „schräg“ gelte, von der Stadt nicht eher links liegen gelassen werde. Dem gegenüber stehe beispielsweise das Stadttheater mit einer jährlichen Fördersumme von zehn Millionen Euro. Bürgermeister Wolbergs sagte hierzu, dass die Stadt umgerechnet auf jede Theaterkarte 68 Euro drauflege, was auch begrüßenswert sei. Er stritt jedoch ab, dass konkrete Kulturadressen finanziell ins Abseits gestellt würden.

Lorenz entgegnete, dass genau dies beim „L.E.D.E.R.E.R.“ der Fall gewesen sei: So habe Kulturreferent Klemens Unger dem Verein vor gut einem Jahr die weitere Unterstützung versagt – mit dem Verweis, dass es sich um kein kulturelles Projekt handele. Den wahren Hintergrund vermutete Lorenz darin, dass die Lokalität einen Ruf als „linke Keimzelle“ genieße und deshalb von der Stadtverwaltung mit kritischem Auge betrachtet werde.

In der Frage, ob Kunst von der Stadt nach wirtschaftlichen Kriterien behandelt werden solle, herrschte ebenfalls Divergenz: „Dann würde sich die Kulturförderung überflüssig machen“, meinte David Liese. Wolbergs bezeichnete es als „Humbug“, dass Wirtschaftlichkeit Vorrang habe: Oft sei Kultur ein Draufzahlgeschäft, so der OB-Kandidat der SPD. Allerdings müsse eine gewisse Qualität in der Kultur erkennbar sein, um förderwürdig zu sein. Anders als Lorenz hegte er Zweifel daran, dass das Wiener Modell in Regensburg funktionieren könne: Dort verwalte sich laut der „Piratin“ die Kunstszene selbst und bestimmt eigenständig darüber, wie die Gelder verteilt werden.

Als weiterer Problempunkt in der jungen Kultur wurde der Mangel an Räumen diskutiert. Säm Wagner schlug als mögliche Lösung eine Zwischennutzung leerstehender Gebäude vor, so wie sie auch in anderen Städten funktioniere. Joachim Wolbergs hieß die Idee bedingt gut – mit dem Verweis darauf, dass von den Nutzern langfristig eine Dauernutzung ins Auge gefasst werde. Daraufhin entgegnete einmännlicher Zuhörer, dass es sich die Stadt zur Aufgabe machen müsse, Immobilien auch für kulturelle Nutzungswecke zu kaufen.

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