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Streit

Bekommt Löwe „Benedikt“ Auftrittsverbot?

Wenn Regensburg ein Vermietungsverbot für Zirkusse mit wilden Tieren beschließt, trifft es die Katze, die der Papst taufte.
Von Helmut Wanner, MZ

Star-Tierlehrer Martin Lacey holt sich bei einer Privataudienz den Segen: Papst em. Benedikt XVI. streichelt am 28. Januar 2009 das Löwenbaby, das seinen Namen trägt: Prinz Benedikt
Star-Tierlehrer Martin Lacey holt sich bei einer Privataudienz den Segen: Papst em. Benedikt XVI. streichelt am 28. Januar 2009 das Löwenbaby, das seinen Namen trägt: Prinz Benedikt Foto: Osservatore Romano

Regensburg.Die Linksfraktion hat für die Sitzung des Stadtrats am Donnerstag beantragt, die Stadt Regensburg möge künftig keine in kommunaler Hand befindliche Flächen an Zirkusbetriebe vermieten, die wildlebende Tiere mitführen. Der Antrag behauptet massive Gesundheitsschäden, schwere Verhaltensstörungen und erhöhte Sterblichkeit bei Zirkustieren.

„Es gibt immer wieder Politiker, die glauben, sich auf dem Rücken der Tiere profilieren zu können“

Susanne Matzenau

Reaktionen auf seinen Antrag habe er noch nicht erhalten, sagte Fraktionsvorsitzender Richard Spieß zu unserer Zeitung. „Auch wenn er aus Parteiraison abgelehnt wird, so findet wenigsten die entsprechende Petition medial ein Echo.“ Anlass für den Antrag sei, dass er von einem Vertreter einer Tierschutzorganisation angesprochen worden sei, die Petition für das Verbot von Wildtieren im Zirkus laufe nicht besonders gut.

MZ-Leser gegen ein Verbot

Wie die Leser unserer Zeitung über ein Verbot von Wildtieren im Zirkus denken, ist seit dem 8. Mai bekannt. 72,5 Prozent der Leser sprachen sich für Wildtiere im Zirkus aus. Über 15 000 Leser nahmen an der Online-Umfrage teil. Hintergrund war der Verbotsantrag des Bundesrats im März dieses Jahres, der den Manegen-Auftritt von Elefanten, Affen, Großbären, Giraffen, Nashörnern und Flusspferden untersagt (die MZ berichtete).

„Proteste gegen Zirkusse sind an der Tagesordnung“, sagt Sascha Gorodkowski, Sprecher des Zirkus Voyage, der ab dem 15. Juli in Regensburg gastiert. „In Nürnberg wurden wir auch so begrüßt.“ In Burglengenfeld hatte es im Frühjahr Debatten gegeben, weil der Circus Henry auf dem Festplatz die Zelte und Gehege für seine Pferde und Kamele aufgestellt hat, obwohl ihm das die Stadt zuvor untersagt hatte. In einem Stadtratsbeschluss vom Oktober 2015 heißt es nämlich, dass keine Verträge mit Zirkussen unterschrieben werden, die Tiere wie Elefanten, Bären oder eben auch Kamele und Pferde mit sich führen. Der Zirkus musste beim TV Burglengenfeld Asyl beantragen, berichtete unsere Zeitung. Betroffen von einem städtischen Verbot der Vermietung wäre in diesem Jahr nur ein Zirkusunternehmen. Am 15. Juli schlägt der „Zirkus Voyage“ für zwei Wochen seine Zelte auf privatem Grund in der Bamberger Straße auf, in der Nähe der Pfaffensteiner Brücke. Mit dem eingeführten Zirkus reisen afrikanische Elefanten, Giraffen, ein Flusspferd, weiße Tiger, Zebras und Pferde.

Direkt betroffen wäre der größte Zirkus Deutschlands. Vom 27. Oktober bis zum 6. November gastiert der Zirkus Krone mit seinem Programm „Evolution“ am Dultplatz. Der Vorverkauf hat begonnen. Der mit einem silbernen und goldenen Clown ausgezeichnete Tierlehrer Martin Lacey präsentiert darin die größte gemischte Raubtiernummer der Welt. Sie besteht aus 26 Tigern und Löwen. Der bekannteste ist Papstlöwe Prinz Benedikt. Er wurde bei der großen Privat-Audienz 2009 vom früheren Heiligen Vater Papst Benedikt in Rom getauft. „Wie wir wissen, ist der emeritierte Papst Benedikt XVI. ein Katzenfreund. Martin Lacey hat ihm den vierjährigen Löwen in einem weißen Tuch präsentiert“ erinnert sich die Sprecherin des Zirkus Krone, Dr. Susanne Matzenau.

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Kommentar

Der gläserne Käfig

Wildtiere im Zirkus: ja – aber nur wenn sie artgerecht gehalten werden. Was für Betriebe wie Krone selbstverständlich ist, müssen alle Zirkusse konsequent...

„Das ist wohlfeile Symbolpolitik“

„Es gibt immer wieder Politiker, die glauben, sich auf dem Rücken der Tiere profilieren zu können“, sagte Dr. Matzenau. „Das ist wohlfeile Symbolpolitik.“ Dr. Matzenau stellt klar: Alle unsere vierbeinigen Artisten genießen ausgesucht gutes Futter, geräumige Außen- und Freigehege, Badewagen für Tiger und Löwen, ständige Betreuung durch Tierpfleger und -lehrer. Die ältesten unserer Löwen sind 28 Jahre alt. In freier Wildbahn leben sie zwischen acht und 12 Jahre. Für die Veteranen der Manege gibt es ein Seniorenheim in Weßling am Ammersee.“

In jeder Stadt werde Krone von den Amtstierärzten kontrolliert. „In den letzten Jahren gab es keinen einzigen negativen Eintrag.“ Selbstverständlich gebe es auch wissenschaftliche Studien über Tiere im Circus, Messung von Stresshormonen während der Reise, über den Bewegungsdrang von Raubtieren und über Dressurmethoden mit positiver Verstärkung. „Es gibt keine einzige wissenschaftliche Begründung für ein Verbot von Wildtieren.“ Dr. Matzenau spricht von emotionaler Agitation.

Gibt es eine tierärztliche Begründung dafür, Verbote für Zirkusse mit Wildtieren auszusprechen? Ein befragter Veterinär der Stadt verwies für Auskünfte an den auskunftsberechtigten Leiter des Umweltamts Rudolf Gruber, der dazu aber vorab keine Stellung nehmen wollte. Das Thema solle im Stadtrat ausdiskutiert werden.

Sollte der Stadtrat ein Vermietungsverbot für Zirkusse mit Wildtieren beschließen? Machen Sie bei unserer Umfrage mit:

Umfrage

Wildtiere im Zirkus: Soll die Stadt einschreiten?

Die Regensburger Linksfraktion will, dass die Stadt künftig keine kommunalen Flächen mehr an Zirkusbetriebe mit Wildtieren vermietet. Sollte sich dieser Antrag durchsetzen?

Der Zirkusdirektor informiert

  • 80 Tiere

    Der Circus Voyage ist einer der letzten Circus-Betriebe in Deutschland und reist mit rund 80 Tieren, darunter auch Tiger, Elefanten, Giraffen, ein Flusspferd und Zebras durch Deutschland. Am 15. Juli ist Premiere in Regensburg. Im Rahmen des Gastspiels lädt Voyage zu einer speziellen Informationsveranstaltung.

  • Informationsveranstaltung

    Am Freitag, 22. Juli, 13.30 Uhr, informiert der Direktor in den Zeltanlagen des Circus Voyage an der Bamberger Straße 28 über das Thema „Tiere im Circus“.

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