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Auftakt

Bericht von den Abgründen der Seele

Hanns Amannsberger, Leiter der JVA Straubing, sprach über Schuld. Stadtdekan Roman Gerl erinnerte an die Tat von Hanau.
Von Martina Groh-Schad

Zum Auftakt der Fastenimpulse in St. Emmeram lud Stadtdekan Roman Gerl (r.) den Leiter der Justizvollzugsanstalten Straubing und Passau, Hans Amannsberger, ein.  Foto: Martina Groh-Schad
Zum Auftakt der Fastenimpulse in St. Emmeram lud Stadtdekan Roman Gerl (r.) den Leiter der Justizvollzugsanstalten Straubing und Passau, Hans Amannsberger, ein. Foto: Martina Groh-Schad

Regensburg.Unter dem Motto „Pleas for Peace“ startete am Donnerstag in der Basilika St. Emmeram die achte Auflage der Fastenimpulse, organisiert von Stadtdekan Roman Gerl. Der Geistliche erinnerte daran, dass am 8. Mai 1945 die Schreckensherrschaft des Zweiten Weltkriegs endete. „Wir dürfen in Deutschland in Frieden leben“, betonte er. „Das ist Geschenk und Aufgabe zugleich.“ In seiner Begrüßung erinnerte er an die Taten in Hanau und Volkmarsen. „Der Frieden hängt an einem seidenen Faden“, warnte er. Für Freundschaft brauche es zwei Personen. Für Feindschaft reiche eine Person.

Als ersten Referenten für seine Fastenimpulse hatte Gerl den Leiter der Strafvollzugsanstalten Straubing und Passau, Hans Amannsberger, in die Kirche eingeladen. Amannsberger berichtete von seiner Schulzeit, in der ihm christliche Werte vermittelt wurden. „Hier wurde meine Menschlichkeit geprägt“, betonte er. Seit 30 Jahren ist er im Strafvollzug tätig. „Die Abgründe der menschlichen Seele sind Teil meiner Arbeit“, sagte er. Er werde mit schrecklichen Taten konfrontiert. Allerdings solle man mit der Haftunterbringung sehr verantwortungsbewusst umgehen. „Für einen Menschen gibt es nichts Schlimmeres, als unschuldig eingesperrt zu werden“, erklärte er. Das Leben werde in diesem Fall komplett durchgeschüttelt. Haft bedeute oft den Verlust des Arbeitsplatzes und der Wohnung.

Menschen

Monsignore Karl Wohlgut ist tot

Mehr als 40 Jahre war der Geistliche in Regensburg tätig. Er wurde jetzt in seiner Heimat Grafenwöhr beigesetzt.

In der Justizvollzugsanstalt säßen Menschen, die den Frieden gestört hätten. Kann der einzelne Täter selbst wieder Frieden finden? Kann ein Opfer wieder Frieden finden? Wird die Rechtsgemeinschaft befriedet? Fragen, die Amannsberger mit dem „Vater unser“ beantwortet sieht, wo es heißt: Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Im Johannes-Evangelium sei zudem zu lesen: Wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein.

Einen großen Dank sprach Amannsberger den Mitarbeitern in den Justizvollzugsanstalten aus. Bei ihrer Arbeit nehme die Resozialisierung eine wichtige Rolle ein. Viele Gefangene würden aktiv mit Seelsorgern, Psychologen und Juristen zusammenarbeiten. Sie müssten sinnvolle Freizeitgestaltung erst lernen. „Oft kennen sie nur, in Brennpunkten herumzulungern und Alkohol sowie Drogen zu konsumieren.“ In den Justizvollzugsanstalten gebe es Sport- und Theatergruppen, in denen man zum Beispiel Fairness erlernen könne.

Stadtdekan Roman Gerl schloss mit einem Segen und dankte Amannsberger für die wertvollen Gedanken. „Wir sollten das Böse zu Tode lieben“, zitierte er den Franziskaner Richard Rohr. Musikalisch umrahmten Thomas Basy am Klavier und Sebastian Wurzer am Saxophon den Fastenimpuls.

Plädoyer für Frieden

  • Reihe:

    Zum achten Mal organisiert Stadtdekan Roman Gerl in der Basilika St. Emmeram eine Fastenreihe mit Gästen, die in der Kirche einen Vortrag halten oder Musik machen.

  • Motto:

    In diesem Jahr stehen die Fastenimpulse unter dem Motto „Pleas for Peace“ (Plädoyer für Frieden). Am 19. März spricht um 19.30 Uhr Prof. Dr. Dr. Thomas Sternberg, der Präsident der deutschen Katholiken, zu Gläubigen.

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