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Forschung

Besonderes Humboldt-Stipendium am UKR

Brasilianische Humboldt-Stipendiatin beginnt ihr Forschungsprojekt in der Kieferorthopädie an Uni und Uniklinik Regensburg.

Ein Denkmal für Alexander von Humboldt: Die Alexander-Humboldt-Stiftung fördert in seinem Namen Wissenschaftler – jetzt auch in Regensburg. Foto: Maurizio Gambarini/dpa
Ein Denkmal für Alexander von Humboldt: Die Alexander-Humboldt-Stiftung fördert in seinem Namen Wissenschaftler – jetzt auch in Regensburg. Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Regensburg.Alexander von Humboldt, geboren vor über 250 Jahren am 14. September 1769, war ein großer deutscher Forschungsreisender mit einem Betätigungsfeld, das weit über Europa hinausreichte. In seinem über einen Zeitraum von mehr als sieben Jahrzehnten entstandenen Gesamtwerk trug er wesentlich zum Wissens- und Reflexionsstand des Wissens von der Welt bei und wurde zum Mitbegründer der Geografie als empirischer Wissenschaft. Selbst ein Förderer der Wissenschaft zu Lebzeiten werden auch heute immer noch in seinem Namen Wissenschaftler von der Alexander-von-Humboldt-Stiftung gefördert. Der Wettbewerb um eine solche Unterstützung ist hart, berichtet das Universitätsklinikum Regensburg (UKR). Nach Angaben der Humboldt-Stiftung werden nur etwa 20 bis 25 Prozent aller Anträge befürwortet. Es spielt dabei keine Rolle, in welchem Forschungsgebiet oder Land die Bewerber arbeiten.

„Umso mehr freue ich mich, dass wir nun aktiv an einem von der Humboldt-Stiftung geförderten Forschungsprojekt partizipieren dürfen“, erklärt Prof. Dr. Dr. Peter Proff, Direktor der Poliklinik für Kieferorthopädie des UKR. Unter Federführung von PD Dr. Dr. Christian Kirschneck fungiert daher nun die Poliklinik für Kieferorthopädie des UKR als wissenschaftlicher Gastgeber für Prof. Dr. Erika Calvano Küchler von der Universidade Positivo in Curitiba, Brasilien. Küchler wurde für ein CAPES-Humboldt-Forschungsstipendium ausgewählt, das sie nun in Kooperation mit dem Regensburger Team in einem 18-monatigen Forschungsprojekt absolviert.

Am Ende des Textes finden Sie ein kurzes Interview mit der Stipendiatin.

Genetik im Fokus des Projekts

Für das CAPES-Humboldt-Forschungsstipendium für erfahrene Wissenschaftler müssen diese über eine überdurchschnittliche Qualifikation verfügen, ihr Doktorat vor weniger als zwölf Jahren abgeschlossen haben und bereits ein eigenes Forschungsprofil bzw. mehrere Jahre unabhängig wissenschaftlich gearbeitet haben, zumindest auf dem Niveau eines „Assistant Professor“ oder Nachwuchsgruppenleiters. Die entscheidenden Faktoren für die Auswahl sind die wissenschaftliche Qualifikation des Antragstellers und die Qualität des Forschungsprojekts, das von unabhängigen Fachgutachtern bewertet wird.

Freuen sich auf die gemeinsame Forschungsarbeit (v.l.n.r.): PD Dr. Dr. Christian Kirschneck, Prof. Dr. Erika Calvano Küchler und Prof. Dr. Dr. Peter Proff. Foto: Klaus Völcker/UKR
Freuen sich auf die gemeinsame Forschungsarbeit (v.l.n.r.): PD Dr. Dr. Christian Kirschneck, Prof. Dr. Erika Calvano Küchler und Prof. Dr. Dr. Peter Proff. Foto: Klaus Völcker/UKR

Seit Januar 2020 arbeiten Kirschneck und Küchler nun innerhalb des gemeinsamen Stipendienprogramms der Alexander-von-Humboldt-Stiftung und der brasilianischen Forschungsförderungsorganisation CAPES. Dieses wird es ermöglichen, die Expertise der Stipendiatin auf dem Gebiet der Genetik in einem Projekt an der Universität Regensburg einzubringen, das darauf abzielt, den genetischen Hintergrund von verschiedenen kieferorthopädisch relevanten Phänotypen in einer klinischen Studie an Populationen aus Deutschland sowie Brasilien zu untersuchen.

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Küchler ist eine ausgewiesene Wissenschaftlerin und Kinderzahnärztin, die mehrere klinische und akademische Grade in Brasilien erhalten hat (DDS und MS in Kinderzahnheilkunde sowie ein Ph.D. in Medical Science). Später wurde sie Postdoc an der University of Pittsburgh, USA. Nach zwei Jahren kehrte Küchler als Wissenschaftlerin an die Universität von São Paulo nach Brasilien zurück und ist derzeit Professorin an der Positivo-Universität in Brasilien. Seit 2017 besteht eine aktive wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen ihrer brasilianischen Forschungsgruppe und der Poliklinik für Kieferorthopädie in Regensburg, die von ihrem akademischen Gastgeber und Projektleiter Kirschneck initiiert wurde, der auch ihr Interesse am Forschungsgebiet der Kieferorthopädie geweckt hat.

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Prof. Küchler, Sie führen Ihr Forschungsprojekt im Rahmen des CAPES-Humboldt-Forschungsstipendiums an und in Kooperation mit der Poliklinik für Kieferorthopädie des Universitätsklinikums Regensburg durch. Warum haben Sie sich für diese Forschungseinrichtung entschieden bzw. wie ist es dazu gekommen?

Prof. Küchler: Zunächst einmal möchte ich der Alexander-von-Humboldt-Stiftung und CAPES für die Verleihung dieses anerkannten Stipendiums danken. Ebenso möchte ich meinem Gastgeber PD Dr. Dr. Christian Kirschneck und seinem Forschungsteam aus der Poliklinik für Kieferorthopädie am Universitätsklinikum Regensburg herzlich für das Ermöglichen dieser tollen Gelegenheit und die kontinuierliche Unterstützung danken. Im Laufe der Jahre habe ich viele interessante Publikationen von Herrn Kirschneck gelesen, der ein international ausgewiesener Wissenschaftler auf dem Gebiet der kieferorthopädischen Forschung ist. Ich hatte die Gelegenheit, im Jahr 2017 eine wissenschaftliche Zusammenarbeit mit ihm und seinem Team zu beginnen und wir konnten bereits mehrere gemeinsame Forschungsergebnisse in den letzten zwei Jahren erfolgreich publizieren, die nun im Humboldt-Forschungsstipendium für erfahrene Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit CAPES gipfeln. Das Stipendium gibt mir die Möglichkeit, ein langfristig angelegtes, gemeinsames klinisch-genetisches Forschungsprojekt auf dem Gebiet der Kieferorthopädie zu beginnen und neue Erfahrungen an einer modernen Universität zu sammeln.

Das Thema Ihres Forschungsprojekts ist es, die Auswirkungen von genetischen Polymorphismen besonders in Vitamin-D-verwandten Genen im Rahmen der kieferorthopädischen Behandlung und den damit verbundenen Phänotypen zu untersuchen. Wie würden Sie das Projekt beschreiben?

Eine Vielzahl von zahnärztlichen und kieferorthopädischen Erkrankungen und Fehlentwicklungen bzw. Malokklusionen sowie die individuellen Gewebereaktionen auf therapeutische Verfahren haben einen genetischen Hintergrund. Mit Vitamin D verwandte Gene könnten die Immunantwort des Patienten und Aspekte der Knochen- und Zahnentwicklung beeinflussen. In unserem Projekt soll daher untersucht werden, ob häufig auftretende Variationen in diesen Genen mit dentofazialen Phänotypen bzw. der individuellen Reaktion der Patienten auf die kieferorthopädische Behandlung zusammenhängen.

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