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Kirche

Bewusstsein für Gemeinschaft schaffen

Vor zehn Jahren wurde Eckhard Herrmann neuer Dekan des Donaudekanats Regensburg. Mit der MZ sprach er über seine Arbeit.
Von Angelika Lukesch, MZ

Dekan Eckhard Herrmann ist das Zusammengehörigkeitsgefühl im Donaudekanat sehr wichtig.
Dekan Eckhard Herrmann ist das Zusammengehörigkeitsgefühl im Donaudekanat sehr wichtig. Archivfoto: altrofoto.de

Regensburg.Lieber Herr Dekan Herrmann, wie war vor zehn Jahren Ihr erster Eindruck von Ihrem neuen Wirkungskreis?

Der 3. April 2006, ein Montag, war mein erster Arbeitstag. Als ich in der Früh nach Regensburg kam, wurde ich mit einem Korb mit Regensburger Würsten, Regensburger Bieren und Schwarzer Kipferln sowie mit einem Begrüßungsständchen des Gospelchors empfangen. Das war ein schöner und vielversprechender Anfang!

Was charakterisiert das Donaudekanat?

Das Donaudekanat Regensburg ist das flächengrößte Dekanat in Bayern mit 4250 Quadratkilometern. Es reicht von Siegenburg und Bad Gögging im Westen bis nach Osterhofen und Hengersberg in Osten. Ich habe das Dekanat auf meinen Radtouren auf dem Donauradweg nach Oberschwaben und nach Wien in den vergangenen Jahren mehrfach durchquert. Wo immer man im Donaudekanat ist – man ist in einer schönen Gegend, in der man gut und gern leben kann.

Wenn die Kirchen ein konkurrenzloses Miteinander nicht weiter fördern, verlieren sie – davon bin ich überzeugt – mehr und mehr an Glaubwürdigkeit.

Dekan Eckhard Herrmann

Das Dekanat hat nach dem Krieg durch den Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen aus den früheren deutschen Ostgebieten eine erhebliche zahlenmäßige Vergrößerung und – durch die unterschiedlichen (profanen wie kirchlichen) Traditionen und die Lebenserfahrungen, die die Menschen mitgebracht haben – eine besondere Prägung erhalten. Eine zweite große Zuzugswelle – vor allem aus den Staaten der früheren UdSSR – gab es in den frühen 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Der Anteil von Evangelischen mit Migrationshintergrund ist in den meisten der 24 Gemeinden hoch bis sehr hoch. Heute leben über 72 000 evangelische Christen im Donaudekanat.

Hat sich das Dekanat in den zehn Jahren, in denen Sie ihm vorstehen, verändert?

Mir war von Anfang an wichtig, das Zusammengehörigkeitsgefühl im Dekanat, ein „Dekanatsbewusstsein“, zu fördern. Angesichts der großen Distanzen ist das nicht leicht. Wir haben versucht, Brücken zu bauen, indem wir die Dekanatssynoden und Konferenzen nicht immer in Regensburg, sondern bewusst in den Regionen veranstaltet haben. Ein „Rundbrief“ informiert regelmäßig über aktuelle Ereignisse in den Gemeinden.

Was prägt Ihre Arbeit?

Mir war und ist es wichtig, nicht nur in Regensburg, sondern „in der Fläche“, also in allen Gemeinden präsent zu sein. Diese Suche nach persönlicher Nähe prägt meine Arbeit.

Welchen gesellschaftspolitischen Entwicklungen mussten Sie Rechnung tragen?

Dekan Herrmann mit seinem gut verpackten Enkelkind.
Dekan Herrmann mit seinem gut verpackten Enkelkind. Foto: Lukesch

Kirche beziehungsweise die Zugehörigkeit zur Kirche ist heute nicht mehr selbstverständlich. In ganz Bayern ist die Zahl der Kirchenaustritte – evangelisch wie katholisch – in den letzten Jahren erheblich gestiegen.

Im Donaudekanat Regensburg ist das nicht ganz so deutlich zu spüren, weil wir hier in einer Zuwachsregion leben; aber die Kirchen müssen sich darauf einstellen, dass ihre Mitgliederzahlen in den nächsten Jahren weiter schrumpfen werden.

Welche Ziele hatten Sie vor zehn Jahren?

Ich war zunächst einmal neugierig, was mich erwartet. Wichtig war mir, die Pfarrerinnen und Pfarrer und die Mitarbeiter mit ihren besonderen Talenten und Stärken wahrzunehmen, ihnen wertschätzend zu begegnen und sie nach Kräften bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Ein weiterer Schwerpunkt war es auch, die Gemeinden zur Zusammenarbeit zu ermutigen. Ab Anfang der 20er-Jahre werden wir weniger Personal und Geld zur Verfügung haben. Deswegen sollten wir jetzt gezielt das Miteinander suchen und gemeinsam Akzente setzen. Das ermöglicht nicht nur Arbeitserleichterungen für die Hauptamtlichen, sondern auch eine Bereicherung – mit unterschiedlichsten Angeboten – für die Gemeindemitglieder. Von Fall zu Fall gelingt das schon ganz gut.

Eine wichtige Zukunftsaufgabe ist auch der Umgang mit unseren Immobilien: Pfarrhäuser, Gemeindehäuser, Kirchen. Viele dieser Häuser sind in die Jahre gekommen. Ihr Erhalt kostet Unmengen und übersteigt teilweise unsere Möglichkeiten. Hier gilt es, mit den Gemeinden nach zukunftsfähigen, das heißt entlastenden Lösungen zu suchen.

Dekan Eckhard Herrmann

  • Ausbildung und Privates

    Eckhard Herrmann wurde 1954 in Hannover geboren. Die Kindheit und Jugend verbrachte er in Oberschwaben (Weingarten und Ravensburg) in der Nähe des Bodensees. Sein Studium absolvierte er in München und in Wien. Seit 1980 ist Eckhard Herrmann verheiratet. Er hat drei erwachsene Söhne und seit vier Monaten ein Enkelkind.

  • Beruflicher Werdegang

    Eckhard Herrmann war Vikar in Höhenkirchen bei München und Gemeindepfarrer in Burghausen, in Burgkirchen a.d. Alz, Würzburg und in Baldham bei München. Am 3. April 2006 wurde Eckhard Herrmann als Dekan des Donaudekanats Regensburg installiert. Das Donaudekanat umfasst 72 000 evangelische Christen. Es ist das flächengrößte in Bayern (4250 Quadratkilometer).

Wie wirkt sich die Flüchtlingskrise auf Ihre Aufgaben aus?

In vielen Gemeinden und auch bei der Diakonie und dem Evangelischen Bildungswerk wird sehr viel für die Flüchtlinge getan. In etlichen Gemeindehäusern werden Begegnungsmöglichkeiten eingerichtet und auch Deutschkurse angeboten. Persönliches Kennenlernen hilft, Vorurteile zu überwinden. Ich bin sehr froh, dass von Willkommenskultur im Donaudekanat nicht nur gesprochen wird, sondern dass diese Willkommenskultur auch in vielfältiger Weise gelebt wird.

Sehen Sie die christlichen Kirchen in Bayern und der Region in der Krise?

Vor zehn Jahren führte Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss Dekan Herrmann in der Neupfarrkirche in sein Amt ein.
Vor zehn Jahren führte Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss Dekan Herrmann in der Neupfarrkirche in sein Amt ein. Archivfoto: altrofoto

Von Krise würde ich noch nicht sprechen. Aber die Akzeptanz wird geringer. Das gilt für beide großen Kirchen. Umso wichtiger ist es, gezielt das Miteinander zu suchen. In Diakonie und Caritas, bei den Bildungseinrichtungen unserer Kirchen und auch im Miteinander benachbarter Gemeinden gelingt das sehr gut. Ich bin über die vielerorts gelebte Ökumene sehr froh. Wenn die Kirchen ein konkurrenzloses Miteinander nicht weiter fördern, verlieren sie – davon bin ich überzeugt – mehr und mehr an Glaubwürdigkeit.

Was wünschen Sie sich für Ihre Arbeit in der Zukunft?

Bis zum Ruhestand habe ich noch viereinhalb Jahre. Die werden schnell vorübergehen. Ich wünsche mir, dass ich gesund bleibe und meine Arbeit im Miteinander mit den Pfarrerinnen und Pfarrern, den Mitarbeitenden und den Gemeinden so fortsetzen kann, dass die Kirche in guter Weise wahr- und ernstgenommen wird, dass Menschen, die Zuspruch, Trost und Hilfe brauchen, wissen, dass sie bei der Kirche gut aufgehoben sind, dass es uns gelingt, mit unserer Botschaft und unseren Angeboten wieder mehr, vor allem auch junge Menschen anzusprechen.

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