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Glaube

Biblische Gartenarbeit aus Liebe

Im Regensburger Ortsteil Keilberg entsteht ein Bibelgarten, der Szenen aus der Heiligen Schrift darstellt. Die Gärtnerin erzählt von einer Leidenschaft.
Von Benedikt Bögle, MZ

Der Keilberger Bibelgarten lässt Szenen aus der Heiligen Schrift lebendig werden.Foto: Bögle

REGENSBURG. Barbara Stollreiter führt stolz durch ihren Garten, den sie beinahe vollkommen selbst pflegt und erweitert. Der Besucher merkt ihr den Stolz an, wenn sie durch ihr Reich führt. Geht man durch den Bibelgarten in Keilberg, ist es kaum vorstellbar, dass hier einmal Wildnis herrschte. Damals war der Garten hinter der St.-Michaels-Kirche ungeordnet, die Pflanzen wuchsen kreuz und quer, niemand gebot ihnen Einhalt. Das hat mittlerweile Barbara Stollreiter übernommen: Die Mesnerin, Lektorin und Kommunionhelferin der Pfarrei lässt seit etwa drei Jahren einen Bibelgarten in Keilberg entstehen, der mehr als 80 Motive aus der Heiligen Schrift der Christen bildlich darstellt.

Bibelgarten soll Glaube vermitteln

Viele der biblischen Darstellungen sind aus ganz verschiedenen Materialien zusammengewürfelt. Holz, Erde, Ton- und Plastikfiguren mischen sich wild. Zu vielen der Darstellungen kann Stollreiter eine Geschichte erzählen. Sie berichtet von ihrer ursprünglichen Idee und der Ausführung, von der Beschaffung der Baumittel und von der vielen Arbeit, die sie in den Garten steckt. Durch den Bibelgarten will sie eine neue Perspektive auf den christlichen Glauben eröffnen. Viele Menschen, so Stollreiter, seien von der Kirche enttäuscht, hätten Probleme. Im Bibelgarten aber könnten sie den Glauben ganz neu erfahren: „Es ist ja schade um das Evangelium, wenn es nicht ankommt.“

Mehr als 150 Gärten in Deutschland

In Deutschland gibt es über 150 Bibelgärten. Bei aller Unterschiedlichkeit geht es dabei meist um Pflanzen, die in der Bibel erwähnt werden: Etwa Olive, Wein, Weihrauch und Zimt. Eine Besonderheit des Regensburger Bibelgartens ist, dass es nicht ausschließlich um die Pflanzen geht – sondern auch um die Darstellung biblischer Erzählungen. Von der Schöpfung der Welt über Mose bis hin zur Auferstehung Jesu zeigt der Garten die wichtigsten Begebenheiten des alten und Neuen Testaments.

Ganz besonders scheinen Barbara Stollreiter die „Ich-bin-Worte“ Jesu zu gefallen: Ich bin das Licht der Welt, ich bin der Weinstock, ich bin der gute Hirt. Diese insgesamt sieben Worte hat sie allesamt mit großer Liebe fürs Detail entwickelt, sie klingt begeistert, wenn sie davon spricht. Manchmal ist es nicht leicht, die Geschichte hinter den Darstellungen im Garten zu erkennen. Aber so ist es ja auch nicht gedacht: „Die Leute sollen nachdenken!“, sagt Stollreiter. Dieses Nachdenken macht den Besuchern Spaß: Sie kommen von weit her, ganz verschiedene Gruppen hat die Bibelgärtnerin schon durch den Garten geführt. Auch Schulklassen und Religionslehrer interessierten sich schon für das Keilberger Projekt.

Etwa bei der Kreuzigungsszene gibt es viel zu entdecken. Ein großes Kreuz liegt auf einem fischförmigen Untergrund. Der Fisch: Ein Symbol für das Christentum. Ausgelegt ist dieses Feld mit roten Spänen, bepflanzt mit Rosen. Beides, so Stollreiter, ein Zeichen für die Liebe. Und eben dieses Wort – „aus Liebe“ – ist dann auch mit Steinen auf den Boden gelegt.

Aus Liebe betreibt auch Stollreiter den Bibelgarten. Helfer hat sie nur sporadisch, den größten Teil der anfallenden Arbeit übernimmt sie selbst. Aber sie macht es ja gerne, ihre Begeisterung wird für den Besucher spürbar: „Für mich ist das eine Mission, ich hoffe der Heilige Geist hilft ein bisschen mit.“ Sie sieht ihre Arbeit als Verkündigungsdienst, will sich so für ihren Glauben einsetzen.

Führungen und Veranstaltungen

In Keilberg gibt es jedoch nicht nur Führungen durch den Bibelgarten – auch Veranstaltungen finden oft statt: Immer wieder treffen sich hier Bibelkreise, Mitte August wurden hier Kräuterbuschen gebunden, im Juli wurde die neue Darstellung der Schöpfungsgeschichte eingeweiht. Kindergartenkinder, der Kinderchor und die Ministranten führten dafür die einzelnen Schritte der biblischen Welterschaffung szenisch vor. Ein Traum Stollreiters wäre es, kleine Schauspiele über die Szenen der Bibel öfters aufzuführen - doch dafür fehlen die Schauspieler.

Ein großes Ziel hat Barbara Stollreiter noch, die Verwirklichung ist jedoch schwierig: Ein Backofen soll in den Garten kommen. Doch dafür fehlt bislang das Geld. St. Michael sei eine „kleine Pfarrei, die kein Geld hat.“ Die Gruppenführungen durch den Garten sind kostenlos, die vielen Ausgaben müssen durch Spenden gedeckt werden. Auch vonseiten des Bistums gibt es hier keine Unterstützung. Warum ihr der Ofen so wichtig ist? „Der fehlt: Im Brotbrechen erkennt man Jesus“, sagt sie mit überzeugter Stimme.

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